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Archivale 05/2013 - "Album Amicorum"

Durch eine großzügige Zuwendung der Fielmann AG befindet sich seit einigen Monaten im Sammlungsbestand des Stadtarchivs ein Stammbuch mit Eintragungen aus der Zeit von 1792 bis 1848, viele von ihnen aus Ratzeburg.

In der Form der Poesiealben sind uns die Stammbücher bis heute vertraut. Entstanden ist diese Form der Sammlung von Gedichten, Versen oder Sinnsprüchen bereits in der Reformationszeit. Damals war es Mode, Autographe (von einer bekannten Person mit eigener Hand geschriebenes Schriftstück) der Reformatoren zu sammeln.

Später wurden die Stammbücher (auch Freundschaftsalben oder „Album Amicorum“) besonders von Studenten genutzt, sich gegenseitig ihre Freundschaft zu bezeugen. Meist zu besonderen Anlässen tauschte man solche Freundschaftsbezeugungen aus

In der Zeit des Biedermeier (1815 bis 1848) erlebten die Stammbücher noch einmal eine Blüte. Der frühere Kreisarchivar und Museumsleiter Dr. Hans-Georg Kaack, der sich mit der Biedermeierzeit intensiv beschäftigt hat, schreibt über die Stammbucheintragungen dieser Epoche:

„In der Biedermeierzeit ist besonders der Fleiß ungezählter Dilettanten groß, die, unbeschwert von jedem literarischen Gewissen, den Gänsekiel ins Tintenfass tunken, um Erinnerungsbücher, Denkmäler der Freundschaft und Stammbücher mit hausgemachten Versen zu füllen.“ (Hans-Georg Kaack, Impressionen aus der Biedermeierzeit, 1992)

Album Amicorum
(bitte aufrufen)

In der Form gebundener Büchlein oder als Sammlung loser Blätter in einem Kästchen – wie in unserem Fall – sind einige dieser Stammbücher erhalten geblieben.

Nicht nur auf die Worte kam es vielen Verfassern an, sie haben die Blätter mit Zeichnungen, Stickereien, geflochtenen Haaren oder den Noten zu einer Fuge ausgeschmückt.

Die Blatt mit der Fuge stammt übrigens von dem Möllner Komponisten und Organisten Johann Christoph Schmügel (1727 – 1798).

Johann Christoph Schmügel (1727 - 1798)
(eingespielt von Domorganist Christian Skobowsky auf der großen Rieger-Orgel)

Mein Freund!
Dieser Satz gehört im Tempel
Wo die Ehre Gottes wohnt
Bilde Dich durch dies Exempel,
So wird deine Müh belohnt.

Flieh den Tand der Operngänge,
(Da man nichts als Wollust lehrt)
Bleib entfernt vom Weltgepränge,
Werde ja nicht mit verkehrt!

Dein Genie werd immer größer
In der reinen Harmonie
Ja, ich hoff‘ es, werde größer!
Dieses ist mein Wunsch für Sie. 

Mit einem alten, redlichen,
deutschen Herzen, wird
dieses unterschrieben
von
J.C. Schmügel 1792

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