Die Fotos, die uns von Rainer Voth zur Verfügung gestellt wurden, zeigen das Richtfest für die Häuser der Fürstin-Bismarck-DRK-Siedlung in der Treptower Straße.
Der Bau der Siedlung wurde maßgeblich durch das Hilfswerk der Fürstin Ann Mari von Bismarck (1907-1999) unterstützt. Die Fürstin stammte aus Schweden und begann unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg damit, Hilfe für die zahlreichen Flüchtlinge zu organisieren, die in unseren Kreis gekommen waren. Während es zunächst um Lebensmittel und Bekleidung ging, hat die Fürstin Bismarck später vor allem in den USA und den skandinavischen Ländern Spenden eingeworben, um in Deutschland den Siedlungsbau für besonders bedürftige Familien fördern zu können. Das Hilfswerk war seit 1951 an das DRK angegliedert.
Solche Siedlungen entstanden in mehreren Gemeinden des Kreises Herzogtum Lauenburg. Die erste Siedlung, die mit Mitteln errichtet werden konnte, die die Fürstin eingeworben hatte, entstand 1952 in Klempau. Insgesamt wurden in acht Orten bis 1966 182 Kleinsiedlungen errichtet. Neben den Spendengeldern aus Amerika, Schweden und Finnland wurden die Bauprojekte durch Landes- und Aufbaudarlehen nach dem Lastenausgleichsgesetz finanziert.
Die letzte große Hilfsaktion wurde durch das Hilfswerk nach der Flutkatastrophe im Februar 1962 organisiert. 1966 stellte das Hilfswerk sein soziales Engagement ein.
Das Richtfest in der Treptower Straße fand am 6. September 1954 statt. Aus Anlass des Richtfestes wurde Ann Mari von Bismarck das neugeschaffene Ehrenzeichen in Gold vom DRK-Präsidenten Dr. Weitz verliehen.
Das Hilfswerk legte besonderes Gewicht auf eine enge Verbindung zwischen Spendern und Empfängern: „Im Gegensatz zur Anonymität größerer Organisationen wussten die Spender dadurch sehr genau, bei wem ihre Spende angekommen war und lernten aufgrund der Dankesbriefe eventuell sogar die Lebenssituation der Hilfsbedürftigen kennen.“ (Oberländer S. 151)
So trugen auch die Häuser in Ratzeburg Namen, die von den Spendern ausgesucht wurden oder
„Namen […], die erkennen lassen, woher die Spenden geflossen sind, die sozusagen die Initialzündung zu den Siedlungsbauten gaben". (Bericht über das Richtfest in der "Lauenburgischen Zeitung" vom 7. September 1954)
Die Benennung der Treptower Straße durch die Stadtvertretung erfolgte am 12. Oktober 1954.
Literatur: Christiane Oberländer „Das Flüchtlingshilfswerk der Ann Mari Fürstin von Bismarck (1945-1966), in: Terra et Mars. Aspekte der Landes- und Militärgeschichte, Festschrift für Eckardt Opitz zum 65. Geburtstag, Hrsg. von Michael Busch, Neumünster 2003, S. 135-156.
Direkt an der Seestraße entsteht derzeit das Wohnprojekt "Alte Meierei". Dies ist Anlass, einen Rückblick auf die Geschichte der Ratzeburger Genossenschaftsmeierei zu werfen, die diesem Projekt den Namen gegeben hat.
Die Molkerei-Genossenschaft wurde im Februar 1889 gegründet und schon im Oktober des gleichen Jahres konnte die Meierei ihren Betrieb aufnehmen. Dies ist in den Berichten der "Lauenburgischen Zeitung" zu entnehmen, die unten nachzulesen sind.
1927 wurden die Gebäude erweitert und umgebaut. Die Fotoserie dieser Baumaßnahme wurde dem Stadtarchiv von einem privaten Fotoalbum zur Verfügung gestellt.
Umfangreiche Baumaßnahmen wurden auch Mitte der 1950er Jahre vorgenommen. Am 19. November 1955 feierte die Meierei nach 7-monatiger Bauzeit ihr Richtfest für den ersten Bauabschnitt, der die neuen Betriebsräume umfasste.
Im zweiten Bauabschnitt wurden die Kontorräume und das Laboratorium erstellt sowie die Fassade modernisiert.
Im Februar 1964 feierte die Molkerei-Genossenschaft mit dem Festball bei Wittlers ihr 75-jähriges Bestehen. In seinem Grußwort betonte Walther Dohrn, der Direktor der Kreissparkasse: "Wir Städter sollten nicht nur mehr Milch trinken, sondern auch bereit sein, der Landwirtschaft dafür den gebührenden Preis zu bezahlen."
Ende Oktober 2004 stellte die Ratzeburger Molkerei-Genossenschaft ihre Produktion ein und wurde zum 30. November liquidiert. Die Preiseinbrüche auf dem Milchmarkt hatten zu diesem Ende geführt.
Aus der "Lauenburgischer Zeitung" Nr. 17 vom 7. Februar 1889
"Ratzeburger Genossenschafts-Molkerei". Die am Montag [4. Februar 1889] behufs Gründung einer 'Molkerei-Genossenschaft zu Ratzeburg' einberufene Versammlung war von Landwirten aus Ratzeburg und Umgebung gut besucht. Nachdem das im Entwurf vorliegende Statut einer eingehenden Diskussion unterzogen und mit unwesentlichen Änderungen angenommen war, konstituierte sich auf Grund desselben die Genossenschaft mit 25 Mitgliedern, welche 279 Kühe zeichneten.
