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Archivalen 2010

Archivale 01/2010 - Die ersten Autos in Ratzeburg

Der Blick in die Vergangenheit unserer Stadt richtet sich in diesem Monat auf die Anfänge des Autoverkehrs in Ratzeburg. Einige Akten im Bestand des Stadtarchivs geben Auskunft über die Zeiten, in denen sich die Automobile noch an einer Hand abzählen ließen (Stadtarchiv Ratzeburg, Bestand II Akten Nr. 6183 – 6189).

Die Akte zur „Statistik über Kraftfahrzeuge und Einreichung der Nachweisungen über die  vorhandenen Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugführer“ enthält eine Liste aus dem Anfang des 20. Jahrhunderts (Nr. 6186).

 

Ganz oben auf der Liste, unter der Nr. 1, ist der Arzt Dr. Gerhard Hajen aufgeführt, der ein Auto der „Nürnberger Motorfahrzeugfabrik Union“ besaß. Wie aus den Akten hervorgeht, hatte er den 4-PS-starken Wagen Mitte November 1902 erworben. Der Unternehmer und Erfinder Ludwig Maurer hatte diesen zweisitzigen Wagen konstruiert, der speziell für Ärzte gedacht war und als „Doktorwagen“ beworben wurde.

 

Bis zum Ersten Weltkrieg blieb die Zahl der Kraftfahrzeuge in Ratzeburg sehr überschaubar. Neben den Ärzten Dr. Hajen und Dr. Busch hatten sich lediglich der Milchhändler Schmidt, der Bankvertreter Bohn und der Betreiber der Dampfwaschanstalt Marwitz einen Wagen zugelegt.

Kurios erscheinen uns heute die Rundverfügungen des Landrats, die in den Akten aus dieser  Pionierzeit des Autofahrens zu finden. Einige ausgewählte Beispiele sollen das belegen.  


"Ausschreitungen gegen Automobilfahrer" (1906)

"Schnelligkeitsgrenze für Kraftwagen" (1909)

 
Bestrafung von Kraftfahrzeugführern" (1912)

Archivale 02/2010 - Bericht über das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück

Im Stadtarchiv Ratzeburg (Sammlung Nr. 18) wird ein maschinenschriftlicher Bericht vom 22. November 1945 aufbewahrt, in dem Gertrud Philip (1904-1985) schildert, was sie zusammen mit ihrer Schwester Anneliese (1902-1987) im Konzentrationslager Ravensbrück erlebt hat. 


Beide lebten nach dem Tod ihres jüdischen Vaters seit 1939 in der Lübecker Straße. Im Mai 1944 wurden sie in Polizeihaft genommen. Über die viermonatige Polizeihaft, die weitere Vorgeschichte und die Gründe der Verhaftung erfährt man aus dem Text nichts. 


Der Bericht beginnt mit der Einlieferung der beiden Schwestern in Ravensbrück am 15. September 1944. Beide Schwestern waren offenbar aus politischen Gründen inhaftiert worden und trugen im Lager zunächst den roten Winkel auf ihrer Kleidung, mit dem politische Häftlinge gekennzeichnet wurden.

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Gertrud Philips Berichts aus dem Jahre 1945

Erst nach einigen Wochen wurden sie angewiesen, den „Judenstern“ zu tragen, da sie als „jüdische Mischlinge“ galten. Da beide Schwestern zunächst als Bürokräfte in der Kommandantur eingesetzt waren, wo in der Besoldungsabteilung die Gehälter sämtlicher Aufseherinnen in den deutschen KZs bearbeitet wurden, waren ihre Lebensbedingungen erträglicher als die der meisten Mithäftlinge. Während eines Evakuierungsmarsches nach Neustrelitz gelang den Schwestern die Flucht. Nach 12-tägigem Fußmarsch trafen sie in Ratzeburg ein.

Weitergehende Information zum Konzentrationslager Ravensbrück finden Sie auf Webseite der Gedenkstätte unter http://www.ravensbrueck.de/

Archivale 03/2010 - 50 Jahre Städtepartnerschaft mit Châtillon-sur-Seine

Die Stadt Ratzeburg feiert in diesem Jahr das 50-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft mit Châtillon-sur-Seine. Informationen über die Anfänge der Partnerschaft zwischen beiden Städten finden sich in einer Akte des Stadtarchivs (Bestand III, Nr. 1499). 

 

Die Erfahrung der beiden Weltkriege ließ  nach 1945 zahlreiche Initiativen für einen europäischen Zusammenschluss entstehen. Im September 1946 trafen sich Vertreter verschiedener europäischer Länder in Hertenstein am Vierwaldstätter See (Schweiz). Sie verabschiedeten das Hertensteiner Programm und gründeten im Dezember 1946 einen europäischen Dachverband, die „Union Europeénne des Fédéralistes“ (UEF), dem die ebenfalls im Dezember 1946 gegründete Europa-Union Deutschlands beitrat. 

Die Europa-Union erklärte im Januar 1947 das „Hertensteiner Programm“ als verbindlich. Mehr und mehr wurde die Europa-Union zum Träger des Gedankens eines vereinten Europa. Ein Kreisverband Herzogtum Lauenburg der Europa-Union wurde am 5. März 1955 in Schwarzenbek gegründet.

Starke Impulse für den europäischen Gedanken gingen vom Rat der Gemeinden Europas (seit 1984 Rat der Gemeinden und Regionen Europas) aus, der 1951 von deutschen und französischen Bürgermeistern mit dem Ziel gegründet wurde, Annäherung und Verständigung der Völker Europas zu fördern. Der Rat entwickelte ein Partnerschaftskonzept, dem die Idee zugrunde lag, dass ein vereintes und friedliches Europa am besten von seiner Basis her aufgebaut werden kann.

Im März 1957 wurden die Römischen Verträge unterzeichnet. Sie bildeten die Grundlage der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Im selben Jahr wurde Ratzeburg Mitglied in der Europa-Union und wandte sich mit dem Wunsch an die Union, ihr eine Stadt zu vermitteln, zu der sie Kontakt aufnehmen könnte.

Der erste Schriftwechsel ...
Der erste Schriftwechsel ... (bitte anklicken!)

