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Archivalen 2017

Archivale 01/2017 - James Krüss und Ratzeburg

Vor zwanzig Jahren, am 2. August 1997, starb auf Gran Canaria der Dichter und Schriftsteller James Krüss. Bis heute werden vor allem seine Kinder- und Jugendbücher von vielen gelesen und geliebt. Dass eine seiner Lebensstationen James Krüss nach Ratzeburg geführt hat, ist allerdings kaum bekannt.

James Krüss war Helgoländer. Am 31. Mai 1926 wurde er auf der Nordseeinsel geboren. Nach dem Abschluss der Mittelschule wollte er Lehrer werden und besuchte zunächst die Lehrerbildungsanstalt (LBA) in Lunden (Dithmarschen), dann ab 1943 die LBA in Ratzeburg. 1944 wechselte Krüss an die Bernhard-Rust-Hochschule in Braunschweig, ehe er sich freiwillig zur Luftwaffe meldete.

Der einzige Beleg für seinen Aufenthalt in Ratzeburg ist seine Meldekarte in der alten Kartei des Einwohnermeldeamtes.

Nach dem Zweiten Weltkrieg schloss James Krüss seine Lehrerausbildung zwar ab, war aber nie als Lehrer tätig. Schon 1946 veröffentlichte er sein erstes Buch. In der Folge erschienen zahlreiche Bilder-, Kinder- und Jugendbücher, Gedichtbände und Hörspiele. Für das Buch „Mein Urgroßvater und ich“ erhielt James Krüss 1960 den Deutschen Jugendbuchpreis, was ihn schlagartig bekannt machte. Sein wohl populärstes Werk ist „Timm Thaler“, das 1962 erschien.

Der Nachlass des Autors befindet sich heute auf Schloss Blutenburg im Westen Münchens. Auf Helgoland erinnert ein kleines James-Krüss-Museum an den berühmten Sohn der Insel.

Ratzeburg war schon im 19. Jahrhundert Zentrum der Ausbildung von Volksschullehrern. 1897 wurde das Gebäude des Lehrerseminars errichtet, in dem bis 1926 Volksschullehrer auf ihren Beruf vorbereitet wurden. Die Einrichtung wurde geschlossen, als man zu einer akademischen Ausbildung auch für die Volksschullehrer überging.

Die nationalsozialistische Schulpolitik lehnte diese akademische Ausbildung ab. Außerdem zeichnete sich in den in den 1930er Jahren ein Mangel an Volksschullehrern ab. Daher entstanden Pläne für die Einrichtung von Lehrerbildungsanstalten (LBA). Voraussetzung für den Besuch der LBA war der erfolgreiche Abschluss der 8-jährigen Volksschule. Ziel der LBA war es, „den nationalsozialistischen Volksschullehrer zu erziehen, der, im Volkstum wurzelnd, zum vollen Einsatz für Volk und Reich bereit ist.“ Die Schüler der LBA waren in Internaten untergebracht, die Ausbildung war stark militärisch ausgerichtet und von der nationalsozialistischen Ideologie geprägt. Auch bestand eine sehr enge Verbindung zur Hitlerjugend (HJ).

1941 wurden die ersten LBA eingerichtet, darunter auch die LBA in Ratzeburg, die von April 1941 bis zum 1. März 1945 existierte. Die Unterbringung erfolgte in der 1937 errichteten Jugendherberge am Küchensee, der Unterricht fand in der alten Stadtschule (Schrangenstraße) statt.

Geschichten von James Krüss werden am 05. September 2017 um 15:00 Uhr im Leseclub der Stadtbücherei zu hören sein. Zum kostenlosen Bilderbuchkino ist jedes Kind ab 4 Jahre  ohne vorherige Anmeldung herzlich willkommen und bekommt den eigenen Clubausweis!

 

Archivale 02/2017 - Der Buchhandel in Ratzeburg

In der Reihe „Archivale des Monats“ werden seit 2009 ausgewählte Stücke aus dem Stadtarchiv Ratzeburg vorgestellt. Ein Archivale (Plural: „Archivalien“) ist eine im Archiv aufbewahrte Unterlage. Archivalien sind Unikate (Einzelstücke), sie sind als Originale also nur einmal vorhanden.