Die Zahl der Genossenschaftler dürfte aber noch größer werden, da Anmeldungen zum Beitritt bis zum Montag, 18. ds. Mts. nachmittags beim Maurermeister Bartels - Ratzeburg erfolgen können und wohl mancher kleiner Landwirte den ihm durch den Beitritt zur Molkerei-Genossenschaft gebotenen Vorteil noch rechtzeitig erkennt. An diesem Tag nachmittags 3 Uhr findet dann eine Versammlung der Genossenschaftler statt, in welcher an Stelle der jetzigen geschäftsführenden Kommission der Vorstand gewählt werden soll. Man hofft, den Betrieb der Molkerei bereits am 1.7. ds. Jhs. eröffnen zu können."
Aus der "Lauenburgischen Landeszeitung" Nr. 122 vom 15. Oktober 1889
"Die Ratzeburger Genossenschaft-Molkerei eröffnet
mit dem 16. d. M. den Betrieb."
"Die Ratzeburger Molkerei-Genossenschaft. Einem geehrten Publikum Ratzeburgs hierdurch die ergebene Mitteilung, daß mit der Betriebs-Eröffnung der Molkerei der Verkauf der Molkereiprodukte am Mittwoch, d. 16. d. Mts. beginnt. Vom genannten Tage ab werden die Verkaufswagen der Genossenschaft, welche sämtliche Molkereiprodukte mit sich führen, an jedem Vormittage in den Straßen der Stadt fahren und außerdem im Laden der Molkerei ein Verkauf von Milch, Butter und Käse stattfinden. Die Tagespreise sind an den Verkaufswagen angeschlagen.
Bestellungen für bestimmte Zeiten des Tages werden im Laden oder Comptoir der Molkerei-Genossenschaft, woselbst auch evtl. Beschwerden über unpünktliche Lieferung etc. anzubringen sind. Indem die Genossenschaft für beste Produkte bei den niedrigsten Tagespreisen sorgen wird, bittet sie um rege Unterstützung des Unternehmens.
Ratzeburg, 15. Oktober 1889
Der Vorstand"
Aus der "Lauenburgischen Landeszeitung" Nr. 62 vom 29. Mai 1890
"Die hiesige Genossenschafts-Molkerei hat heute mit dem Milchausschank in ihren Räumlichkeiten begonnen, womit manchem Morgen-Spaziergänger eine besondere Annehmlichkeit geboten sein dürfte. Der Garten der Molkerei, welcher jetzt auch einen Anlegerplatz für das Dampfschiff 'Auguste' erhalten hat, steht im ersten Grün und findet bereits fleißige Besucher."
Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden viele Menschen, insbesondere Juden, deportiert, ermordet, vertrieben oder in den Suizid getrieben. Auch hier, im Kreis Herzogtum Lauenburg, erlitten viele Juden ein solches Schicksal.
Eine davon war Aenne Raaz ( geborene Borchardt ). Sie lebte mit ihrem Mann Ewald Raaz in Ratzeburg, in der Lübecker Straße 19.
Als sie erfuhr, dass sie deportiert werden sollte, nahm sie sich, mittels Gift, das Leben. Sie starb am 18. Februar 1945.
Bevor Aenne Raaz nach Ratzeburg kam, lebten sie und ihr Ehemann in Berlin. Im Jahr 1936 zogen sie, in der Hoffnung auf mehr Schutz vor dem Regime, nach Ratzeburg.
Über das Schicksal von Aenne Raaz war, im Gegensatz zum Schicksal anderer jüdischer Familien, z.B. den Rosenbergs, lange sehr wenig bekannt.
Das änderte sich, als die Klasse 10d der Lauenburgischen Gelehrtenschule (LG) Ratzeburg gemeinsam mit dem Stadtarchivar Christian Lopau im Winter 2012 begann, das Schicksal der Jüdin zu erforschen. Die Schüler recherchierten selbstständig und führten auch Gespräche mit der Enkelin von Aenne Raaz. Das Projekt fand seinen Abschluss am 18. Februar 2013, dem Todestag von Aenne Raaz, mit einer Gedenkfeier in der Aula der LG.
Die Schüler präsentierten die Situation der Juden im Kreis und gingen dann näher auf das Schicksal von Aenne Raaz ein. Am Ende der Gedenkfeier konnte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung Kerzen für Aenne Raaz anzünden. Begleitet wurde die Veranstaltung vom Chor der LG.
Die Gedenkfeier in der Lauenburgisshen Gelehrtenschule
(Foto: MARKT-Zeitung)
Im Zusammenhang mit diesem Projekt wurde ein Stolperstein hergestellt. Dieser soll im Sommer 2013 vor dem Haus von Aenne Raaz verlegt werden.
Solche Steine sollen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Erfunden wurden sie von dem Künstler Günter Demnig, der auch bei der Verlegung dieses Stolpersteins dabei sein wird.
Diese Archivale wurde textlich erarbeitet von Annika Sauer, Schülerin der Lauenburgischen Gelehrtenschule, im Rahmen ihres Praktikums
im Stadtarchiv Ratzeburg
Nach der Niederlage des nationalsozialistischen Deutschland im Zweiten Weltkrieg wurde Deutschland in vier Besatzungszonen aufgeteilt. Die vier Besatzungsmächte – Sowjetunion, USA, Großbritannien und Frankreich - entwickelten jeweils eigene Vorstellungen und Pläne, wie das politische Leben in ihren Besatzungszonen gestaltet werden sollte.
Der britischen Besatzungsmacht lag daran, die kommunale Selbstverwaltung möglichst schnell wiederherzustellen, um die Demokratie in Deutschland „von unten nach oben“ wieder aufzubauen. Die ersten Stadt-, Gemeinde- und Kreisvertretungen wurden von den Besatzungsbehörden ernannt.
Mit der Verordnung Nr. 12 für das britische Kontrollgebiet wurde die Bildung politischer Parteien auf lokaler Ebene ermöglicht.