Am 5. Dezember 1957 traf in Ratzeburg ein Schreiben des Generalsekretariats der Europa-Union ein mit der Mitteilung, dass Châtillon-sur-Seine bereit sei, eine Partnerschaft mit Ratzeburg einzugehen. Im März 1958 schrieb dann der Bürgermeister von Châtillon, Gaston Bernard, in seinem ersten Brief an Ratzeburgs Bürgermeister Dr. Otto Hofer: „Wir wollen zukünftig Beziehungen anknüpfen, die nicht nur die Behörden der Städte, sondern auch die Einwohner derselben in Verbindung setzen werden. Ich bin davon überzeugt, dass diese Beziehungen freundschaftlich und dauerhaft sein werden und dass die Stimmung einer weitgehenden und aufrichtigen Verständigung herrschen wird.“ 

Anfang Oktober 1959 reiste Dr. Hofer erstmalig nach Châtillon und kehrte mit der Überzeugung zurück, dass „die Bürger der Städte Châtillon und Ratzeburg auf breiter Grundlage in wahrem europäischen Geist zusammenarbeiten werden.“

Erstmaliger Besuch in Châtillon - Bürgermeister Dr. Otto Hofer (Mitte), Bürgermeister Gaston Bernard (Rechts)

Besiegelt wurde die Partnerschaft am 10. Juli 1960 in Châtillon mit einem feierlichen Verbrüderungszeremoniell, an dem auch Delegationen aus Esneux (Belgien) und Manziana (Italien) teilnahmen.

In seiner Festrede sagte Bürgermeister Hofer: „Die Opfer der letzten Kriege verpflichten uns, unsere ganze Kraft für eine glückliche Zukunft Europas einzusetzen. Eine glückliche Zukunft kann aber nur auf dem Frieden und der Einigkeit der europäischen Völker gegründet werden. Wenn ein geeintes Europa politisch wirksam werden soll, ist es zunächst erforderlich, dass die Menschen sich über die Grenzen hinweg verstehen lernen, dass ihre Herzen zueinander finden.“

Berichterstattung in Frankreich
Berichterstattung in Frankreich ... (bitte anklicken!)

Noch im September 1960 konnten die Ratzeburger einen Gegenbesuch aus Châtillon in ihrer Stadt willkommen heißen und schon im folgenden Jahr wurde der Schüleraustausch aufgenommen.

 Châtillon hatte Verbindungen zu den belgischen Städten Esneux und Walcourt geknüpft und Anfang Juli 1966 fuhr eine Ratzeburger Delegation zum Verbrüderungstreffen der Städte Châtillon, Esneux und Walcourt nach Frankreich. Im folgenden Jahr waren die Ratzeburger bei den Feierlichkeiten in Walcourt dabei. So bildete sich allmählich der „Ring“ der Verbrüderungsstädte heraus. 

Beim Verbrüderungstreffen in Ratzeburg vom 22. bis zum 25. August 1969 hatten Tausende von Ratzeburgern die Möglichkeit, die glanzvollen Veranstaltungen mitzuerleben. Am 23. August 1969 wurden dann die Urkunden ausgetauscht, „die den schon seit langem zwischen Ratzeburg und Châtillon-sur-Seine bestehenden europäischen Freundschaftspakt auch mit den belgischen Städten Esneux-sur-Ourthe und Walcourt besiegeln.“ Bei dieser Gelegenheit wurden auch die beiden belgischen Stadtwappen im Wappenfenster des Rathauses enthüllt. 

Seit dieser Zeit finden im festen Turnus die jährlichen Treffen abwechselnd in den vier Verbrüderungsstädten statt. Darüber hinaus haben sich im Laufe der Jahrzehnte zahlreiche Kontakte zwischen Vertretern der Vereine und Verbände, zwischen Schulen und Privatpersonen ergeben.   


 Lübecker Nachrichten (26. August 1960)
 

 

Archivale 04/2010 - Das Protokollbuch der Feuergrefen (1672 – 1736 / 1833 – 1834 / 1842)


Bevor 1866 in Ratzeburg die Freiwillige Feuerwehr gegründet wurde, waren die Feuergrefen für den Brandschutz in der Stadt verantwortlich. Das Kollegium bestand aus den beiden jüngsten Ratsherren, den sogenannten Bauherren, und vier weiteren angesehenen Bürgern, die gemeinsam für die Aufsicht über Gebäude und Feuerstellen zuständig waren. Es handelte sich um eines der wichtigsten bürgerlichen Ämter in der Stadt.

Im Artikel 34 der Polizeiordnung des Herzogs Franz II. aus dem Jahr 1582 werden die Zusammensetzung und die Aufgaben näher bestimmt. Der folgende Artikel (Nr. 35) regelt in der „Feuerordnung“, welche Vorsichtsmaßnahmen durch die Bürger der Stadt zu treffen waren.

Feuerordnung 1582

 

“Wenn wegen Feuersnot bei Tag oder Nacht ein Geschrei oder Glockenschlag würde, soll der Quartiermeister, welches Quartier die Wacht an der Langen Brücke hat, die Wacht für der langen Brücke nach Gelegenheit mit 2 oder 3 Personen stärken, die Brücke aufgezogen und verschlossen gehalten werden.

 

Der Wasserführer aber, oder wer sonsten Pferde und Karren hält, sollen Wasser zuführen, und  soll dem, so die erste Fuhre zum Feuer bringet, 4 ß, dem andern 2 ß und dem dritten 1 ß aus dem gemeinen Gute zu Dankgeld gegeben werden.

 

Es sollen auch ein jeder Amt oder Gilde 1 lange Feuerleiter und 6 lederne Eimer zu halten schuldig sein, und sollen die Leitern an einem besonderen Ort verordnet, die Eimer aber aufs Rathaus gehänget werden. Es soll auch ein jeder Bürger bei seinem Hause eine lange und eine kurze Leiter, welcher er außerhalb des Hauses an der Wand hangen soll, und einen ledernen Eimer halten, und wann (...) Feuer auskommt, den Eimer bei das Feuer schicken. (...) Wann nun Feuer auskommt (...) sollen die, so es auskommt, schuldig sein, das Feuer unverzögerlich zu beschreien und Hilfe zu rufen (...) Alle Zimmer- und Mauerleute, Meister und Gesellen, item die Träger und alle, die um Tagelahn arbeiten, und ein jeder Bürger sollen bei Verlust der Stadtwohnung schuldig sein, sobald ein Feuer auskommt, demselben zuzulaufen und retten helfen. Und wenn einer von denselbigen durch das Feuer am Leibe beschädigt würde, soll ihm sein Schade von der Gemeine gebessert werden. (...) Bei Nachtzeit, wenn kein Mondschein und solche Not vorhanden, soll ein jeder Bürger eine Laterne mit Lichtern für der Tür hängen haben, damit man sich auf der Gasse umsehen könne.”

