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27.06.2018

Archivale 03/2018 - Die »Frage-Bibel« des Pastors Johann Cyriakus Höfer

In der Reihe „Archivale des Monats“ werden seit 2009 ausgewählte Stücke aus dem Stadtarchiv Ratzeburg vorgestellt. Ein Archivale (Plural: „Archivalien“) ist eine im Archiv aufbewahrte Unterlage. Archivalien sind Unikate (Einzelstücke), sie sind als Originale also nur einmal vorhanden.


Das Stadtarchiv Ratzeburg bewahrt neben solchen Archivalien im engeren Sinne allerdings auch andere Zeugnisse aus der Vergangenheit der Stadt auf. So befinden sich in der Archivbibliothek und im Sammlungsbestand zahlreiche interessante Stücke, die ebenfalls in dieser Reihe präsentiert werden. Ergänzt wird diese Reihe durch Beiträge geschichtsinteressierter Bürger, die eigene Bilder, Dokumente oder Erinnerungen beisteuern können.

Das Stadtarchiv Ratzeburg möchte auf diesem Wege möglichst vielen Interessierten besondere Einblicke in den Archivbestand ermöglichen und gleichzeitig, Anregungen zu eigener Beschäftigung mit der Geschichte unserer Stadt geben.

Ein über 360 Jahre altes Buch aus dem Archivbestand steht dieses Mal als "Archivale des Monats" im Fokus ...

Die »Frage-Bibel« des Pastors Johann Cyriakus Höfer

Quiz-Shows aller Art beherrschen das Fernsehprogramm, und Quiz-Duelle auf dem Smartphone erfreuen sich großer Beliebtheit. Offenbar begeistern sich die Menschen für Frage-und-Antwort-Spiele aller Art. Das über 360 Jahre alte Buch, das wir hier näher vorstellen, zeigt, dass diese Faszination nicht nur eine Erscheinung der Gegenwart ist.

Der Autor Johann Cyriakus Höfer war evangelischer Pastor und Verfasser theologischer Schriften. Er stammte aus einer Pastorenfamilie und war um 1605 in Großwerther geboren worden. Während des Dreißigjährigen Krieges war die Familie von Thüringen nach Mecklenburg gelangt. 1623 nahm Höfer in Rostock sein Studium auf. Später studierte er in Königsberg.

1639 wurde er Pastor in Kalkhorst, im äußersten Nordwesten Mecklenburgs. Bis zu seinem Tod am 1. Februar 1667 blieb er in diesem Amt.

Von seinen theologischen Texten haben zwei größere Bedeutung erlangt. Das war zunächst sein Buch „Himmelsweg, das ist wie ein Kind in 24 Stunden lernen kann, wie es soll der Höll‘ entgehen und  selig werden“, das einen ethisch-pädagogischen Anspruch verfolgte und in den folgenden Jahrhunderten durch verschiedene Bearbeiter weiter ergänzt und neu herausgegeben wurde.

Das zweite Buch, das weitere Verbreitung fand, war die „Frage-Bibel“. Höfer wollte damit eine didaktische Unterstützung für „Hausväter“, Lehrer und Studierende bieten. In seiner Einleitung berichtet der Autor, „daß die Jugend auff das Lesen der heiligen Bibel nicht sonderlich Achtung gebe / wenn sie nicht alsobald nach dem Lesen examiniert werde“.

Außerdem sei das „menschliche Gedächtniß viel zu wenig und schwach […] alles zu fassen / und zu behalten / was in derselbigen auffgezeichnet ist“.

Die „Frage-Bibel“ ist nach den Büchern der Bibel und deren Kapiteleinteilungen geordnet. Zu den jeweiligen Abschnitten werden die entsprechenden Fragen und Antworten aufgeführt. Höfer hat sein Buch so aufgebaut, dass „auch ein gar einfältiger Mensch solche leicht fassen und behalten / Rede und Antwort davon haben kann“. Daraus ergebe sich eine „Aufmunterung“, „damit wir das fürnembste […] behalten“. Denn die Bibel sei „unter allen Büchern / so unter der Sonnen zu finden / das aller herzlichste / köstlichste / nützlichste und tröstlichste Buch“.

In mecklenburgischen Kirchengemeinden wurde Höfers „Frage-Bibel“ zu einem Standardwerk im Konfirmandenunterricht.

Die Druckerei auf dem Ratzeburger Domhof, bei der das Buch gedruckt wurde, hat rund 150 Jahre bestanden. Gegründet wurde sie von dem Lübecker Bürger und Buchhändler Ulrich Wetstein, der 1662 durch den mecklenburgischen Herzog Christian das Privileg erhielt, in der Kapitelstube des ehemaligen Domherrenstiftes eine Druckerei zu betreiben.

Da Wetstein selbst kein Drucker war, sondern als Unternehmer und Verleger auftrat, stellte er den Drucker Niclas Nissen aus Schleswig ein, der den Betrieb führte, später in die Familie Wetstein einheiratete und 1669 sein Privileg erhielt. In der Druckerei auf dem Domhof wurden neben behördlichen Schreiben vor allem theologische Schriften gedruckt.

Niclas Nissen starb 1688. Seine Witwe führte die Druckerei zunächst drei Jahre allein weiter, ehe sie den Drucker Sigismund Hoffmann ehelichte. Bis 1811 hat der Betrieb auf dem Domhof existiert. Drei Jahre später wurde in der Stadt Ratzeburg die Freystatzkysche Druckerei gegründet, die bis in die 1950er Jahre existierte.