Die britischen Behörden förderten auch den Aufbau neuer, vor allem bürgerlicher Parteien, um die politische Verantwortung möglichst bald an die Deutschen zurückgeben zu können. Trotzdem hatten es die neuen bürgerlichen Parteien anfangs schwer, da sie anders als beispielsweise die SPD nicht an Traditionen aus der Zeit vor der NS-Diktatur anknüpfen konnten. Außerdem fanden sich oft nur wenige Bürger, die unbelastet aus der NS-Zeit hervorgegangene Personen, die überhaupt Politik ausüben durften.
Der Termin für die erste Kommunalwahl wurde auf den 15. September 1946 festgesetzt. Der Kreistag wurde am 13. Oktober 1946 gewählt. Es galten sehr genaue Vorschriften zur Vorbereitung und zum Ablauf der Wahl. So mussten die Wahllokale bis zum 12. August 1945 bekannt gegeben werden. Die Wahlvorstände wurden genau überprüft. Auch die Kandidaten wurden auf „braune Tätigkeiten“ untersucht, ehe sie zur Wahl zugelassen wurden.
Aus den Wahlen gingen im Kreis Herzogtum Lauenburg die CDU und die SPD als stärkste Kräfte hervor. Bei der Kreistagswahl erhielten CDU und SPD jeweils 22 Sitze, die KPD errang einen Sitz. Die KPD verschwand im Laufe der Zeit aus dem politischen Leben in der Region.
In Ratzeburg trat die neugewählte Stadtvertretung am 25. September 1946 erstmalig zusammen. Die CDU hatte 16 der 21 Mandate errungen, die SPD stellte 5 Vertreter.
Dieser Text wurde erarbeitet von Annika Sauer, Schülerin der Lauenburgischen Gelehrtenschule, im Rahmen ihres Praktikums im Stadtarchiv Ratzeburg. Die Bilder wurden zur Verfügung gestellt vom Kreismuseum Herzogtum Lauenburg und Klaus-Jürgen Mohr.
Durch eine großzügige Zuwendung der Fielmann AG befindet sich seit einigen Monaten im Sammlungsbestand des Stadtarchivs ein Stammbuch mit Eintragungen aus der Zeit von 1792 bis 1848, viele von ihnen aus Ratzeburg.
In der Form der Poesiealben sind uns die Stammbücher bis heute vertraut. Entstanden ist diese Form der Sammlung von Gedichten, Versen oder Sinnsprüchen bereits in der Reformationszeit. Damals war es Mode, Autographe (von einer bekannten Person mit eigener Hand geschriebenes Schriftstück) der Reformatoren zu sammeln.
Später wurden die Stammbücher (auch Freundschaftsalben oder „Album Amicorum“) besonders von Studenten genutzt, sich gegenseitig ihre Freundschaft zu bezeugen. Meist zu besonderen Anlässen tauschte man solche Freundschaftsbezeugungen aus
In der Zeit des Biedermeier (1815 bis 1848) erlebten die Stammbücher noch einmal eine Blüte. Der frühere Kreisarchivar und Museumsleiter Dr. Hans-Georg Kaack, der sich mit der Biedermeierzeit intensiv beschäftigt hat, schreibt über die Stammbucheintragungen dieser Epoche:
„In der Biedermeierzeit ist besonders der Fleiß ungezählter Dilettanten groß, die, unbeschwert von jedem literarischen Gewissen, den Gänsekiel ins Tintenfass tunken, um Erinnerungsbücher, Denkmäler der Freundschaft und Stammbücher mit hausgemachten Versen zu füllen.“ (Hans-Georg Kaack, Impressionen aus der Biedermeierzeit, 1992)
In der Form gebundener Büchlein oder als Sammlung loser Blätter in einem Kästchen – wie in unserem Fall – sind einige dieser Stammbücher erhalten geblieben.
Nicht nur auf die Worte kam es vielen Verfassern an, sie haben die Blätter mit Zeichnungen, Stickereien, geflochtenen Haaren oder den Noten zu einer Fuge ausgeschmückt.
Die Blatt mit der Fuge stammt übrigens von dem Möllner Komponisten und Organisten Johann Christoph Schmügel (1727 – 1798).
(eingespielt von Domorganist Christian Skobowsky auf der großen Rieger-Orgel)
Mein Freund!
Dieser Satz gehört im Tempel
Wo die Ehre Gottes wohnt
Bilde Dich durch dies Exempel,
So wird deine Müh belohnt.
Flieh den Tand der Operngänge,
(Da man nichts als Wollust lehrt)
Bleib entfernt vom Weltgepränge,
Werde ja nicht mit verkehrt!
Dein Genie werd immer größer
In der reinen Harmonie
Ja, ich hoff‘ es, werde größer!
Dieses ist mein Wunsch für Sie.
Mit einem alten, redlichen,
deutschen Herzen, wird
dieses unterschrieben
von
J.C. Schmügel 1792
Das Landschulwesen im Herzogtum Lauenburg war, aller Reformversuche zum Trotz, bis in das 19. Jahrhundert hinein in einem beklagenswerten Zustand. Eine zentrale Frage bei der Verbesserung des Schulwesens war die Ausbildung der Lehrer. Bis zur Errichtung des Lauenburgischen „Schullehrer-Präparanden-Instituts“, das vor allem der Initiative des Superintendenten Carl Friedrich Wilhelm Catenhusen (*1792 in Ratzeburg +1853 in Ratzeburg) zu verdanken ist, gab es im Herzogtum Lauenburg kein eigenes Institut für die Vorbereitung der Lehranwärter. 1836 wurde die Ausbildung der Anwärter an die Stadtschule in Ratzeburg angegliedert.