Für Verstöße gegen die Feuerordnung wurden zum Teil empfindliche Geldbußen angedroht, die in die Kasse der Feuergrefen flossen. Daraus wurde ein jährliches Festmahl finanziert, das offenbar so hohe Kosten verursachte, dass die Polizeiordnung sie soweit beschränkte, „dass hinfürder zu einer Feuergrefenköste nicht mehr als eine Mahlzeit zu 4 Essen mit Käse und Butter gespeiset, dazu über 16 Personen nicht gebeten und 1 Tonne Bier soll ausgetrunken werden”.


Vierteljährlich waren die Gebäude und Feuerstätten zu kontrollieren und die übrigen Vorsichtsmaßnahmen zu überwachen. Jeder Bürger musste Ledereimer und Leitern vorweisen können und im Sommerhalbjahr musste eine Tonne mit Wasser vor dem Hause stehen. Auch die Sauberkeit von Straßen und Gassen wurde überprüft, „dass die Steinpflaster auf den Gassen von einem jeden in guter Besserung und mit wöchentlichem Abkehren sauber gehalten und der Unflat alle Woche von den Gassen weggebracht werde.“

Die Feuergrefen wirkten zudem auch im Bauwesen der Stadt mit: “Wenn ein Bürger ein neues Haus bauen will, müssen die Bauherren und Feuergrefen tätig werden, damit alles ordnungsmäßig geschieht.”

Von den Feuergrefen wurde erwartet, dass sie sich vorbildlich verhalten: “Der Feuergrefe muss der Bürgerschaft mit gutem Beispiel vorangehen, die Feiertage nicht entheiligen und arbeiten, sonst verfällt er doppelter Strafe(...) Jeder Feuergräfe muss seinen Kirchenstuhl am Sonntag einnehmen, wenn er nicht krank oder sonst verhindert ist, sonst zahlt er 4ß Strafe.” 

Im Falle eines Brandes waren „alle Zimmer- und Mauerleute, Meister und Gesellen, item die Träger und alle, die um Tagelohn arbeiten, und ein jeder Bürger“ verpflichtet, bei der Bekämpfung des Feuers zu helfen.

Die Stadt war in vier Quartiere unterteilt. Jedem der Quartiere standen zwei Quartiermeister vor, die mit den Feuergrefen zusammenarbeiteten. In jedem Quartier gab es einige Rotten von je 10 Mann die von den Rottmeistern geleitet wurden und Wachtdienst und Löscharbeiten zu leisten hatten.

Wer dabei zu Schaden kam, erhielt eine Unterstützung durch die Stadt. Denjenigen, die zuerst mit einer Fuhre Wasser an der Brandstätte eintrafen, wurde eine Belohnung versprochen: „Wenn aber das Feuer gelöscht, soll man die Eimer auf dem Markt wieder zusammenbringen und ein jeder den seinen wieder zu sich nehmen.“

Als besondere Gefahren galten seinerzeit "Dreschen bei künstlichem Licht" oder "falsche Lagerung des eingebrachten Futters oder des Flachses". Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen lesen wir, dass bis ins 17. Jahrhundert mehrere schwere Stadtbrände Ratzeburg heimsuchten.

Das vorliegende Protokollbuch beginnt mit der Abschrift eines Schriftstücks, das man 1622 in der Feuergrefenlade gefunden hat. Darin sind in 13 Abschnitten grundsätzliche Bestimmungen festgehalten:

I           Anzahl, Wahl, Bestätigung und Grundsätzliches zum Amt der Feuergrefen

II          Die Zusammenkünfte der Feuergrefen

III        Der Teerkessel

IV        Die Feuergrefenlade

V         Die Beisitzer

VI        Strafen

VII       Die Feuerordnung

VIII      Die Einnahme der Strafen

IX        Der Ungehorsam der Straffälligen

X         Inventar der Feuergerätschaften

XI        Klagen

XII       Besichtigungen

XIII      Das Verhalten der Feuergräfen

Auch der Wortlaut des Feuergrefen-Eides, der beim Amtsantritt geleistet werden musste, ist im Protokollbuch wiedergegeben. Es folgen die Namen der neuen Amtsinhaber, die Protokolle der regelmäßigen Brandschauen und die Ergebnisse der von den Feuergräfen vorgenommenen Taxationen von Gebäuden in der Stadt. 


Als 1866 die Freiwillige Feuerwehr in Ratzeburg gegründet wurde, traten zunächst 55 Mitglieder in die Wehr ein. Die alten Gerätschaften zum Feuerlöschen waren in dieser Zeit selbstverständlich noch im Einsatz:

  • drei große und zwei kleinere Spritzen mit den dazugehörigen Schläuchen und Apparaten
  • drei große Wasserwagen, jeder mit zwei Fässern nebst Trichtern und Abzugsröhren
  • 113 lederne und 46 blecherne Eimer
  • 7 hölzerne Handspritzen
  • 10 Feuerhaken
  • 9 Feuerleitern und
  • 3 große Wasserschleifen.

Archivale 05/2010 - Der Gemeinnützige Verein Ratzeburg (Stadtarchiv Ratzeburg Nr. 6604)

In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts, begann man in Ratzeburg, den Fremdenverkehr gezielt zu fördern. Es bildet sich In Ratzeburg eine sogenannte “Fremdenkommission”, der Dr. Ludwig (Louis) Hellwig, Senator Johannes Spehr, Baukondukteur Graaf und der Kaufmann Moritz Stein angehörten .

Hellwig schreibt in seiner Stadtchronik über diese aus privater Initiative entstandene Kommission:

“Bemerkenswert aus jener Zeit ist die Herausgabe einer großen Stadtansicht und der ‘ersten Ansichtspostkarte’ von Ratzeburg. Dieser ‘Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs”, wie er sich später nannte, wurde abgelöst durch den ‘Gemeinnützigen Verein’, der am 22. März 1895 mit 59 Mitgliedern ins Leben trat.” 

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Nach dem Statut bestand der Zweck des neuen Vereins “insbesondere in der Begründung und Förderung solcher Einrichtungen, welche geeignet sind, den Geschäfts- und Fremdenverkehr in Ratzeburg zu beleben und das Gedeihen der hiesigen Gewerbe zu fördern.”. 

