Der „Ratzeburger Verkehrsanzeiger“ erschien als „Kurzeitung mit Fremdenliste für die Inselstadt Ratzeburg, die Orte am Ratzeburger See und das gesamte Schallseegebiet“ jeweils in den Sommermonaten Mai bis September. Verlegt und gedruckt wurde die Zeitung in der Ratzeburger Druckerei Freystatzky. Im Sammlungsbestand des Stadtarchivs sind leider nur wenige Exemplare dieser Zeitung erhalten. Aus privater Hand gelangte kürzlich die Nr. 8 aus dem September 1930 in unser Archiv. Die Jahrgangszählung verrät, dass das Blatt zuerst 1927 erschienen ist. Auf jeden Fall existierte die Kurzeitung bis zum Beginn des Zweiten Weltkrieges, denn die Nummer vom 2./9. September 1939, also der ersten Kriegswoche, ist in einer Akte überliefert.
Neben Anzeigen der Beherbergungsbetriebe, Cafés und Restaurants fanden die Leser Rätsel, kleine humorvolle Beiträge und Fahrpläne der Buslinien sowie der Ausflugsschifffahrt.
Die Höhe der Auflage ist leider nicht bekannt, aber die Exemplare sind auf dem Titel mit der Aufforderung versehen „Nimm, lies und gib es weiter!“ – was hiermit geschehen ist.
Der romanische Dom ist das Wahrzeichen Ratzeburgs. Ganz gleich, ob man sich der Stadtinsel von Westen oder von Osten nähert, bestimmt der Dom die beeindruckende Silhouette der von Seen umgebenden Stadt. Vor dem Dom erinnert das Löwenstandbild an Herzog Heinrich den Löwen, der 1154 das Bistum Ratzeburg gründete und den Prämonstratenser Evermod zum ersten Bischof berief. Evermod, der zuvor Propst des Klosters 'Unser Lieben Frauen' in Magdeburg und einer der wichtigsten Gefolgsleute Norberts von Xanten gewesen war, konnte um 1160 mit dem Bau des Doms beginnen, der heute als herausragendes Zeugnis der Backsteinarchitektur in Norddeutschland gilt. Rund sechs Jahrzehnte dauerte der Bau des Doms, ehe mit der Fertigstellung der Eingangshalle im Süden der Abschluss vollendet wurde.
Nach Norden schließen sich an den Dom die Klostergebäude an, deren Baubeginn um 1250 datiert wird. Hier lebten und wirkten die Prämonstratenser, aus deren Mitte fast alle Ratzeburger Bischöfe hervorgingen, ehe der letzte von ihnen zum Protestantismus übertrat und sein Amt aufgab. Drei der Ratzeburger Bischöfe wurden heiliggesprochen: Evermod, Isfried und Ludolph. Von den insgesamt 29 Bischöfen des Bistums Ratzeburg wurden 25 im Ratzeburger Dom beigesetzt. 23 Grabplatten, zum Teil aufwendig gestaltet, sind bleibende Zeugnisse ihres Wirkens. Teile der Ausstattung des Doms stammen ebenso aus prämonstratensischer Zeit wie die Wandmalereien im Kreuzgang.
Den Orden der Prämonstratenser gibt es bist heute. 2021 begeht er sein 900jähriges Gründungsjubiläum, ein Ereignis, dass sich als prägend für Ratzeburgs Stadtgeschichte erweisen sollte. Mit diesem Archivale, die in Form eines Podcasts in mehreren Teilen gestaltet ist, soll an die Bedeutung der Prämonstratenser erinnert werden. Ergänzend sind Fotografien aus dem Bestand von Hans-Jürgen Wohlfahrt zu sehen, den das Ratzeburger Stadtarchiv verwaltet. Wohlfahrt hat 1978, im Zuge eines Besuchs von Mönchen des Prämonstratenserordens anlässlich des 800. Todestages von Bischof Evermod, Aufnahmen im Ratzeburger Dom zu diesem Thema gemacht.
Unter der reichen Innenausstattung des Domes ist das älteste Chorgestühl Norddeutschlands besonders bemerkenswert. Ein überdachter gotischer Dreisitz aus der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts zeigt an den Seitenwangen eine Reliefdarstellung der Wurzel Jesse bzw. einen Bischof (möglicherweise Evermod) mit Eichbaum darüber.