Das Präparandeum wurde nach der Angliederung des Herzogtums an Preußen zu einem Lehrerseminar ausgebaut, dessen Eröffnung am 15. Oktober 1873 in Ratzeburg stattfand. Unter den 137 Lehrern im Herzogtum Lauenburg waren 1876 schon 101 ehemalige Präparanden, die in Ratzeburg ausgebildet worden waren.
Die Lehrerausbildung wurde weiter ausgebaut. Stadt, Kreis und preußischer Staat einigten sich auf die gemeinsame Finanzierung des Baus und der Unterhaltung eines Seminargebäudes. 1893 übernahm der preußische Staat die Trägerschaft des Lauenburgischen Lehrerseminars, das im Herbst 1895 in ein dreiklassiges Seminar umgewandelt wurde.
1894 bis 1896 wurde in den Gärten im südlichen Teil der Demolierung ein Neubau errichtet. L. Hellwig berichtet in seiner Stadtchronik: „Besondere Sorgfalt erforderte die Fundamentierung des Baus auf dem sumpfigen Terrain. Der letzte Stamm des Pfahlrostes, der 569., wurde am 14. Mai 1865 eingeschlagen.“
Das neue Seminargebäude wurde am 9. November 1896 eröffnet und bestand bis zum 20. März 1926. In Preußen wurden die Lehrerseminare in der Zeit der Weimarer Republik durch die neue eingerichteten Pädagogischen Akademien abgelöst.
Nachdem das Gebäude anschließend für kurze Zeit leer stand, wurde es von der Stadt für eigene Schulzwecke erworben, um das „gänzlich veraltete und unzweckmäßige Schulgebäude der Stadtschule am Bauhof“ zu ersetzen. Nach Abschluss der notwendigen Umbauten wurde das bisherige Seminargebäude Mitte Oktober 1927 als Stadtschule wieder eingeweiht. Mit dem enormen Anwachsen der Schülerzahlen nach dem Ende wurde eine Neuverteilung der in Ratzeburg vorhandenen Schulräume notwendig. Der damaligen Mittelschule, der späteren Ernst-Barlach-Realschule, wurde das ehemalige Seminargebäude zugewiesen.
Bis zum Auszug der Gemeinschaftsschule in den Neubau an der Heinrich-Scheele-Straße hat das Gebäude als Schule gedient.
Literatur: L. Hellwig: Chronik der Stadt Ratzeburg. Ratzeburg (2. Aufl.) 1929.
Christian Lopau: Wandlung im Bildungswesen, in: Zwischen Stillstand und Wandel. Der besondere Weg des Kreises Herzogtum Lauenburg in die Moderne. Hrsg. W. Boehart u.a., Schwarzenbek 2001.
Wilhelm Prillwitz: Beiträge zur Geschichte der Ratzeburger Stadtschule. Ratzeburg 1957.
Eisenbahnbau und Dampfschifffahrt ermöglichten es einer beträchtlichen Zahl von Menschen, ihre freie Zeit an den Wochenenden außerhalb der engen Metropolen in der landschaftlich reizvollen Umgebung zu verbringen.
Attraktive Werbung war auch vor hundert Jahren schon eine unabdingbare Voraussetzung, um Gäste nach Ratzeburg zu locken.
In den achtziger Jahren des 19. Jahrhunderts, begann man in Ratzeburg und Mölln, den Fremdenverkehr gezielt zu fördern. Es bildet sich In Ratzeburg eine aus privater Initiative entstandene “Fremdenkommission”, über die Louis Hellwig in seiner Stadtchronik Folgendes schreibt:
“Bemerkenswert aus jener Zeit ist die Herausgabe einer großen Stadtansicht und der ‘ersten Ansichtspostkarte’ von Ratzeburg. Dieser ‘Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs”, wie er sich später nannte, wurde abgelöst durch den ‘Gemeinnützigen Verein’, der am 22. März 1895 mit 59 Mitgliedern ins Leben trat.”
Die Ansichtskarten waren in dieser Zeit wichtige Werbeträger, ja man kann sagen, dass der Tourismus den eigentlichen Anlass für die Herstellung und Verbreitung der Ansichtskarten bildete. 1870 wurde die“Correspondenzkarte” durch Heinrich von Stephan, den Generalpostdirektor des Norddeutschen Bundes, eingeführt. Schon kurz danach wurden diese Karten auch mit Bildern bedruckt.
Die Blütezeit der Ansichtskarte fällt in die Zeit zwischen 1880 und den 1920er Jahren. Fast jedes Hotel, Restaurant oder Gasthaus brachte seine eigene Postkarte heraus.
Daneben priesen die Broschüren und Touristenführer die Stadt mit teils blumigen Texten an.
Der vom Gemeinnützigen Verein herausgegebene “Führer durch Ratzeburg und Umgegend” wirbt Ende des 19. Jahrhunderts:
“Einen unwiderstehlichen Reiz übt die landschaftliche Schönheit dieses waldumrauschten Inselstädtchens [...] jahraus, jahrein auf die Touristenwelt aus, und es bildet besonders in den Sommermonaten einen beliebten Ausflugsort der Grossstädter, die sich hier - und sei es nur auf einen Tag - an den Naturschönheiten erfreuen und liebliche Bilder der Erinnerung in das Alltagsleben mit hineinnehmen. Aber auch als Sommerfrische erfreut sich Ratzeburg eines zunehmenden Rufes. Es hat zwar keine Thermen oder mineralische Quellen [...] dafür aber reine köstliche Lebensluft, wonnigen Wald und tiefklares Wasser: es ist also ein Platz für Rekonvaleszenten und Gesunde, die fern von den gewöhnlichen Pflichten des Lebens sich für einige Wochen oder Monate köstlicher Ruhe hingeben und neue Kräfte und frische Lust zum ernsten Lebensberuf sammeln wollen.”
