Hilfsnavigation
Volltextsuche
Seiteninhalt

Archivale 01/2025 - Denkmal für die in Südwestafrika gefallenen Soldaten des Ratzeburger Jägerbataillons

Vereinfachter Text >>

Zeugnisse der deutschen Kolonialgeschichte sind in Ratzeburg selten zu finden, aber es hat sie gegeben. So befand sich auf dem Grundstück der früheren Domkaserne (Domhof 41) ein Denkmal, das folgende Inschrift trug:

Ihren
in Südwestafrika
gefallenen Kameraden
Leutnant Fürbringer
aus Emden
Unteroffizier Gass
aus Offenburg
Reiter Berkling
aus Ummendorf
die 4. Compagnie.

Über den Zeitpunkt der Aufstellung dieses Denkmals haben sich bisher keine Quellen finden lassen. Klar ist allerdings der historische Kontext:

Am 12. Januar 1904 lehnte sich die Bevölkerungsgruppe der Herero bei einem Aufstand gegen die deutschen Kolonialherren auf, die den Aufstand mit großer Brutalität niederschlugen. Zehntausende Angehörige der Bevölkerungsgruppen der Herero und Nama wurden bei dem Vernichtungsfeldzug getötet, der heute von Historikern mehrheitlich als Genozid eingestuft wird.

Die drei auf dem Denkmal genannten Soldaten sind im Laufe dieses Feldzugs ums Leben gekommen. Sie alle gehörten zeitweise dem in Ratzeburg stationierten Lauenburgischen Jägerbataillon Nr. 9 an, das für die Verstorbenen Anzeigen in der „Lauenburgischen Zeitung“ aufgab.
Bei dem Leutnant Edzard Fürbringer, handelte es sich übrigens um einen Sohn des Oberbürgermeisters der Stadt Emden.

Dokument anzeigen: Todesanzeigen für Unteroffizier Wilhelm Gass und von Reiter Otto Berkling vom Lauenburgischen Jäger-Bataillon
Todesanzeigen für Unteroffizier Wilhelm Gass und von Reiter Otto Berkling vom Lauenburgischen Jäger-Bataillon

PDF, 67 kB



Das Denkmal hat bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg an der ehemalige Domkaserne gestanden und wurde im Frühjahr 1948 beseitigt.

In der Sitzung der Stadtvertretung vom 14. Mai 1948 ist die Anfrage des Ratsherrn Plenkner protokolliert, „warum das Denkmal auf dem Gelände der Domkaserne abgebrochen worden sei? Es ist ihm Aufklärung gegeben, daß die Stadtverwaltung hierzu nicht gehört worden sei, da das Denkmal auf kreisgehörigem Gelände steht. Bei der Kreisverwaltung wird Anfrage gehalten werden, aus welchem Grund dieses Denkmal, das zur Erinnerung der Afrika-Kämpfer 1914-18 gesetzt worden ist, abgebrochen werden musste.“ [Offenbar wusste man 1948 schon nichts mehr über den historischen Hintergrund der Aufstellung und ging davon aus, dass die drei Soldaten während des Ersten Weltkriegs in der Kolonie Deutsch-Südwest verstorben waren.]

Falls die Angelegenheit weiterverfolgt wurde, hat sie zumindest keinen Niederschlag in den Stadtvertretungsprotokollen gefunden.

14.03.2025 
Quelle: Stadtarchiv Ratzeburg - Stadtarchviar Christian Lopau 
Zum Seitenanfang (nach oben)