Eisenbahnbau und Dampfschifffahrt ermöglichten es einer beträchtlichen Zahl von Menschen, ihre freie Zeit an den Wochenenden außerhalb der engen Metropolen in der landschaftlich reizvollen Umgebung zu verbringen.
Attraktive Werbung war auch vor hundert Jahren schon eine unabdingbare Voraussetzung, um Gäste nach Ratzeburg zu locken.
In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts, begann man in Ratzeburg und Mölln, den Fremdenverkehr gezielt zu fördern. Es bildet sich In Ratzeburg eine aus privater Initiative entstandene “Fremdenkommission”, über die Louis Hellwig in seiner Stadtchronik Folgendes schreibt:
“Bemerkenswert aus jener Zeit ist die Herausgabe einer großen Stadtansicht und der ‘ersten Ansichtspostkarte’ von Ratzeburg. Dieser ‘Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs”, wie er sich später nannte, wurde abgelöst durch den ‘Gemeinnützigen Verein’, der am 22. März 1895 mit 59 Mitgliedern ins Leben trat.”
Die Ansichtskarten waren in dieser Zeit wichtige Werbeträger, ja man kann sagen, dass der Tourismus den eigentlichen Anlass für die Herstellung und Verbreitung der Ansichtskarten bildete. 1870 wurde die“Correspondenzkarte” durch Heinrich von Stephan, den Generalpostdirektor des Norddeutschen Bundes, eingeführt. Schon kurz danach wurden diese Karten auch mit Bildern bedruckt.
Die Blütezeit der Ansichtskarte fällt in die Zeit zwischen 1880 und den 1920er Jahren. Fast jedes Hotel, Restaurant oder Gasthaus brachte seine eigene Postkarte heraus.
Daneben priesen die Broschüren und Touristenführer die Stadt mit teils blumigen Texten an.
Der vom Gemeinnützigen Verein herausgegebene “Führer durch Ratzeburg und Umgegend” wirbt Ende des 19. Jahrhunderts:
“Einen unwiderstehlichen Reiz übt die landschaftliche Schönheit dieses waldumrauschten Inselstädtchens [...] jahraus, jahrein auf die Touristenwelt aus, und es bildet besonders in den Sommermonaten einen beliebten Ausflugsort der Grossstädter, die sich hier - und sei es nur auf einen Tag - an den Naturschönheiten erfreuen und liebliche Bilder der Erinnerung in das Alltagsleben mit hineinnehmen. Aber auch als Sommerfrische erfreut sich Ratzeburg eines zunehmenden Rufes. Es hat zwar keine Thermen oder mineralische Quellen [...] dafür aber reine köstliche Lebensluft, wonnigen Wald und tiefklares Wasser: es ist also ein Platz für Rekonvaleszenten und Gesunde, die fern von den gewöhnlichen Pflichten des Lebens sich für einige Wochen oder Monate köstlicher Ruhe hingeben und neue Kräfte und frische Lust zum ernsten Lebensberuf sammeln wollen.”
Auch Johannes Eckells „Führer durch Ratzeburg, Campow und Utecht, Mölln, Lauenburg in Wort und Bild“ (Mölln 1906) findet fast überschwängliche Worte für die Schönheiten der Stadt.
„Selbst der verwöhnteste Naturfreund wird überrascht und entzückt sein, wenn er zum ersten Male das reizende Inselstädtchen erblickt. Ist Ratzeburg doch nicht nur die Perle des an Wald und Seen so reichen Ländchens Lauenburg, es ist ein Juwel in Deutschlands Gauen, ein kleines zwar, aber – ‚oft ist’s das Kleinste, das am hellsten glänzt!‘“