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11.02.2026

Archivalien aus dem Stadtarchiv: 'Denkmäler in Ratzeburg'

In diesem Jahr soll sich unsere Rubrik der 'Archivale' mit "Denkmälern in Ratzeburg" beschäftigen. Denkmäler werden errichtet, um Erinnerung wach zu halten, Gedenken zu fördern, bestimmte Personen zu ehren oder historische Ereignisse und Orte besonders hervorzuheben.

Diejenigen, die ein Denkmal errichten und eine Person bzw. ein Ereignis als erinnerungswürdig erachten, heben damit oft auch eine Vorbildfunktion heraus. Da soll etwas im kollektiven Gedächtnis festgehalten werden. In der Regel erfüllen Denkmäler keinen praktischen Zweck. Anders als in einem Museum oder in einer Gedenkstätte wird Geschichte durch Denkmäler nicht erklärt.

Denkmäler haben ihren Platz im öffentlichen Raum und behaupten ihn oft weit über die Epoche hinaus, in der sie errichtet wurden. Sie werden Teil des Stadtbildes und unseres Alltags. Als Relikte früherer historischer und kultureller Gegebenheiten stellen wir sie in der Regel nicht mehr infrage. Erst wenn eine Umsetzung, eine Veränderung oder gar ein Abriss ansteht, werden Denkmäler zum Gegenstand oft hitziger Debatten. Mit einem Blick auf unsere Ratzeburger Denkmäler möchten wir die historischen Kontexte ihrer Aufstellung erläutern und erklären, wofür diese Denkmäler stehen und was wir von ihnen erfahren können. 

In dieser Archivale wird die Stele des Rotary Clubs in den Anlagen 'Unter den Linden' vorgestellt.

Archivale 02/2026 - Stele des Rotary Clubs in den Anlagen 'Unter den Linden'

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Als sich Anfang der 1990er Jahre die Grenzen zu den osteuropäischen Staaten öffneten, entstanden auf kommunaler Ebene neue Kontakte besonders zu polnischen Städten. Ratzeburgs damaliger Bürgermeister Bernd Zukowski, besuchte 1993 den polnischen Kurort Sopot, der an der Danziger Bucht zwischen Danzig und Gdingen liegt und als "Sommerhauptstadt" Polens gilt. Aus dem Bemühen des Bürgermeisters um eine engere Verbindung zu dem Urlaubsort an der Ostsee entwickelte sich eine Partnerschaft, die mit der Unterschrift der beiden Bürgermeister unter die Partnerschaftsurkunde am 4. Juni 1994 besiegelt wurde.

Um eine Intensivierung der Beziehungen zwischen Deutschland und Polen bemühten sich auch viele Rotary Clubs beider Länder. Besonders dem Ratzeburger Tierarzt Dr. Richard Pyritz (1940-2017), Gründungspräsident des Ratzeburger Rotary Clubs, war das engere Zusammenrücken der Nachbarn in Europa ein Herzensanliegen. In einem Interview formulierte Pyritz es so: „Meine Vision ist, dass es zu einem lebhaften, lang andauernden und sehr persönlichen Austausch kommt. Nötig ist dafür ein solides Wissen über unsere östlichen Nachbarn.“

Einen Höhepunkt fand die Verständigungsarbeit in einer Veranstaltungswoche, vorbereitet und getragen vom Deutsch-Polnischen Länderausschuss von Rotary International und dem Rotary Club Ratzeburg – Alte Salzstraße. Vom 6. – 12. Oktober 1997 lautete das Motto 'Polen zu Gast in Ratzeburg'.

Ziel dieser Woche war es, „Fehlinformationen, Vorurteile und oberflächliche Sichtweisen“ abzubauen und mit Kunst, Kultur und Vorträgen ein Beitrag zu leisten, „aus der neuen Nachbarschaft eine gute Nachbarschaft entstehen zu lassen.“

Zur Eröffnung sprach unter anderem der ehemalige polnische Außenminister und Historiker Wladislaw Bartoszewski. Ein Sinfoniekonzert, eine Plakatausstellung des Künstlers Jan Lenica im Haus Mecklenburg, eine Podiumsdiskussion und ein Wirtschaftsgespräch gehörten ebenso zum Programm wie ein Abend mit Günter Grass, der in der Aula der Lauenburgischen Gelehrtenschule aus eigenen Texten las und mit dem Publikum aktuelle und historische Fragen diskutierte.

Als bleibendes Zeichen der Freundschaft wurde zum Abschluss der Veranstaltungswoche die Stele 'Unter den Linden' aufgestellt. Die zweisprachige Inschrift fordert zu einer Förderung des guten Verhältnisses zwischen Deutschland und Polen auf. An der Einweihung des Gedenksteins, der von dem Steinmetz Wulf Helmert entworfen und gespendet worden war, nahmen Ratzeburgs Bürgermeister Bernd Zukowski und Sopots Stadtpräsident Jan Koslowski teil.

Quelle: Stadtarchiv Ratzeburg - Stadtarchviar Christian Lopau