Ein Rechenschaftsbericht des Vorstandes aus dem April 1898 spiegelt die Aktivitäten der ersten drei Vereinsjahre.

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Der Verein wirkte durch

• Inserate in Familienzeitschriften, Tages- und Bäderzeitungen, Reklameartikel und Feuilletons über Ratzeburg in Reisehandbüchern und Touristenblättern,

• Aufstellung von Ruhebänken an verschiedenen Stellen, Erschließung und Instandhaltung von Aussichtspunkten, Aufstellung von Wegweisern, 
  
sowie Pflege der Waldpromenaden und Anlagen,

• Herausgabe eines “Touristenführers für Ratzeburg und Umgegend”

• einen kostenlosen Wohnungsnachweis für Sommergäste und

• Erhaltung bestehender und Einrichtung neuer Verkehrsverbindungen sowie Bemühen um günstige Fahrpreise.

Auch Anfragen Auswärtiger, die beabsichtigten, sich in Ratzeburg niederzulassen, wurden vom Verein beantwortet. 

Die Verbesserung des Service war ebenso Teil der Bestrebungen des Vereins: “Einer Anregung des ‘Verbandes Deutscher Touristenvereine’ folgend, richtete der Vorstand an die Herren Wirte von Ratzeburg und Umgegend ein Rundschreiben, in welchem verschiedene Verbesserungen der spezifischen Einrichtungen für den Fremdenverkehr empfohlen wurden. Es steht zu erwarten, daß etwa vorhandene Mängel [...] inzwischen beseitigt sind, damit unser Ort sich auch in dieser Beziehung eines guten Rufes in Touristenkreisen zu erfreuen hat.”

Der Verein finanzierte sich aus Mitgliedsbeiträgen sowie Unterstützungen der Stadt und der Lübeck-Büchener Eisenbahngesellschaft. 

Während des 1. Weltkriegs und in den ersten Nachkriegsjahren wurden die Bemühungen um eine Förderung des Fremdenverkehrs aus naheliegenden Gründen weitgehend eingestellt. Erst Mitte der 1920er Jahre wurden die Bemühungen um den Tourismus in Ratzeburg seitens des Vereins wieder verstärkt.

Inzwischen hatte die Stadt selbst begonnen, sich über die finanzielle Förderung hinaus für die Tourismusförderung zu engagieren. 1919 wurde zunächst beschlossen, daß je ein Mitglied des Magistrats und des Stadtverordneten-Kollegiums im “Gemeinnützigen Verein” vertreten sein sollte. Im Jahre 1920 trat dann ein entscheidender Wandel ein: Die Stadt machte die Tourismusförderung zu ihrer eigenen Sache, in dem eine neue “Verkehrskommission”  eingerichtet wurde, in der die Aufgaben verschiedener anderer Kommissionen gebündelt wurden, um “die Behandlung aller der Fragen [...], die dazu dienen, den Geschäfts- und Fremdenverkehr in Ratzeburg zu heben und ein Gedeihen des hiesigen Gewerbes zu fördern”. 

Der vom Gemeinnützigen Verein herausgegebene “Führer durch Ratzeburg und Umgegend” wirbt Ende des 19. Jahrhunderts:

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“Einen unwiderstehlichen Reiz übt die landschaftliche Schönheit dieses waldumrauschten Inselstädtchens [...] jahraus, jahrein auf die Touristenwelt aus, und es bildet besonders in den Sommermonaten einen beliebten Ausflugsort der Grossstädter, die sich hier - und sei es nur auf einen Tag - an den Naturschönheiten erfreuen und liebliche Bilder der Erinnerung in das Alltagsleben mit hineinnehmen. Aber auch als Sommerfrische erfreut sich Ratzeburg eines zunehmenden Rufes. Es hat zwar keine Thermen oder mineralische Quellen [...] dafür aber reine köstliche Lebensluft, wonnigen Wald und tiefklares Wasser: es ist also ein Platz für Rekonvaleszenten und Gesunde, die fern von den gewöhnlichen Pflichten des Lebens sich für einige Wochen oder Monate köstlicher Ruhe hingeben und neue Kräfte und frische Lust zum ernsten Lebensberuf sammeln wollen.”

Frau Sophie Jessen Reinfeld i.H. (Poststempel Ratzeburg 29.3.1902)

…und Bekannte haben uns ihre Teilnahme gezeigt, unser Stübchen glich einem Blumengarten. Die kirchliche Feier war sehr erhebend u. bei schönstem Sonnenschein traten die Kinder vor den Altar. Gebe Gott, dass sich alle guten Wünsche an unserm Töchterchen erfüllen mögen.
Mit herzl. Gruß wünscht Ihnen ein „frohes Osterfest“ Familie Weinhard

Meinen besten Dank für Ihre Gratulation. Das hübsche Gedicht werde ich mir als Andenken an meinen Konfirmationstag aufbewahren. Herzl. Gruß Ihre F. Weinhard

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Archivale 06/2010 - “Herrichtung des Richtplatzes oder Galgenberges“ (1732-1733) (Stadtarchiv Nr. 2240)

Die jährlichen Kämmereirechnungen der Stadt Ratzeburg führen unter dem städtischen Eigentum auch die „zum Criminalwesen gehörige[n] Sachen“ auf. So finden sich in der Kämmereirechnung des Jahres 1722 (Stadtarchiv Ratzeburg Nr. 9): 

„1. Die Justitz Seule auf dem Marckte

2. Ein Halß-Eisen am Rathhause

3. Ein Pfahl mit Halß-Eisen auffm Kirchhoffe

4. Das Gerichte vor dem Thore

5. 2 Bein- und eine Handschelle

6. 1 Hand- und Beinschelle“

Das unter 4. genannte „Gericht“ ist nichts anderes als der Galgen, der sich an der Seedorfer Straße befand. Zu seiner genauen Lage schreibt Louis Hellwig in seiner „Chronik der Stadt Ratzeburg“ (Ratzeburg, 2. Auflage 1929), der Galgen habe „bei der Cholerabaracke“ (S. 24) gelegen und erläutert in der Fußnote: „Jetzt Wohnhaus in der Seedorfer Straße Nr. 6. – Der Platz, auf welchem die neue Siedler-Kolonie entstanden ist, hieß bis in die neueste Zeit hinein der ‚Galgenberg’ [jetzt Gustav-Peters-Platz].“ Die in der Nähe liegende Gastwirtschaft an der Schmilauer Straße wurde noch lange als „Galgenkrug“ bezeichnet. Da der Galgen aus Holz gebaut worden war, musste er in gewissen Abständen erneuert werden. Aus den Jahren 1598 und 1634 erfahren wir von solchen Neubauten. Ein genauer Bericht liegt uns aus dem Jahr 1733 vor.

