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Ratzeburger Baugeschichten - Stadtkirche St. Petri

Der Neubau des Kirchturms von St. Petri 

Die heutige Petrikirche wurde am 27. November 1791, dem ersten Adventssonntag, eingeweiht. Sie ersetzte einen Vorgängerbau aus dem 13. Jahrhundert, der bei der Beschießung der Inselstadt im Jahr 1693 zwar nicht zerstört, aber doch so stark beschädigt worden war, dass der Turm 1714 abgetragen werden musste.  Die Glocken wurden in einem Schuppen neben der Kirche untergebracht, in dem sie fast 200 aufbewahrt wurden. 


Lange diskutierte man die Erneuerung und Erweiterung der alten Kirche, ehe man sich schließlich zum völligen Neubau entschloss. Ein schwerer Wetterschaden hatte dem Gebäude inzwischen weiter zugesetzt. Im Juli 1787 wurde die alte Kirche abgebrochen. Der Plan für den Neubau stammte von dem hannoverschen Landbaumeister Johann Friedrich Laves (1734-1818). Die Baukosten in Höhe von 17.000 Talern wurden zu einem Teil von der hannoverschen Regierung bezahlt, zum Teil als Darlehen vergeben, das bis 1863 getilgt wurde. Aus Kostengründen hatte man beim Neubau der Kirche auf einen Turm verzichtet, nur ein Dachreiter krönte die Petrikirche. Erst 1911 konnte man einen Turm auf die Kirche setzen, der auch das Glockengeläut aufnehmen konnte.


Die alten Glocken aus dem Jahr 1636, die fast zweihundert Jahre eingelagert gewesen waren, wurden 1911 umgegossen. Sie läuteten nur rund sechs Jahre. 1917 mussten sie zur Metallgewinnung im Ersten Weltkrieg abgeliefert werden. Allein die kleinste und älteste Glocke aus dem Jahr 1578 blieb erhalten.

Im Frühjahr 1921 konnte ein neues Geläut beschafft werden, das am 3. April 1921 geweiht wurde. Die Anschaffung wurde besonders durch eine Spende aus den USA ermöglicht: 

„Die Neuanschaffung der Glocken wurde im Wesentlichen gefördert durch eine Spende des Herrn Albert Schwalge und seiner beiden Schwestern in Chicago, die durch Überweisung von 300 Dollar der Kirche ihrer alten Heimatstadt gedachten. Auch als im Jahre 1923 in Chicago von dem Schleswig-Holsteiner-Verein ein Wohltätigkeitsfest zum Besten der deutschen Landsleute veranstaltet wurde, sorgte Herr A. Schwalge dafür, dass von dem Ertrag des Festes 200 Dollar nach Ratzeburg kamen, wo sie in den Zeiten größter Not für die Gemeindepflege und zur Unterhaltung der Kinder-Walderholungsstätten Verwendung fanden.“(L. Hellwig: Chronik der Stadt Ratzeburg, Ratzeburg 2. Aufl. 1929, S. 98) 

ARCHIVALE_NOVEMBER_2011

Verbunden mit dem Neubau des Turmes war 1911 eine umfassende Renovierung und der Einbau einer neuen Orgel:

„Am 30. April 1911 beschloss das Kirchenkollegium außerdem auf Vorschlag des Kirchenvorstandes […] eine gründliche Instandsetzung des Innern der Kirche: die Anlage einer Zentralheizung, Errichtung einer elektrischen Beleuchtung, würdige Ausmalung des Innern, Herstellung eines neuen Fußbodens, ferner den Umguss der alten Glocken und den Einbau eines neuen Orgelwerkes unter Beibehaltung des schönen alten Gehäuses. Dem Kreisbaumeister Wolff wurde die Oberleitung und dem Kreisbauführer Wiegand die spezielle Leitung der gesamten Arbeiten übertragen.“ (Lauenburgische Zeitung Nr. 138 vom 18. November 1911)

Der Neubau der Orgel wurde der Fa. Kempper und Sohn in Lübeck übertragen, alle übrigen Arbeiten wurden von Ratzeburger Firmen ausgeführt. Am Sonntag, dem 19. November 1911, wurde die renovierte Petrikirche mit einem Festgottesdienst eingeweiht.

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