Auch Johannes Eckells „Führer durch Ratzeburg, Campow und Utecht, Mölln, Lauenburg in Wort und Bild“ (Mölln 1906) findet fast überschwängliche Worte für die Schönheiten der Stadt.
„Selbst der verwöhnteste Naturfreund wird überrascht und entzückt sein, wenn er zum ersten Male das reizende Inselstädtchen erblickt. Ist Ratzeburg doch nicht nur die Perle des an Wald und Seen so reichen Ländchens Lauenburg, es ist ein Juwel in Deutschlands Gauen, ein kleines zwar, aber – ‚oft ist’s das Kleinste, das am hellsten glänzt!‘“
Eine Quelle, die besonders Familienforschern zahlreiche wertvolle Hinweise liefert, ist das älteste Bürgerbuch der Stadt Ratzeburg.
In diesem Folioband, der in Leder gebunden ist, sind über 170 Jahre lang die Neubürger der Stadt festgehalten worden.
Den Erwerb des Bürgerrechts regelt die „Polizeiordnung der Stadt Ratzeburg“ von Herzog Franz II. aus dem Jahr 1582.
Hans-Georg Kaack schreibt dazu in seiner Stadtchronik:
„Die Grundvoraussetzung für den Erwerb des Bürgerrechts besteht für den Neubürger Ratzeburgs darin, sich in seinem neuen Wohnort ständig niederzulassen. Diese Voraussetzung steht in Zusammenhang mit der Forderung des Hausbesitzes, die aber später abgemildert wird. Wer Handwerker werden will, muss seit der Frühzeit der Stadt das Bürgerrecht erwerben.“
Zu den Rechten des Bürgers zählen der „Schutz durch die Gesamtheit als Solidarverband der Bürger“ und die freie Ausübung von Handel und Gewerbe.
Die oberste Bürgerpflicht, im „Bürgereid“ an erster Stelle formuliert, ist der Gehorsam dem Rat gegenüber und die Befolgung seiner Anordnungen und Befehle.
Zu den Pflichten gehören daneben aber auch die Mitwirkung bei der Verteidigung der Stadt, der Wachtdienst, die Übernahme von Ämtern, die Beteiligung an öffentlichen Arbeiten und an der Bekämpfung von Bränden und die Entrichtung von Steuern und Abgaben.
Im Besitz des Bürgerrechtes ist nur ein Teil der Bewohner Ratzeburgs. Die meisten, wie etwa die Familienangehörigen, sind nur Einwohner, die zwar auch den Schutz der Gemeinschaft genießen, aber nicht die weitergehenden Rechte ausüben können.
Wer das Bürgerrecht erwerben wollte, musste ein „Bürgergeld“ zahlen, zwei Bürgen („Eschesmänner“) stellen und den Bürgereid ablegen.
Bei den Eintragungen im Bürgerbuch sind neben dem Datum der Aufnahme und dem Namen des Neubürgers stets auch die Namen der Bürgen genannt. Später werden auch der Herkunftsort und der Stand bzw. Beruf eingetragen.
Die ersten Eintragungen stammen aus dem Jahre 1601 ...
... die letzten Eintragungen datieren von 1771
Um diese Quelle möglichst vielen Interessierten zugänglich zu machen, hat Bruno Raute im „Lauenburgischen Heimatverlag“ (Ratzeburg 1933) das Buch „Die Neubürger der Stadt Ratzeburg 1601 bis 1871“ veröffentlicht.
Dazu hat Raute nicht nur das älteste Bürgerbuch ausgewertet, sondern auch eine „Generalrolle der Bürger“ aus dem Jahr 1796 (Stadtarchiv Ratzeburg Nr. 1384) und das Ratzeburger Bürgerbuch für die Jahre 1816 bis 1871 (Stadtarchiv Ratzeburg Nr. 779).
In seinen Erläuterungen zu der Quelle schreibt Raute: „Insgesamt verzeichnet das erste Ratzeburger Bürgerbuch in den 170 Jahren seiner Benutzung rd. 1400 Neubürger. Der Zugang war zu allen Zeiten verschieden, durchschnittlich gewannen jährlich 8-10 Personen das Bürgerrecht. Die Zahl ist sehr schwankend, sie steigt bis auf 23 im Jahre 1692 und sinkt mehrmals auf 1, in den Jahren 1687, 1690, 1691, 1700 und 1708 fehlen die Neubürger sogar ganz.“
Besondere Bemerkungen findet man selten, aber es gibt sie:
Anno 1642 den 7. Marthy Jochim Wulff aus Wittstock die Bürgerschafft gewonnen. Eschesleute sein gewesen Hanß Wolter und Clauß Holmes.
Anno 1648 den 5. Octobris ist dieser heimblich davon gegangen undt manchen redtlichen Menschen betrogen.“
Oder auch dieses:
„Anno 1675 den 6. December Vollraht Cluaßen, auß Greunow bürtig, seines Handtwerks ein Schuster, die Bürgerschaft gewonnen. Seine Esches Leute seindt gewesen Michel Otte undt Heinrich Springer.
Ao. 1696 den 18. May ist er beym Kegelspiel mit einer Boßel am Kopf geworffen, dovon er des andern Tages gestorben.“
Im Rahmen einer Aktenabgabe durch den Fachbereich „Stadtplanung, Bauen und Liegenschaften“ erhielt das Stadtarchiv zwei Leitzordner mit Fotos und anderen Dokumenten zur Stadtsanierung in Ratzeburg.
Die Sanierung und Erneuerung des Gebäudebestandes auf der Insel war ab Mitte der 1960er Jahre ein Schwerpunkt der Stadtentwicklung Ratzeburgs.