Der alte Galgen war durch „starcken Sturm und Alter umgefallen“, worauf man mit dem Zimmermeister Franz Bernhard Weitzell die Errichtung einer neuen Richtstätte für 10 Reichstaler vereinbarte.Das Protokoll vom 20. Januar 1733 beschreibt den Vorgang:

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 Actum [gehandelt] Ratzeburg den 20. Januarij 1733.

Nachdem der heutige Tag zur Errichtung einer
neuen Justitz auf der Stadt jurisdiction vor
dem langen Brügger Thor angesetzet, dessen
behuff sich das hiesige Zimmer-Amt bereits
auf
den so genanten Galgen-Berg angefunden ge-
habt: So ist E.E. Rath und zwar aus dessen
Mitteln Hh. [Herren] Bürgermeister Frantz Clasen
Rathmänner Hieronymus Christian Grüne-
berg und Gabriel Westfahl nebst mir Endes-
benanten nachhero dahinaus gefahren,
und nachdem man daselbsten aus Mittel der
Achtmänner Michel Otten, Jürgen Hümpell,
Niclaus Dehn, Johann Hinrich Poberz, Peter
Hieronymus Pobertz, Jochim Schütten und Jochim
Wallrathen (nebst verschiedene Bürger und deren Frauen und Kinder)
vorgefunden, hat vorgedachter
H. Bürgermeister Frantz Clasen mit der
ihme von dem Stadt Zimmermeister Frantz
Bernhard Weitzell  raesentierten Paar neu[e]
Handschue und neuen Zimmer Axt, nach
zuvor gehaltenen kurtzen Anrede, den
ersten Hieb daran gethan, welchem auch
Hh. Grüneberg und Westfahl folgeten, worauf die anwesende membra [Mitglieder] Senatus mit
denen Achtmänner in Peter Schlöpken
Schenke eine kleine Mittags Mahlzeit ein-
genommen.
Der Rathmann Herr Vanselau ist nach Lü-
beck verreiset gewesen, und der Rath-
mann H. Bergmann Kranckheits we-
gen außen blieben, wie denn auch der
alleine fehlende Achtmann Johann Casp.
V
ölckers sich gewisser Geschäffte halber
entschuldigt hat

Actum Ratzeburg ut supra [wie oben]
A.D. [Adam Dietrich] Jührs Secr. [Stadtsekretär] 

Knapp hundert Jahre später fand die letzte Hinrichtung an diesem Ort statt, die der Forscher Peter Jürs in einem Aufsatz ausführlich schildert („In Sachen Gottfried Keller. Ein lauenburgischer Kriminalfall aus dem Biedermeier“, in: Lauenburgische Heimat Neue Folge Heft 169, 2005, S. 45-59.) 

Der Brandstifter Gottfried Keller wurde am 5. Mai 1828 mit dem Beil in Ratzeburg hingerichtet. Peter Jürs schreibt abschließend: „Der 5. Mai 1828 ist ein bedeutender Tag in der lauenburgischen Rechtsgeschichte […] Die Hinrichtung Gottfried Kellers sollte nämlich die letzte Vollstreckung eines Todesurteils im Herzogtum bleiben. Der Richtplatz ist nie wieder gebraucht worden, der Scharfrichter hatte hier nie mehr zu tun.“

Archivale 07/2010 - Höhere Schulbildung für Mädchen

Die Möglichkeit für Mädchen, eine höhere Schulbildung zu erhalten, war lange Zeit stark eingeschränkt. Begüterte Bürger konnten ihre Töchter auf Privatschulen schicken. Der früheste Hinweis auf eine Töchterschule in unserer Region stammt aus einem Testament von 1352. Ein Lübecker Kaufmann ließ seine Tochter im Nonnenkonvent des Heiligen Geistes in Ratzeburg erziehen.

Dienten im Mittelalter die Nonnenklöster als Töchterpensionate, übernahmen später private Einrichtungen diese Funktion. Während für die Jungen die Domschule und später (ab 1845) die Lauenburgische Gelehrtenschule ein erweitertes Bildungsangebot bereithielten, konnten Mädchen lediglich auf den „Höheren Töchterschulen“ eine qualifiziertere Bildung erwerben.

 

Die 3-klassige „mittlere Töchterschule“ der Leiterin Johanna Gast befand sich in der Schrangenstraße 174 (heute Nr. 3), später in der Langenbrücker Straße 9. Daneben gab es die 4-klassige „Höhere Töchterschule“. Von 1903 bis 1926 leitete Emma Spiethoff die Privatmädchenschule, die in der Junkernstraße 7 untergebracht war. Die dort angestellten Lehrerinnen verfügten nicht über akademische Bildung. Nach dem Ersten Weltkrieg verschlechterte sich die finanzielle Lage der Schule zusehends. Zudem erforderten die veränderten gesellschaftlichen Verhältnisse Verbesserungen der Mädchenbildung.

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Höhere Töchterschule Ratzeburg
Klassenfoto 1910, Lehrerin Frl. Franck

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Höhere Töchterschule
Klassenfoto 1910

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Höhere Töchterschule Ratzeburg
Ausflug nach Timmendorf
oben links Fr. Stützen, rechts daneben Frau E. Spiethoff

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Höhere Töchterschule Ratzeburg
Klassenfoto 1912
 

So entstanden 1919 erste Pläne für die Übernahme der von rund hundert Mädchen besuchten Schule durch die Stadt Ratzeburg. Die Stadtverordneten erklärten sich grundsätzlich bereit, „auch das über die Volksschule hinausgehende Mädchenschulwesen in die städtische Verwaltung zu übernehmen.“

Da die Stadt sich dann aber nicht dazu in der Lage sah, die Stadtschule weiter auszubauen, begann der Kreis mit den Vorbereitungen zur Einrichtung einer „Deutschen Oberschule“ im Anschluss an die Lauenburgische Gelehrtenschule. Gleichzeitig sollte die Spiethoff’sche Privatmädchenschule übernommen werden. 