Das Stadtarchiv Ratzeburg bewahrt neben solchen Archivalien im engeren Sinne allerdings auch andere Zeugnisse aus der Vergangenheit der Stadt auf. So befinden sich in der Archivbibliothek und im Sammlungsbestand zahlreiche interessante Stücke, die ebenfalls in dieser Reihe präsentiert werden. Ergänzt wird diese Reihe durch Beiträge geschichtsinteressierter Bürger, die eigene Bilder, Dokumente oder Erinnerungen beisteuern können.

Das Stadtarchiv Ratzeburg möchte auf diesem Wege möglichst vielen Interessierten besondere Einblicke in den Archivbestand ermöglichen und gleichzeitig, Anregungen zu eigener Beschäftigung mit der Geschichte unserer Stadt geben.

Archivale 02/2017 - Der Buchhandel in Ratzeburg

In einer Stadt wie Ratzeburg, deren Leben und Geschichte durch Verwaltungs- und Bildungseinrichtungen sowie kirchliche Institutionen stark geprägt worden ist, spielte der Buchhandel fast selbstverständlich eine wichtige Rolle.

Über den Buchhandel in Ratzeburg ist in der Stadtchronik (hrsg. Von Dr. L. Hellwig, Ratzeburg, 2. Aufl. 1929) zu lesen:

„Es hatte wohl inneren Zusammenhang mit der Gründung der neuen Gelehrtenschule, dass sich Michaelis 1846 ein wirklicher Buchhändler in Ratzeburg niederließ. Bisher hatten die Buchbinder Caller und Thonagel Bücher besorgt und Kalender und Almanachs sogar auf Lager gehabt. Der neue Buchhändler gab sogleich umfangreiche Beilagen zur Zeitung, in denen er die neuesten Werke der Literatur und Kartographie bekannt machte und empfahl, errichtete Lesezirkel der verschiedensten Art, sogar fachwissenschaftliche, und legte eine Leihbibliothek an, aus welcher die Räuberromane verbannt waren und die dem guten Geschmacke dienen sollte. Auch war er nicht abgeneigt, kleine Broschüren, die hiesige Honoratioren zu Verfassern hatten, zu verlegen. Er selbst warf sich bald mit großem Eifer auf das Studium der Einrichtungen und Zustände im Herzogtum Lauenburg und machte sich verdient durch Herausgabe eines kleineren und größeren Hand- und Adressbuchs, sowie einer Gesetzsammlung […] Linsen starb 1871.“

Linsens Geschäft wurde eine Zeitlang durch die Grautoffsche Buchhandlung in Lübeck weitergeführt. Schon seit 1867 hatte sich aber in Ratzeburg ein Konkurrent etabliert, der Buchhändler Max Schmidt, dem es gelang Linsens Gesamtverlag an sich zu bringen. Max Schmidt hatte 1867 das Haus in der Herrenstraße 10 erworben und im selben Jahr auch die Konzession zur Errichtung einer Buchhandlung in Ratzeburg erhalten. Max Schmidt hat sich intensiv mit der lauenburgischen Geschichte beschäftigt und sich auch einen Ruf als Numismatiker erworben.

Archivale 02/2017 - Der Buchhandel in Ratzeburg

Er und seine Nachfolger zeigten ihre Verbundenheit mit der Stadt und der Region auch durch ihr verlegerisches Engagement. Zahlreiche Bücher zur Stadt- und Kreisgeschichte sind hier im Laufe der anderthalb Jahrhunderte herausgegeben worden. So erschien 1910 die von Prof. Dr. Louis Hellwig herausgegebene Chronik der Stadt Ratzeburg im Verlag von Gerhard Schetelig.

Auf den Gründer Max Schmidt folgten später die Buchhändler Gerhard Schetelig, Friedrich Kutscher, Arno Bergner und Harald Weber.



Bemerkenswert ist die Kontinuität, die der Buchhandel in der Inselstadt aufweist. Die heutige Buchhandlung Weber konnte vor kurzem ihr 150-jähriges Jubiläum feiern.