Bürgermeister Friedhelm Schöber, seit 1962 im Amt, formulierte in einem Grundsatzreferat in der Aula der alten Lauenburgischen Gelehrtenschule am 4. März 1964 ein „Leitbild“ für die weitere Entwicklung der Stadt. Mit der Sanierung „sollte die Zonengrenzstadt Ratzeburg ihren Beitrag dazu leisten, die Funktion, die gesellschaftliche Aufgabe und die städtebauliche Form einer kleinen Stadt in besonders bevorzugter landschaftlicher Lage am Rande von großen Ballungsräumen, aber auch der derzeitigen Weltgrenze zwischen Ost und West zu bestimmen.“
Die exemplarische Bedeutung des Ratzeburger Sanierungsprojektes kam darin zum Ausdruck, dass die beabsichtigte Stadterneuerung nach Abstimmung mit den Behörden des Kreises und des Landes durch einen Erlass des Bundesministers für Wohnungswesen, Städtebau und Raumordnung im November 1964 als Modellfall anerkannt wurde. Friedhelm Schöber konnte bundesweit renommierte Fachplaner für Städtebau, Verkehrsplanung, Landschaftsgestaltung und soziologische Problem-stellungen für die Vorbereitung der Maßnahmen gewinnen.
Wie dringend erforderlich eine Modernisierung der Gebäudesubstanz war, zeigen die Ergebnisse einer soziologischen Untersuchung aus dem Mai 1966, in der u.a. die haustechnische Ausstattung der betroffenen Haushalte dargestellt wurde. Damals hatten 64 % der im Sanierungsgebiet lebenden Bewohner keine Toilette in der Wohnung.
Neben der Gesamtsanierung des historischen Stadtkerns wurden aber noch weitergehendere Ziele formuliert. Dazu zählten u.a.
- Wirtschaftliche Umstrukturierung
- Neuordnung des Verkehrs
- Neuordnung der städtischen Funktionen als zentraler Ort
- Schaffung fahrverkehrsfreier Fußgängerbereiche in der Altstadt
- Verlegung der Bundesstraße und
- Einrichtung eines neuen Erholungsbereichs für den Tourismus
Planerische Grundlage für das weitere Vorgehen wurde der Bebauungsplan Nr. 1 aus dem Jahr 1967. Gleichzeitig war es notwendig Flächen für einen Ersatzwohnungsbau im Bereich des Exerzierplatzes / Mecklenburger Straße zu schaffen.
Die umfangreiche Dokumentation der damals getroffenen Maßnahmen belegt den Modellcharakter der Stadtsanierung in Ratzeburg.
Wir präsentieren Ihnen hier eine Auswahl der Fotos, die jetzt an das Stadtarchiv abgegeben wurden.
In fast jeder größeren Gemeinde in Deutschland findet man Denkmäler für die gefallenen Soldaten der beiden Weltkriege. Seltener sind Denkmäler für die Gefallenen des Krieges von 1870/71 oder der napoleonischen Kriege.
In vielen Orten wurden diese Kriegerdenkmäler im Ortsmittelpunkt aufgestellt, häufig entdeckt man sie auf den Kirchhöfen, seltener an markanten Punkten in der umgebenden Landschaft. Die Denkmäler finden heute nur noch wenig Beachtung, lediglich am Volkstrauertag werden dort Kränze niedergelegt und Gedenkfeiern abgehalten.
Vermutlich gehören diese Denkmäler für die meisten Menschen so selbstverständlich zum Ortsbild, dass man nach ihrer Geschichte nicht mehr fragt. Hinzu kommt, dass immer weniger Menschen leben, die zu den Soldaten, an die erinnert wird, noch persönliche oder familiäre Beziehungen haben.
Die Gestaltung, die Texte und die Symbolik der Denkmäler sowie die historischen Umstände ihrer Aufstellung stoßen selten auf Interesse - Denkanstöße geben sie kaum. Dabei sind sie durchaus geeignet, Auskunft darüber zu geben, welcher Sinn den beiden Weltkriegen und ihren Opfern von den Überlebenden beigelegt wurde. Sie lassen Aussagen über das nach den beiden Weltkriegen vorherrschende offizielle Geschichtsbild zu.
Besonders nach dem Ersten Weltkrieg ist in Ratzeburg eine ganze Reihe von Denkmälern bzw. Gedenktafeln errichtet worden, die an die Gefallenen des Krieges erinnern sollten. Die Vielzahl der Gedenkstätten erklärt sich daraus, dass neben der Stadt auch die Kirchengemeinden, die Traditionsverbände der Garnison sowie einzelne Schulen und Institutionen eigene Denkmäler bzw. Gedenktafeln aufstellen ließen.
Ratzeburg ist als Garnisonsstadt seit dem 17. Jahrhundert eng mit dem Militär verbunden gewesen. Von 1866 bis zu seiner Auflösung nach dem Ersten Weltkrieg ist das Lauenburgische Jägerbataillon Nr. 9, mit einer Unterbrechung von 1876 bis 1882, in Ratzeburg stationiert gewesen.
Speziell für die Gefallenen des Lauenburgischen Jägerbataillons gibt es zwei Denkmäler in Ratzeburg bzw. in der näheren Umgebung:
Zum 25-jährigen Bestehen des Lauenburgischen Jäger-Bataillons (24. Juni 1891) wurde das Bataillons-Denkmal im Hundebusch errichtet. Besonders die Teilnahme an der Schlacht von Gravelotte (18. August 1871) spielte in der Geschichte des Bataillons eine besondere Rolle. Das Denkmal wurde daher zum 20. Jahrestag dieser Schlacht eingeweiht. Der Chronist des Bataillons beschreibt die Intention, die mit der Aufstellung verbunden war.
