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Archivale 06/2013 - Das Ratzeburger Lehrerseminar

Das Landschulwesen im Herzogtum Lauenburg war, aller Reformversuche zum Trotz, bis in das 19. Jahrhundert hinein in einem beklagenswerten Zustand. Eine zentrale Frage bei der Verbesserung des Schulwesens war die Ausbildung der Lehrer. Bis zur Errichtung des Lauenburgischen „Schullehrer-Präparanden-Instituts“, das vor allem der Initiative des Superintendenten Carl Friedrich Wilhelm Catenhusen (*1792 in Ratzeburg +1853 in Ratzeburg) zu verdanken ist, gab es im Herzogtum Lauenburg kein eigenes Institut für die Vorbereitung der Lehranwärter. 1836 wurde die Ausbildung der Anwärter an die Stadtschule in Ratzeburg angegliedert.



Das Präparandeum wurde nach der Angliederung des Herzogtums an Preußen zu einem Lehrerseminar ausgebaut, dessen Eröffnung am 15. Oktober 1873 in Ratzeburg stattfand. Unter den 137 Lehrern im Herzogtum Lauenburg waren 1876 schon 101 ehemalige Präparanden, die in Ratzeburg ausgebildet worden waren. 





Die Lehrerausbildung wurde weiter ausgebaut. Stadt, Kreis und preußischer Staat einigten sich auf die gemeinsame Finanzierung des Baus und der Unterhaltung eines Seminargebäudes. 1893 übernahm der preußische Staat die Trägerschaft des Lauenburgischen Lehrerseminars, das im Herbst 1895 in ein dreiklassiges Seminar umgewandelt wurde.

1894 bis 1896 wurde in den Gärten im südlichen Teil der Demolierung ein Neubau errichtet. L. Hellwig berichtet in seiner Stadtchronik: „Besondere Sorgfalt erforderte die Fundamentierung des Baus auf dem sumpfigen Terrain. Der letzte Stamm des Pfahlrostes, der 569., wurde am 14. Mai 1865 eingeschlagen.“ 

Abschiedszeitung der Seminarklasse 1918 - 1921
(bitte aufrufen)

Das neue Seminargebäude wurde am 9. November 1896 eröffnet und bestand bis zum 20. März 1926. In Preußen wurden die Lehrerseminare in der Zeit der Weimarer Republik durch die neue eingerichteten Pädagogischen Akademien abgelöst.

 Festzeitung zur Schlussfeier des Ratzeburger Lehrerseminars
(bitte aufrufen) 

Nachdem das Gebäude anschließend für kurze Zeit leer stand, wurde es von der Stadt für eigene Schulzwecke erworben, um das „gänzlich veraltete und unzweckmäßige Schulgebäude der Stadtschule am Bauhof“ zu ersetzen. Nach Abschluss der notwendigen Umbauten wurde das bisherige Seminargebäude Mitte Oktober 1927 als Stadtschule wieder eingeweiht. Mit dem enormen Anwachsen der Schülerzahlen nach dem Ende wurde eine Neuverteilung der in Ratzeburg vorhandenen Schulräume notwendig. Der damaligen Mittelschule, der späteren Ernst-Barlach-Realschule, wurde das ehemalige Seminargebäude zugewiesen. 

Bis zum Auszug der Gemeinschaftsschule in den Neubau an der Heinrich-Scheele-Straße hat das Gebäude als Schule gedient. 

Literatur: L. Hellwig: Chronik der Stadt Ratzeburg. Ratzeburg (2. Aufl.) 1929. 

Christian Lopau: Wandlung im Bildungswesen, in: Zwischen Stillstand und Wandel. Der besondere Weg des Kreises Herzogtum Lauenburg in die Moderne. Hrsg. W. Boehart u.a., Schwarzenbek 2001. 

Wilhelm Prillwitz: Beiträge zur Geschichte der Ratzeburger Stadtschule. Ratzeburg 1957.

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