In einer Denkschrift des Direktors der LG, P.B. Schmidt, heißt es:

„Außerdem fordert die höhere Mädchenbildung, die im gesamten Lauenburger Lande als unzureichend anzusehen ist, heute eine nicht länger aufschiebbare Berücksichtigung.“ 

Lauenburgische Gelehrtenschule

Der Kreistag stimmte den Plänen am 20. Dezember 1922 grundsätzlich zu. Die Stadt Ratzeburg überließ dem Kreis die Spiethoff’sche Schule in der Junkernstraße am 1. April 1922. Ab Ostern 1922 durfte die Schule keine neuen Schülerinnen mehr aufnehmen.

Nach einem Erlass des Provinzial-Schulkollegiums war die „Aufnahme von Mädchen […] in der Deutschen Oberschule grundsätzlich, im Gymnasium in besonderen Ausnahmefällen gestattet.“  

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Lauenburgische Gelehrtenschule
Abiturjahrgang 1929
Einzige Abiturientin: Stephanie Otte

Die Deutsche Oberschule wurde nach einem Kreistagsbeschluss nach nicht einmal fünf Jahren schon wieder stufenweise abgebaut. Die Schülerzahl war offenbar zu gering, um das Nebeneinander zweier voll ausgebauter höherer Schulen zu rechtfertigen. Der Abbau zog sich bis 1935 hin.

Inzwischen war an der Stadtschule seit Ostern 1931 eine „Gehobene Abteilung“ eingerichtet worden, die kontinuierlich ausgebaut und 1942 offiziell als Mittelschule anerkannt wurde.

Archivale 08/2010 - Das Römersche Legat (Stadtarchiv Ratzeburg Nr. 4448, 1834-1876)

Stiftungen spielen heute eine immer wichtigere Rolle. Das Wiedererstarken der Idee des Bürgerengagements und die Kürzung öffentlicher Mittel haben dazu beigetragen, dass Stiftungen eine zunehmende Bedeutung als Geldgeber für gemeinnützige Initiativen und Projekte einnehmen. Der Gedanke, das Gemeinwohl durch eine Stiftung zu fördern, ist jedoch keineswegs neu. Er hat eine lange Tradition, die in Deutschland weit in das Mittelalter zurückreicht. Stiftungen wurden für das Seelenheil der Stifter eingerichtet, aber auch zu mildtätigen Zwecken. So geht die Einrichtung zahlreicher Waisenhäuser, Hospitäler und Altenheime auf Stiftungen zurück. Eines der berühmtesten Beispiele ist die Fuggerei in Augsburg.

In Ratzeburg wurden im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche Stiftungen und Legate (= Vermächtnis) ins Leben gerufen, die verschiedene gemeinnützige Zwecke verfolgten. Eines dieser Legate ist das Römersche Legat. 

Lambert Heinrich Römer, am 31. Januar 1749 in Teterow / Mecklenburg geboren, war Kaufmann – später Justizrat -  und wurde 1790 Bürger der Stadt Ratzeburg. Im selben Jahr heiratete er Anne Sophie Nölting, die Tochter des Ratzeburger Kaufmanns Michael Heinrich Nölting. Römer übernahm verschiedene Ämter in der Stadt, wurde 1803 Achtmann, 1805 Ratsherr und 1809 Bürgermeister. Dieses Amt übte er bis zu seinem Tode am 29. Juni 1825 aus.

Knapp zwei Monate nach dem Tod ihres Mannes errichtete seine Witwe ihr Testament, das nach ihrem Ableben am 21. Januar 1834 geöffnet wurde.

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Protokoll über die Testamentseröffnung
am 21. Januar 1834
(bitte aufrufen)

Die Ehe der Römers war kinderlos geblieben und so setzte Anne Sophie Römer in § 2 zu „alleinigen Universal-Erben und zu gleichen Theilen ein: 1. die Stadtkirche zu Ratzeburg, und 2. die Stadt-Armen zu Ratzeburg“ 

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Testament der Witwe Anne Sophie Römer, geb. Nölting
(bitte aufrufen)

Weiter bestimmte das Testament: 

§ 3 Vor allen Dingen lege ich der Stadtkirche die Verpflichtung auf, gegen das aus meinem Vermögen erhaltende dasjenige Gewölbe auf dem vor dem Langenbrücker Thore belegenen Kirchhofe, in dem mein seeliger Mann beigesetzt worden, und in dem auch ich verlange beigesetzt zu werden, als ein Römer’sches alleiniges Begräbnis zu beständigen Zeiten in gutem Stand […] unverrückt zu erhalten.

Die Einnahmen aus der Erbschaft sollen zuerst für diesen Zweck verwendet werden. Die Gruftanlage auf dem Friedhof am Steindamm ist bis heute erhalten. 

§ 4 Das Kapital soll als „unangreiflicher Fond“ erhalten und sicher belegt werden, nur die Zinsen und Erträge dürfen verwendet werden – auch für Stipendien „an die bedürfende studirende Jugend“.

Die Verteilung der Gelder an die Armen oblag dem Magistrat der Stadt.

§ 6 Die Armen sind „durch jährliche Beyhülfen […] zur Arbeitsamkeit und Förderung eigenen redlichen Erwerbes  […] anzuhalten, zumahl auch Stipendiaten, nemlich bedürftige sich dem Studiren widmende Kinder gesammter Bewohner dieser Stadt, die Gaben haben, was zu lernen, und deren Eltern unvermögend sind, an dieser wohlthätigen Anstalt, nach meinem Willen Theil nehmen sollen […] Vorzüglich sollen bedacht werden alte Leute und Arme, die fleißig sind, und fort wollen, und nicht können“.

Im Stadtarchiv sind sowohl die jährlichen Rechungen über die Einnahmen und Ausgaben des Römerschen Legats erhalten geblieben, als auch die Gesuche von Studierenden um Unterstützung. 

Die Inflation nach dem Ersten Weltkrieg zerstörte die Kapitalbasis vieler Stiftungen und Legate. Durch einen Beschluss der städtischen Kollegien vom 22. Juni 1928 wurden daher folgende Stiftungen zusammengelegt:

Die Wilhelminen-Stiftung und die Legate von Skobel, Bierwirth, Leuenroth, Haase und Beer wurden zur Stiftung Ratzeburger Wohltäter vereinigt. 