Der Domhof als nördlicher Teil der Ratzeburger Stadtinsel strahlt bis heute die geistliche Prägung aus, die dieser Ort über Jahrhunderte erfahren hat. Zu dieser Atmosphäre der Ruhe und Besinnung tragen auch die zahlreichen kirchlichen und kulturellen Einrichtungen bei, die hier ihr Domizil haben. Nach dem Zweiten Weltkrieg an der innerdeutschen Grenze gelegen, hat Ratzeburg nach der Grenzöffnung 1989 seine verbindende Funktion zwischen Ost und West wiedergefunden. Dies kam auch darin zum Ausdruck, dass im Dom 2012 die Gründung der Nordkirche vollzogen wurde.
ID: 198156-bwv536
Tonträger-Titel: Johann Sebastian Bach. Triosonate Nr. 1 in Es-Dur BWV 525, Triosonate Nr. 6 in G-Dur BWV 530, Präludium und Fuge C-Dur BWV 545, Präludium und Fuge A-Dur BWV 536, Toccata und Fuge d-Moll BWV 565, Helmut Walcha an der Frans-Caspar-Schnitger-Orgel der St. Laurenskerk in Alkmaar.
Label: Archiv Porductio 196 156
Erscheinungsdatum: 1962
Format: Vinyl, LP, Stereo, Land: Germany
Trackliste: Präludium und Fuge A-Dur BWV 536
Lizenz: CC0
Präludium
ID: s06081-op6-8
Tonträger-Titel: A. Corelli. I Musici. Concerto Grosso B-Dur Op. 6, Nr. 5, Concerto Grosso g-Moll Op. 6, Nr. 8 (Fatto per la notte di Natale)
Label: Philips (Favoriten-Serie) – S 06081 R
Erscheinungsdatum: 1956
Format: Vinyl, LP, Mono, Land: Germany
Trackliste: Concerto Grosso in g-Moll Op. 6, Nr. 8
Lizenz: CC0
Allegro
ID: r604
Tonträger-Titel: Orlando di Lasso. Prophetiae Sibyllarum, N.C.R.V Vocaal Ensemble/Hilversum, Marinus Voorberg
Label: Musicaphon (Bärenreiter) BM 25 R 604
Erscheinungsdatum: 1962
Format: Vinyl, LP 10', Mono, Land: Germany
Trackliste: Prophetiae Sibyllarum
Lizenz: CC0
Sibylla Europea
ID: 198156-bwv565
Tonträger-Titel: Johann Sebastian Bach. Triosonate Nr. 1 in Es-Dur BWV 525, Triosonate Nr. 6 in G-Dur BWV 530, Präludium und Fuge C-Dur BWV 545, Präludium und Fuge A-Dur BWV 536, Toccata und Fuge d-Moll BWV 565, Helmut Walcha an der Frans-Caspar-Schnitger-Orgel der St. Laurenskerk in Alkmaar.
Label: Archiv Porductio 196 156
Erscheinungsdatum: 1962
Format: Vinyl, LP, Stereo, Land: Germany
Trackliste: Toccata und Fuge d-Moll BWV 565
Lizenz: CC0
Toccata
ID: 33fcx221-noel
Tonträger-Titel: La Schola Des Pères Du Saint-Esprit Du Grand Scholasticat De Chevilly – Plain-Chant Grégorien
Label: Columbia – 33 FCX 221
Erscheinungsdatum: 1953
Format: Vinyl, LP, Land: France
Trackliste: Plain-Chant Grégorien
Lizenz: CC0
ID: 33fcx221-pascale
Tonträger-Titel: La Schola Des Pères Du Saint-Esprit Du Grand Scholasticat De Chevilly – Plain-Chant Grégorien
Label: Columbia – 33 FCX 221
Erscheinungsdatum: 1953
Format: Vinyl, LP, Land: France
Trackliste: Plain-Chant Grégorien
Lizenz: CC0
ID: 198181-geistlicheLieder
Tonträger-Titel: Archiv Produktion des historischen Studios der Deutschen Grammophon Gesellschaft, IX. Forschungsbereich Das Schaffen Johann Sebastian Bachs, Serie E, Lieder und Arien, 9 Geistliche Lieder aus »Musicalisches Gesangs [...] Buch von G. Chr. Schemelli«, Margot Guilleaume, Sopran; Helmut Tramitz, Orgel; 7 Arien Und Lieder aus »Klavierbüchlein Für Anna Magdalena Bach 1725«, Margot Guilleaume, Sopran; Fritz Neumeyer, Cembalo.
