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25.11.2021

Archivale 06/2021 - »Gesundheits-Schein« und »Instruction für die Bürger-Wachen vor den beyden Thoren der Stadt Ratzeburg« aus dem Jahr 1831

In der Reihe „Archivale des Monats“ werden seit 2009 ausgewählte Stücke aus dem Stadtarchiv Ratzeburg vorgestellt. Ein Archivale (Plural: „Archivalien“) ist eine im Archiv aufbewahrte Unterlage. Archivalien sind Unikate (Einzelstücke), sie sind als Originale also nur einmal vorhanden.


Das Stadtarchiv Ratzeburg bewahrt neben solchen Archivalien im engeren Sinne allerdings auch andere Zeugnisse aus der Vergangenheit der Stadt auf. So befinden sich in der Archivbibliothek und im Sammlungsbestand zahlreiche interessante Stücke, die ebenfalls in dieser Reihe präsentiert werden. Ergänzt wird diese Reihe durch Beiträge geschichtsinteressierter Bürger, die eigene Bilder, Dokumente oder Erinnerungen beisteuern können.

Das Stadtarchiv Ratzeburg möchte auf diesem Wege möglichst vielen Interessierten besondere Einblicke in den Archivbestand ermöglichen und gleichzeitig, Anregungen zu eigener Beschäftigung mit der Geschichte unserer Stadt geben. Stadtarchivar Christian Lopau beschreibt in dieser Archivale den »Gesundheits-Schein« und die »Instruction für die Bürger-Wachen vor den beyden Thoren der Stadt Ratzeburg« aus dem Jahr 1831 (Stadtarchiv Ratzeburg I Nr. 993).

Archivale 06/2021 - »Gesundheits-Schein« und »Instruction für die Bürger-Wachen vor den beyden Thoren der Stadt Ratzeburg« aus dem Jahr 1831

Wir erleben derzeit eine weltweite Pandemie, deren Auswirkungen uns vermutlich noch lange beschäftigen werden. Ansteckende Krankheiten haben in der Geschichte der Menschheit immer wieder unzählige Opfer gefordert und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Auch in unseren Archiven hat der Kampf gegen die Seuchen ihre Spuren hinterlassen.

Im Stadtarchiv gut dokumentiert ist der Einsatz gegen die Cholera-Epidemie der 1830er Jahre. Wirksame medizinische Mittel standen den damals Verantwortlichen nicht zur Verfügung. Auch die Verbreitungswege der Krankheit waren weitgehend unbekannt oder zumindest umstritten. Als sich im Jahr 1831 die Berichte über ein Herannahen der zuerst in Russland ausgebrochenen Cholera verdichteten, ordneten die Behörden Vorsichtsmaßnahmen an, die sich wenig von denen unterscheiden, mit denen wir heute versuchen, ansteckende Krankheiten einzudämmen, für die noch kein Impfstoff bzw. Gegenmittel bekannt ist. Vor Ort bereitete man sich u. a. dadurch vor, dass Gebäude für die Einrichtung als Hospital und Quarantänestation ausgewählt wurden. Die Apotheken wurden angehalten, sich mit Medikamenten zu bevorraten.

Eine Gesundheitskommission aus ranghohen Vertretern der Stadt koordinierte und kontrollierte die Einhaltung aller angeordneten Maßnahmen. An die Einwohnerschaft wurde appelliert, auf eine gesunde Lebensführung und Sauberkeit in der Stadt zu achten. Ein besonderer Schwerpunkt der damals erlassenen Verordnungen lag auf Einreiseverboten und Quarantänevorschriften für diejenigen Reisenden, die nicht nachweisen konnten, dass sie aus Gebieten kamen, die nicht von der Cholera betroffen waren. Die städtischen Behörden stellten selbst „Gesundheitszeugnisse“ für diejenigen aus, die außerhalb Ratzeburgs Geschäfte zu erledigen hatten. In unserem Beispiel war der „Bürger Tesmann als Bote nach Groß Thurau [Thurow] und wieder zurück nach Ratzeburg“ unterwegs. Die Kontrollen an den Toren der Stadt übernahmen Wachmannschaften, die sich aus Ratzeburger Bürgern zusammensetzten. Die Vorschriften, nach denen sie sich zu richten hatten, sind in der Instruktion zusammengefasst, die wir ebenfalls präsentieren.

Während in der Nachbarstadt Mölln im Jahr 1833 acht Menschen an der Cholera starben, blieb Ratzeburg von dieser Krankheitswelle verschont. Erst 1850 wurde auch die Inselstadt von einem neuerlichen Ausbruch erfasst, dem 18 Menschen zum Opfer fielen.


Quelle: Stadt Ratzeburg