 Zu einem weiteren Zusammenschluss kam es neun Jahre später. Die Stiftung Ratzeburger Wohltäter wurde mit Wirkung vom 1. Januar 1937 mit folgenden anderen zusammengeschlossen:

a)      Rohrdanz’sches Legat

b)      Spehr’sche Stiftungen

c)      Rütz’sches Legat

d)      Römer’sches Legat

e)      Weber’sches Legat

f)       Brömel-Stiftung 

Die Zweckbestimmungen der früheren Einzelstiftungen sind zum größten Teil als Stiftungszwecke der neuen Stiftung übernommen worden. Die Vermögenswerte dienten u.a. der Unterstützung alter, hilfsbedürftiger Einwohner und der Gewährung von Studienstipendien. 

Die Stiftung Ratzeburger Wohltäter existiert bis heute. Zweck der Stiftung ist nach der Satzung „die Unterstützung alter und Förderung junger hilfsbedürftiger Ratzeburger Einwohner“. Das Stiftungsvermögen wird nicht angetastet, verwendet werden lediglich die Zinserträge. Über die jeweiligen Fördermaßnahmen entscheidet der für Sozialangelegenheiten zuständige Ausschuss nach Abstimmung mit dem für Jugendarbeit zuständigen Ausschuss.

Archivale 09/2010 - "Goldachter – 50 Jahre Olympiasieg"

 

Der Goldachter auf dem Albaner See (Lauenburgisches Kreisblatt Nr. 36, 09.09.1960)

Bei den Olympischen Spielen in Rom 1960 wurde erstmals ein deutscher Ruderachter Olympiasieger. 50 Jahre nach dem legendären Sieg des Ratzeburg-Kieler Achters am 3. September 1960 auf dem Lago Albano hat Hans Lenk, selbst Mitglied der damals siegreichen Mannschaft, ein kleines Buch zum Jubliäum veröffentlicht.

Im Buchhandel erhältlich 

Auch mit dem Archivale des Monats erinnern wir in diesem Monat an den Olympiasieg vor fünfzig Jahren. Die Akte III / 1371 („Ratzeburger Ruderclub (RRC): Empfänge, Gratulationsschreiben, 1960-1971“) enthält Dokumente jener Tage.

Entschließung der Stadtvertretung vom 24.08.1960

Auszug aus der Niederschrift der Magistratssitzung vom 05. September 1960
Punkt 1 “Empfang der Olympiateinehmer“
 

Berichterstattung im Lauenbirgischen Kreisblatt Nr.36
09. September 1960

ARCHIVALE_09_2010
(bitte aufrufen)


 

ARCHIVALE_09_2010
(bitte aufrufen)


Berichterstattung im Lauenbirgischen Kreisblatt Nr.37
16. September 1960

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Telegramm von Karl Adam
an Bürgermeister Dr. Hofer

 

 

  Danksagung des Ratzeburger Ruderclubs


 

 
  

Archivale 10/2010 - "Anlegung eines neuen Friedhofs" (Akte Nr. 5067)


Friedhöfe sind nicht nur Orte der Trauer, des Abschiednehmens und des Gedenkens an die Verstorbenen. In ihrer gesamten Anlage und in der Gestaltung der einzelnen Grabstätten spiegelt sich zugleich Kultur und Geschichte derjenigen, die hier ihre Toten begraben. Sie sollten daher nicht als “Endstationen” gesehen werden, die vom Leben unserer Stadt ausgeschlossen sind, sondern als Teil unserer Gemeinden und unseres Gemeinwesens.  


In seinem Buch über historische Friedhöfe in Schleswig-Holstein hat Heiko K.L. Schulze ihre vielfältige Bedeutung treffend formuliert: “Friedhöfe sind mit ihren Strukturen, Grabdenkmälern und Bauwerken auch historische Quellen ersten Ranges. Sie geben Auskunft über den Umgang mit Tod und Trauer, sind Zeugnisse einer sich stetig wandelnden Sozial- und Kulturgeschichte und mit ihren prachtvollen Grabmalen Beleg für künstlerisches Schaffen.” [1] Die Gestaltung der Friedhöfe ist Ausdruck des individuellen Verhältnisses zu den verstorbenen Angehörigen und des Verständnisses von Tod und Abschied.

 

In der Stadt Ratzeburg gibt es heute sechs Friedhöfe, eine erstaunliche Zahl, die sich aus der jeweils eigenen Geschichte der einzelnen Kirchengemeinden erklären lässt. Die Friedhöfe werden beginnend im Westen mit dem St. Georgsberger Friedhof und dem Militärfriedhof vorgestellt. Es folgt der Domfriedhof auf der Insel, dann der Friedhof am Steindamm, der für die Gemeinde St. Petri angelegt wurde, der Friedhof an der Seedorfer Straße und schließlich der katholische Friedhof am Weg nach Salem. 

Ursprünglich befand sich auch um die Kirche St. Petri herum ein Friedhof. Auch in der Kirche wurden Verstorbene beigesetzt. Die letzte Beisetzung in der alten Kirche war die des Superintendenten  Alberti 1787. Im Juli 1787 wurde die alte St. Petri-Kirche abgerissen und anschließend mit dem Neubau nach dem Plan des Baumeisters Labes begonnen. Der Neubau konnte am 27. November 1791 eingeweiht werden.

Der Friedhof am Steindamm wurde am 14. Februar 1788 eingeweiht mit der Beerdigung der Witwe Harms, Hebamme aus Ratzeburg, die im Alter von “ungefähr 60 Jahren” verstorben war.[2] Als die beiden einander gegenüber liegenden Friedhöfe am Steindamm voll belegt waren, wurde 1860 der Friedhof an der Seedorfer Straße angelegt. 

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Plan zur Anlegung des neuen Friedhofs
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Die weitgehende Belegung des Friedhofs am Steindamm machte Ende der 1850er Jahre die Anlage eines neues Friedhofs erforderlich. In den Jahren 1858/59 wurden dazu erste Gespräche geführt und nach einem dafür geeigneten Platz gesucht.

ARCHIVALE_OKTOBER_2010
Schreiben des Konsistorium vom 14.11.1859
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Das Konsistorium als oberste kirchliche Behörde des Herzogtums Lauenburg genehmigte am 14. November 1859, “daß auf dem neben der Chaussee nach Ziethen belegenen Kirchenacker ein neuer Kirchhof für die hiesige St. Petri-Gemeinde angelegt werde”.