„Es sollte dieses Denkmal ein sichtbares Zeichen der über das Grab hinausdauernden Liebe und Dankbarkeit sein, errichtet an jener Stätte, wo die Saat gesäet, die auf Frankreichs Gefilden zur Ernte reifen sollte.
Dieses Denkmal war angeregt von dem damaligen Bataillonskommandeur Major von Bose, ebenso hatte dieser Mitkämpfer von Gravelotte den zeichnerischen Entwurf geliefert, während die Ausführung dem Bildhauer Pehle übertragen war, der zur Zeit dem Bataillon als Oberjäger angehörte.
Das Denkmal, welches also im eigentlichen Sinne ein Bataillonsdenkmal ist, besteht aus einer Steinpyramide, die von einem Bronzeadler gekrönt wird. In eine Seite ist eine Gedenktafel mit den Namen der während des deutsch-französischen Krieges gefallenen Bataillonskameraden eingelassen.“
Das Denkmal geht auf eine Initiative der Vereinigung der Offiziere des ehemaligen Lauenburgischen Jäger-Bataillons Nr. 9 und seiner Kriegsformationen zurück. Es ist den Gefallenen des Jäger-Bataillons Nr. 9, des Reserve-Jäger-Bataillons Nr. 9 und des Reserve-Jäger-Bataillons Nr. 18 gewidmet. Der Platz für die Aufstellung des Denkmals wurde von der Stadt unentgeltlich zur Verfügung gestellt, die Kosten für das Denkmal wurden durch Spenden aufgebracht.
Die Einweihung fand am 21. August 1921 im Rahmen eines Jägertages statt. 5000 ehemalige Angehörige der Ratzeburger Jäger waren zu diesem Treffen in ihre frühere Garnisonstadt gekommen. Neben zahlreichen Einwohnern der Stadt nahmen Angehörige der Reichswehr, der Krieger- sowie der Jägervereine an der Einweihungsfeier teil.Die Feier begann mit einem Festakt auf dem Marktplatz, bei dem der letzte Friedenskommandeur des Lauenburgischen Jägerbataillons die Ansprache hielt, der eine Feldpredigt des langjährigen Garnisonsgeistlichen Pastor Löwe folgte.
Die eigentliche Enthüllung des Denkmals beschreibt die Chronik der Stadt folgendermaßen:
“Als die Hülle des Denkmals fiel, spielte die Bataillonskapelle das Lied vom guten Kameraden, die Fahnen senkten sich, dumpf rollte eine Ehrensalve über See und Stadt und echote von den bewaldeten Höhen zurück. Und dann noch einmal Hörnerklang wie zu alten Zeiten: frühere Oberjäger des Bataillons bliesen in grünem Forstkleid ihren toten Kameraden, die fern der Heimat ruhen, ein letztes Halali an geweihter Stätte. Es war eine ergreifende, unvergessliche Stunde!”
Das Denkmal für die im Ersten Weltkrieg Gefallenen des Lauenburgischen Jägerbataillons Nr. 9 am östlichen Ende des Königsdamms trägt die Inschrift:
“Zum Gedächtnis der auf dem Felde der Ehre in den Kriegsjahren 1914-1918 gefallenen Helden des Lauenb. Jäger-Batl. 9, Res. Jäger-Batl. 9 und Res.-Jäger-Batl. 18 gewidmet von ehemaligen Offizieren, Oberjägern, Jägern und Freunden. Es fielen vom Lauenb. Jäger-Batl. 9: 34 Offiziere, 675 Oberjäger und Jäger, vom Res. Jäger-Batl. 9: 11 Offiziere, 441 Oberjäger und Jäger, vom Res.-Jäger-Batl. 18: 28 Offiziere, 1677 Oberjäger und Jäger.”
Das Denkmal sollte mit einem Gitter „gegen Bekritzelungen etc. durch unbefugte Kinder pp.“ geschützt werden. Der Magistrat lehnte diesen Antrag ab, „da der Stadt Mittel für die Anlage nicht zur Verfügung stehen, auch bei der misslichen Finanzlage keine Mittel dafür bereitgestellt werden können“.
Offenbar hat der Verein der Offiziere der ehemaligen Jäger-Bataillone daraufhin die Kosten für die Einfriedigung übernommen.
Die Städte und Gemeinden des Kreises Herzogtum Lauenburg erhielten durch den Zustrom von Evakuierten, Flüchtlingen und Vertriebenen während des Zweiten Weltkriegs und in den ersten Nachkriegsjahren einen enormen Bevölkerungszuwachs. Unter denen, die in Schleswig-Holstein Aufnahme fanden, waren die Pommern mit rund 30 % besonders stark vertreten.
Die Eingliederung dieser Menschen stellte in den ersten Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg eine vorrangige Aufgabe für Politik und Verwaltung dar. In dieser Zeit entstanden nicht nur Zusammenschlüsse in Form von Heimatvereinen und Vertriebenenverbänden, sondern auch zahlreiche Patenschaften, die den Flüchtlingen und Vertriebenen ein „Gefühl der Geborgenheit“ und „eine neue Heimat“ geben sollten, „solange bis die Rückkehr in die alte Heimat erfolgen kann“.
Die Ratzeburger Stadtvertretung fasste am 21. August 1953 den einstimmigen Beschluss, auf Vorschlag des Bundes der Heimatvertriebenen - Vereinigte Landsmannschaften in Ratzeburg und Umgebung, die Patenschaft für die Stadt Treptow zu übernehmen. Beide Städte wiesen in ihrer Größe, ihren Merkmalen und in ihrer Bevölkerungsstruktur eine Reihe von Ähnlichkeiten auf.