Label: Archiv Produktion – 198181
Erscheinungsdatum: 1960
Format: Vinyl, LP, Stereo, Land: Deutschland
Trackliste: 9 Geistliche Lieder aus »Musicalisches Gesangs [...] Buch von G. Chr. Schemelli«
Lizenz: CC0
Brunquell aller Güter (BWV 445) archiviert durch die Bayerische Staatsbibliothek
Am 27. Februar 1946 wurde der „Spielmannszug der Stadt Ratzeburg“ im „Seegarten“ gegründet. Es war in dieser Zeit unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg leichter Musiker zu finden als Instrumente zu beschaffen. Nach wenigen Wochen hatten sich bereits 26 Spielleute zusammengefunden, die zunächst mit Trommeln aus dem Bestand des Ausbilders und Holzflöten aus Privatbesitz ausgestattet wurden. Die Übungsabende fanden in den Räumen der Freiwilligen Feuerwehr in der Below-Kaserne statt. Schwarze Hosen und weiße Hemden sorgten für ein einheitliches Erscheinungsbild. Nach der Währungsreform 1948 konnten durch Beitragsgelder, Sammlungen und Spenden nach und nach neue Instrumente beschafft werden. 1958 kaufte die Stadt Ratzeburg den gesamten Bestand der Instrumente und übergab sie der Freiwilligen Feuerwehr. Der Spielmannszug wurde der Feuerwehr angegliedert und die Spielleute trugen Feuerwehruniformen.
Seit 1960 ist der Spielmannszug mit der Schützengilde von 1551 verbunden und trägt den Namen „Spielmannszug der Ratzeburger Schützengilde v. 1946“. Der Spielmannszug wurde zu einem festen Begleiter vor allem der Schützenfeste. War das Musizieren im Spielmannszug ursprünglich reine Männersache, sind die Frauen inzwischen zu einem unverzichtbaren Teil des Vereins geworden. Seit 1974 wird außerdem eine intensive Jugendarbeit betrieben.
Die Festschriften aus dem Jahren 1976, 1981, 1991 und 1996 im Sammlungsbestand des Stadtarchivs dokumentieren die Entwicklung des Spielmannszuges, der seine Jubiläen in der Vergangenheit stets mit großen Musikfesten gefeiert hat, zu denen Spielmanns-, Musik- und Fanfarenzüge aus nah und fern in die Inselstadt eingeladen wurden. Erstmalig kamen 1976 unter dem Motto „In Ratzeburg erklingt Musik“ rund 1000 Spielleute aus 29 Vereinen nach Ratzeburg. Das für dieses Jahr geplante Musikfest zum 75-jährigen Jubiläum kann wegen der Pandemie leider nicht stattfinden.
Das Wandern wurde zu einer beliebten Freizeitbeschäftigung. Zur Vorbereitung der Touren und als hilfreiche Begleiter erschienen auch in unserer Region gedruckte Wanderführer wie das „Hamburger Wanderbuch“, das zuerst 1895 von Adolph Blass, Rud. Kohfahl und Paul Roth herausgegeben wurde. In drei verschiedenen Auflagen ist das „Hamburger Wanderbuch“ in unser Stadtarchiv gelangt. Die älteste (7.) Auflage erschien 1909, die jüngste (12.) im Jahr 1927. Neben dem hier vorliegenden ersten Teil, das Wandertouren nördlich der Elbe durch Holstein und Lauenburg enthält, gab es einen zweiten Teil mit Wandertouren südlich der Elbe und in der Lüneburger Heide.
Das Vorwort von 1895 preist die vielfältigen landschaftlichen Vorzüge der Umgebung Hamburgs: „Alle diese Landschaften haben ihre besonderen Reize und bieten dem aufmerksamen Auge des naturfrohen Wanderers Schönheiten in Hülle und Fülle. Eine kleine Schar hat diese Gebiete in zahlreichen Wanderungen durchstreift, ihre Aufzeichnungen und Erfahrungen gewissenhaft niedergeschrieben und nach sorgfältiger Sichtung in diesem Büchlein zusammengestellt.“
Ausgangspunkt der Wanderungen sind häufig die Bahnhöfe. Die Zeitangaben für die Wegstrecken gehen von einer Geschwindigkeit von 12 Minuten für den Kilometer auf ebener Straße aus. Karten erleichtern die Orientierung. Kurze historische Darstellungen und Tipps für Besichtigungen ergänzen die Streckenbeschreibungen. Mehrere Routen finden ihr Ziel in Ratzeburg (Oldesloe-Steinhorst-Ratzeburg; Oldesloe-Wesenberg-Ratzeburg, Mölln-Farchau-Ratzeburg und Mölln-Lankau-Ratzeburg), auch eine Wanderung um den Ratzeburger See wird beschrieben. Es hat einen besonderen Reiz, die vor rund hundert Jahren beschriebenen Touren lesend – oder auch wandernd – heute noch einmal zu entdecken.