 



Der Friedhof an der Seedorfer Straße konnte am 28. August 1860 eingeweiht werden. Anfang der 1890er Jahre wurde eine Erweiterung notwendig, wozu ein Teil des sich anschließenden (1.) Pfarrackers hinzu genommen wurde. Dieser Teil des Friedhofs wurde am 17. Januar 1893 geweiht. [3]
 

[1] Heiko K.L. Schulze: “...darauf man mit Andacht gehen kann” Historische Friedhöfe in Schleswig-Holstein. Heide 1999.

[2] Kirchenbuch St. Petri.

[3] Vgl. Stadtarchiv Ratzeburg Nr. 5067 “Anlegung eines neuen Kirchhofes”.

Archivale 11/2010 - 30 Jahre städtischer Kindergarten am Domhof

Der städtische Kindergarten am Domhof feierte vor wenigen Wochen sein 30-jähriges Bestehen. Das Stadtarchiv nimmt dieses Jubiläum zum Anlass, auf die Einweihung am 26. September 1980 zurückzublicken. 

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(Berichterstattung in den Lübecker Nachrichten - bitte aufrufen)

Die Stadtvertretung hatte am 14. Dezember 1977 den Neubau beschlossen, damit „eine zeitgemäße, den Richtlinien entsprechende Einrichtung geschaffen wird.“  Ende 1978 konnte mit den Bauarbeiten begonnen werden, und am 10. Juli 1979 erfolgte die Grundsteinlegung. Das Richtfest des vom Architekten Hans Werner Neumann gestalteten Hauses konnte am 7. September 1979 gefeiert werden.

Der bronzene Fischotter, der vor dem Kindergarten auf einem großen Findling sitzt, stammt aus der Werkstatt des Bildhauers Hans-Werner Könecke.

Der Umzug in das damals für 1,2 Mio. DM neu errichtete Gebäude hatte schon am 18. August 1980 stattgefunden. An diesem Tag hatten sich Kinder, Eltern und Mitarbeiterinnen des Kindergartens noch einmal am früheren Domizil in der Marienstraße getroffen und waren dann mit Polizeibegleitung gemeinsam zum Domhof marschiert. Gleichzeitig übernahm Frau Gerda Westermann die Leitung des Kindergartens. 

ARCHIVALE_NOVEMBER_2010
(Berichterstattung in den Lübecker Nachrichten - bitte aufrufen)

ARCHIVALE_NOVEMBER_2010
(Berichterstattung in den Lübecker Nachrichten - bitte aufrufen)

Das alte Gebäude in der Marienstraße wies übrigens eine lange Geschichte auf, die anlässlich der Grundsteinlegung in einer kurzen Chronik zusammengefasst wurde. Auch diesen geschichtlichen Überblick präsentieren wir hier.

ARCHIVALE_NOVEMBER_2010
(bitte aufrufen)

Die Akte, die sich mit der Erbauung des Vorgängergebäudes beschäftigt, liegt im Stadtarchiv unter der Archiv-Nummer 5005.

Archivale 12/2010 - Max Schmidt - "Beschreibung und Chronik der Stadt Ratzeburg"

Im 19. Jahrhundert wuchs in vielen Regionen das Interesse an der Erforschung der eigenen Geschichte. Es entstanden zahlreiche Geschichtsvereine, die sich dieser Aufgabe widmeten. So wurde 1833 die „Schleswig-Holstein-Lauenburgische Gesellschaft für vaterländische Geschichte“ gegründet, die als „Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte“ bis heute existiert. 1883 kam es in Mölln zur Gründung des Vereins für die Geschichte des Herzogtums Lauenburg“, dessen Nachfolger der „Heimatbund und Geschichtsverein Herzogtum Lauenburg“ ist. Der Verein konnte vor zwei Jahren sein 125-jähriges Bestehen feiern. 

Diese Vereine geben bis heute Vereinszeitschriften bzw. Jahresbände heraus, in denen die neuesten Forschungsergebnisse zur Lokal- und Regionalgeschichte publiziert werden. Im 19. Jahrhundert erschienen auch die ersten umfassenderen Darstellung zur lauenburgischen Geschichte. Zu nennen sind hier vor allem die Werke von Peter von Kobbe und Adolph Eduard Eberhard Ludwig von Duve.  

Max Schmidt - »Beschreibung und Chronik der Stadt Ratzeburg
(bitte aufrufen)

In Ratzeburg übernahm es der Verleger Max Schmidt, „zur Belebung des Interesses für Heimathskunde und mehrfach geäußertem Wunsche entsprechend“ im Sommer 1882 eine „Beschreibung und Chronik der Stadt Ratzeburg“ zu veröffentlichen. Grundlage bildeten dafür Kobbes Geschichte des Herzogtums Lauenburg und die in den Archiven vorliegenden Quellen. Da diese älteste Chronik heute kaum noch erhältlich ist, soll sie als „Archivale des Monats“ jetzt zumindest digital wieder zugänglich gemacht werden. 

Max Schmidts Arbeit hat noch vor dem Ersten Weltkrieg seine Fortsetzung gefunden. Louis Hellwigs 1910 erschienene Chronik der Stadt Ratzeburg verstand sich als „zweite, vollständig umgearbeitete Auflage der Schmidtschen Chronik“. Hellwig hatte sein Werk nur drei Tage vor seinem Tod fertig gestellt. 1928 ergänzte Bruno Raute Hellwigs Arbeit „bis auf die Gegenwart“ und fügte die Ratzeburger Polizeiordnung von 1582 als Anhang hinzu.


Zu den beiden Stadtjubiläen 1962 und 1987 gab die Stadt jeweils stadtgeschichtliche Publikationen heraus. 1962 stellten Kurt Langenheim und Wilhelm Prillwitz Beiträge zahlreicher Verfasser zur Stadtgeschichte zusammen.


Diese Arbeit hat mit dem zweiten Teil der „Beiträge zur Geschichte Ratzeburgs“ 1973 seine Fortsetzung gefunden.


Die jüngste umfassende Darstellung der Ratzeburger Stadtgeschichte hat der frühere Kreisarchivar Dr. Hans-Georg Kaack 1987 aus Anlass des 925-jährigen Jubiläums der Stadt geschrieben.


All diese Arbeiten bilden nach wie vor die Basis für weitere historische Forschungen.

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