Die Stadt Treptow an der Rega (früherer Kreis Greifenberg) wurde 1170 erstmalig erwähnt und 1277 durch die pommerschen Herzöge Barnim I. und Bogislaw IV. zur Stadt mit lübischem Recht erhoben.
Die Stadt, die an drei Seiten von der Rega umflossen wird, gehörte zeitweilig der Hanse an und war im 16. Jahrhundert Wirkungsstätte des Reformators Johannes Bugenhagen, der in Treptow Rektor der Stadtschule war. Neben dem Rathaus (1701) ist die Marienkirche das herausragende Bauwerk der Stadt, die 1939 fast 11.000 Einwohner zählte. In der heute polnischen Stadt Trzebiatow leben rund 17.000 Menschen.
Die offizielle Übernahme der Patenschaft erfolgte am 1. November 1953. Nach einem Gottesdienst und einem Totengedenken am „Kreuz des Deutschen Ostens“ auf dem Palmberg wurde die Patenschaftsurkunde in einer Feierstunde durch den Ratzeburger Bürgermeister Dr. Otto Hofer überreicht.
1954 wurde in Ratzeburg erstmals das Bundestreffen der Heimatvertriebenen aus dem Kreis Greifenberg veranstaltet, aus dem sich später die Treptower Tagung am Tag der Deutschen Heimat und an 1963 das Heimattreffen der Stadt Treptow entwickelte.
Zum zehnjährigen Bestehen der Patenschaft im Jahre 1963 tagten Vertreter der Stadt Treptow gemeinsam mit den Ratzeburger Stadtvertretern. Aus diesem Anlass wurde am damaligen Rathaus (am Markt) eine Gedenktafel enthüllt, die der Rektor Ewald Karsten entworfen hatte.
In den Reden, die 1963 gehalten wurden, wandten sich die Vertreter der Treptower noch vehement „gegen alle, die von ‚verzichten‘ reden und die damit der Durchsetzung des Rechtsanspruchs auf Wiederherstellung der Grenzen von 1937 in unverantwortlicher Weise Schaden zufügten.“
Im Rückblick auf die ersten zehn Jahre der Patenschaft wurden auf zahlreiche Maßnahmen dieser Dekade hingewiesen, u.a. zahlreiche Heimattreffen der Treptower und des Kreises Greifenberg. An Stadteingang wiesen Ortschilder auf die Patenschaft hin und am 4. März jedes Jahres wurden auf dem Marktplatz die Flaggen der beiden Städte auf Halbmast gehisst, um an die Besetzung der pommerschen Stadt durch die Rote Armee zu erinnern.
Auch eine Straßenbenennung („Treptower Straße“) erinnert an die Verbindung beider Städte.
Bis 1995 haben die Heimattreffen der Treptower in Ratzeburg stattgefunden. Seither ruht die Patenschaft. Mit der polnischen Stadt Sopot verbindet Ratzeburg seit dem 4. Juni 1994 eine Städtepartnerschaft.
Die Akten über die Patenschaft, die Durchführung der Heimattreffen und weitere Vorgänge hierzu liegen heute im Stadtarchiv Ratzeburg (Bestand III).
Literatur: Günter Erdmann, Zehn Jahre Patenschaft Ratzeburg / Treptow a. d. Rega, in: Lauenburgische Heimat N. F. Heft 44 ( März 1964) S. 51-54.
Der Winter von 1962 auf 1963 war ungewöhnlich hart. Zum ersten Mal seit sieben Jahren war die Elbe bei Lauenburg wieder zugefroren und die Bewohner der Stadt konnten sich zum Jahresbeginn zu Fuß auf den Weg nach Hohnstorf am gegenüberliegenden Ufer machen.
Auch an den Stränden von Nord- und Ostsee türmten sich mächtige Eisschollen.
Anfang Januar konnte zumindest teilweise die Eisfläche des Domsee zum Betreten freigegeben werden, nachdem die Wasserschutzpolizei durch Bohrungen an verschiedenen Stellen eine Eisstärke von mindestens 15 Zentimetern festgestellt hatte.
Am 11. Januar meldete die Presse eine Dicke der Eisschicht von mehr als 20 Zentimetern rund um die Inselstadt. Zimmerleute und Mitarbeiter der Stadt trieben mit einem 90 kg schweren Rammbär einer Zugramme zwölf Eisbrecherpfähle von je zehn Metern Länge vor der Seebadeanstalt in den Seegrund. Damit sollten die hölzernen Aufbauten des Sprungturms und die Laufstege vor dem Eisgang im Frühjahr geschützt werden.
Der Vorsitzende des Ratzeburger Luftsportvereins, Helmuth von Zaluskowski, kündigte für das Wochenende 12. / 13. Januar erste Starts von Segelfliegern auf dem Eis des Großen Ratzeburger Sees an. Die Seilwinde für die Start befand sich in der Nähe der Seebadeanstalt.
Auch an dem darauf folgenden Wochenende herrschten bei klarem Sonnenschein und günstigen Aufwinden ideale Bedingungen für die Segelflieger, die bei ihren 25 Starts auch Passagiere mitnahmen.
Wie die „Lübecker Nachrichten“ am 29. Januar meldeten starteten am letzten Januarwochenende dann sogar sechs Motorflugzeuge auf dem Ratzeburger See, u.a. eine Staffel viersitziger Sokol-Flugzeuge des „Lübecker Vereins für Luftfahrt“. Eine 300 Meter lange Start- und Landebahn war mit roten Fähnchen markiert.
Fotos dieses strengen Winters hat Herr Dr. Jens Hinzpeter dem Stadtarchiv zur Verfügung gestellt. Wir stellen Sie Ihnen zur Einstimmung auf die kalte Jahreszeit hier vor.