Aus dem Nachlass des früheren Ratzeburger Bürgermeisters Dr. Otto Hofer (1903-1988, Bürgermeister von 1946 bis 1962) stammt das gedruckte Programm zur Ratzeburger Kulturwoche im Oktober 1946. Für das vielfältige Veranstaltungsprogramm u. a. mit Konzerten, Vorträgen, einer Theateraufführung und Vorstellungen der Ratzeburger Handpuppenbühne Pechascheck, war noch die Genehmigung der britischen Militärregierung erforderlich.
In der Eröffnungsrede des Bürgermeisters ist das Bemühen deutlich zu spüren, nach den Jahren der Diktatur und des Krieges ein Zeichen des Neuanfangs zu setzen, “nicht nur mit den Mitteln eines äußeren Aufbaus, sondern zugleich durch ein Versenken in die großen und unzerstörbaren Kulturgüter der Nation.“ Als „Wurzeln“ des grundlegenden Gedankens der Kulturwoche formuliert Dr. Hofer: „Einmal soll ein Querschnitt der künstlerischen Leistungen unserer Stadt aufgezeigt werden. Zum anderen wollen wir den Künstlern und Kulturschaffenden und namentlich unserem Nachwuchs eine gewisse Entfaltungsmöglichkeit bieten, und zum dritten der Bevölkerung unserer Stadt in ihrem Hunger nach den zeitlosen Werten der Kunst und Kultur Freude bringen.“ Gleichzeitig betont Dr. Hofer die integrative Kraft der Kultur, in der Hoffnung, dass aus Flüchtlingen und Alteingesessenen „ein neues Bürgertum entsteht, welches dieses Land und diese Stadt als neue Heimat innerlich freudig bejaht und liebt.“
Vor allem aber stand die Kulturwoche unter dem Zeichen des Gedenkens an Ernst Barlach, der in der Zeit des Nationalsozialismus angefeindet und verfemt worden war. Die Eröffnung der Kulturwoche wurde bewusst auf den achten Todestag Ernst Barlachs gelegt. Bürgermeister Dr. Hofer nahm in seiner Eröffnungsrede besonderen Bezug auf Barlachs enge Verbindung zu Ratzeburg und verlas einen Brief, den Ernst Barlachs Bruder Hans an die „Feiergemeinde“ gerichtet hatte. Anlässlich der Gedenkfeier regte Bürgermeister Dr. Hofer an, „daß unter der Schirmherrschaft der Stadt Ratzeburg eine Zweigstelle der Ernst-Barlach-Gesellschaft hier in Ratzeburg gegründet werden möge“ mit der Aufgabe, das künstlerische Erbe Barlachs zu pflegen, die Erinnerungsstätten in Ratzeburg zu erhalten und zu pflegen und die letzte Ruhestätte würdig auszugestalten. Außerdem sollten jährliche Treffen am Grab des Künstlers vorbereitet und durchgeführt werden. So ist die Kulturwoche des Jahres 1946 auch als Auftakt für die Pflege des künstlerischen Erbes Ernst Barlachs in Ratzeburg zu betrachten.
Wir erleben derzeit eine weltweite Pandemie, deren Auswirkungen uns vermutlich noch lange beschäftigen werden. Ansteckende Krankheiten haben in der Geschichte der Menschheit immer wieder unzählige Opfer gefordert und die Menschen in Angst und Schrecken versetzt. Auch in unseren Archiven hat der Kampf gegen die Seuchen ihre Spuren hinterlassen.
Im Stadtarchiv gut dokumentiert ist der Einsatz gegen die Cholera-Epidemie der 1830er Jahre. Wirksame medizinische Mittel standen den damals Verantwortlichen nicht zur Verfügung. Auch die Verbreitungswege der Krankheit waren weitgehend unbekannt oder zumindest umstritten. Als sich im Jahr 1831 die Berichte über ein Herannahen der zuerst in Russland ausgebrochenen Cholera verdichteten, ordneten die Behörden Vorsichtsmaßnahmen an, die sich wenig von denen unterscheiden, mit denen wir heute versuchen, ansteckende Krankheiten einzudämmen, für die noch kein Impfstoff bzw. Gegenmittel bekannt ist. Vor Ort bereitete man sich u. a. dadurch vor, dass Gebäude für die Einrichtung als Hospital und Quarantänestation ausgewählt wurden. Die Apotheken wurden angehalten, sich mit Medikamenten zu bevorraten.
