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24.10.2025

Die 'Lange Nacht der Demokratie' in Ratzeburg diskutierte zum Ost-West-Verhältnis

Die von der Ratzeburger Volkshochschule Anfang Oktober organisierte 'Lange Nacht der Demokratie' lockte auch in ihrer zweiten Ausgabe wieder zahlreiche Menschen in Ratzeburg zu den Veranstaltungen, in diesem Jahr unter dem Titel 'Ost und West – Ungleich vereint?'. Bereits am Vormittag gab es eine lebhafte Gesprächsrunde zur Eröffnung der Ausstellung  "Frauen im geteilten Deutschland" in der Ratzeburger Stadtbücherei. Frauen aus Ost und West sprachen über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten ihrer Lebenswelten. Zur Abendveranstaltung mit dem Historiker und Autoren Ilko-Sascha Kowalczuk kamen über 90 Gäste und folgten einem von Dr. Andreas Wagner vom GRENZHUS Schlagsdorf moderierten Gespräch zur deutschen Einheitsgeschichte.

Kowalczuk skizzierte mit seinen bekannt schonungslosen Blick die Wendezeit und vor allem das mühevollen Zuwachsen der beiden deutschen Gesellschaften, die aus seiner Sicht bis heute nicht abgeschlossen ist und in Teilen sogar wieder wachsende Risse zeigt. Er warnte dabei vor einer überhöhten Fokussierung auf das Ost-West-Verhältnis. Die Herausforderungen ostdeutscher Regionen sollten nach seiner Ansicht nicht höher bewerter werden, als die anderer strukturschwacher Regionen in Deutschland, wie beispielsweise im Saarland. Ebenso sprach er sich dafür aus, die bestehenden Unterschiede zwischen Ost und West zu akzeptieren und nicht mehr der Erzählung einer Einheitlichkeit, die in der Wendezeit geprägt wurde, zu folgen. Die Herausforderungen, so Kowalczuk, liege darin, im Bewußtsein der Unterschiede die Gemeinsamkeiten zu finden. Dazu brauche es Normalität im Umgang und eine gesamtdeutsche Brille. Ob dieser Sichtwechsel allerdings gelingen kann, da zeigte sich Kowalczuk auch in den vielen Nachfragen unentschieden. Zu sehr werde aus seiner Sicht der AfD-Erfolg zu einem ostdeutschen Phänomen und Sonderweg stilisiert. Dabei werde schnell übersehen, dass die Mehrheit der Menschen in Ostdeutschland, genau wie in Westdeutschland, sich noch klar demokratisch positionieren. Allerdings betonte er, dass der von der AfD geschürte Rassismus und Hass im Osten Wirkung zeige, ein Hass, der dort auch vielfach gegen den 'Westen' kultiviert wird. Gerade daher sei eine Ende der andauernden Ost-West-Fokussierung so wichtig. 

Slivia Tessmer, Geschäftsführerin der Ratzeburger Volkdhochschule, zeigte sich mit dem Verlauf der zweiten 'Langen Nacht der Demokratie', die mit Unterstützung durch die Kreissparkasse Herzogtum Lauenburg ermöglicht wurde, sehr zufrieden. "Das Interesse am Austausch zu aktuellen politischen Entwicklungen ist wahrnehmbar hoch. Das gewählte Format der 'Langen Nacht' scheint dafür gut geeignet zu sein, so dass wir bereits über eine Fortsetzung im kommenden Jahr nachdenken", sagte Silvia Tessmer.

Quelle: Volkshochschule Ratzeburg und Umland e.V.