Eine Gesundheitskommission aus ranghohen Vertretern der Stadt koordinierte und kontrollierte die Einhaltung aller angeordneten Maßnahmen. An die Einwohnerschaft wurde appelliert, auf eine gesunde Lebensführung und Sauberkeit in der Stadt zu achten. Ein besonderer Schwerpunkt der damals erlassenen Verordnungen lag auf Einreiseverboten und Quarantänevorschriften für diejenigen Reisenden, die nicht nachweisen konnten, dass sie aus Gebieten kamen, die nicht von der Cholera betroffen waren. Die städtischen Behörden stellten selbst „Gesundheitszeugnisse“ für diejenigen aus, die außerhalb Ratzeburgs Geschäfte zu erledigen hatten. In unserem Beispiel war der „Bürger Tesmann als Bote nach Groß Thurau [Thurow] und wieder zurück nach Ratzeburg“ unterwegs. Die Kontrollen an den Toren der Stadt übernahmen Wachmannschaften, die sich aus Ratzeburger Bürgern zusammensetzten. Die Vorschriften, nach denen sie sich zu richten hatten, sind in der Instruktion zusammengefasst, die wir ebenfalls präsentieren.
Während in der Nachbarstadt Mölln im Jahr 1833 acht Menschen an der Cholera starben, blieb Ratzeburg von dieser Krankheitswelle verschont. Erst 1850 wurde auch die Inselstadt von einem neuerlichen Ausbruch erfasst, dem 18 Menschen zum Opfer fielen.
Zum ersten Mal nach dem Zweiten Weltkrieg fand vom 2. bis 4. Dezember 1949 eine Weihnachtsmesse von Ratzeburger Firmen statt. Zahlreiche Aussteller präsentierten an diesem Wochenende auf den Sälen von Wittlers Hotel und vom Hotel Fürst Bismarck ihre Waren und boten ihrer Kundschaft die Möglichkeit, Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Für die Besucherinnen und Besucher aus dem Umland wurden sogar Sonderbusse eingesetzt. Die „Lauenburgische Zeitung“ berichtet, dass Tausende von Besuchern die Gelegenheit nutzten, sich zu informieren und einzukaufen.
Die Verkaufsstände seien „propagandistisch gut aufgemacht“ gewesen, so dass sich die Kaufleute sehr zufrieden mit dem Erfolg zeigten. Den Andrang an den drei Messetagen hatte man offenbar kaum für möglich gehalten. Zur offiziellen Eröffnung am Freitag, d. 2. Dezember wurden die geladenen Gäste aus den Behörden, der Wirtschaft und der Öffentlichkeit von Walter Mohr als Vertreter der Wirtschaft begrüßt.
Die Eröffnungsrede hielt Bürgermeister Dr. Otto Hofer. In seinem Nachlass befindet sich unter anderen Dokumenten aus den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg auch das Redemanuskript zur Eröffnung der Ratzeburger Weihnachtsmesse 1949. Das Manuskript gewährt einen interessanten Einblick in die wirtschaftliche Situation der Inselstadt in der unmittelbaren Nachkriegszeit.
Bürgermeister Dr. Hofer spricht von einem „grundlegenden Wandel“, der sich vollzogen habe. Nach der Währungsreform im Juni 1948 sei die Zwangswirtschaft gelockert bzw. aufgehoben worden und die „Krisis überwunden“. Vor allem durch den Zustrom der Geflüchteten und Vertriebenen habe sich für Ratzeburg eine „grundlegende Änderung der Verhältnisse“ ergeben. Impulse für die wirtschaftliche Entwicklung kämen vor allem aus der gewerblichen Wirtschaft und der Kaufmannschaft der Inselstadt. Als zentrale Aufgabe der kommenden Jahre bezeichnet Dr. Hofer den Wohnungsbau und die Integration der Flüchtlinge. Die Weihnachtsmesse „will jedenfalls Zeugnis ablegen von dem Lebenswillen und der Tatkraft der Ratzeburger Wirtschaft“: „Der Konsument in Stadt und Land soll wissen, dass er Zeit und Geld für den Einkauf in den Großstädten sparen kann, denn auch in Ratzeburg suchen gute und preiswerte Waren ihre Käufer.“ Dass die Leistungsfähigkeit noch nicht überall auf hohem Niveau war, zeigte sich am Eröffnungstag: „In den frühen Abendstunden versagte offenbar wegen Überlastung die Stromzuführung, so daß die Messe für einige Zeit in Dunkel gehüllt war.“ – Dem Gesamterfolg der Veranstaltung tat das aber keinen Abbruch.