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Archivalen 2025

Archivale 01/2025 - Denkmal für die in Südwestafrika gefallenen Soldaten des Ratzeburger Jägerbataillons

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Zeugnisse der deutschen Kolonialgeschichte sind in Ratzeburg selten zu finden, aber es hat sie gegeben. So befand sich auf dem Grundstück der früheren Domkaserne (Domhof 41) ein Denkmal, das folgende Inschrift trug:

Ihren
in Südwestafrika
gefallenen Kameraden
Leutnant Fürbringer
aus Emden
Unteroffizier Gass
aus Offenburg
Reiter Berkling
aus Ummendorf
die 4. Compagnie.

Über den Zeitpunkt der Aufstellung dieses Denkmals haben sich bisher keine Quellen finden lassen. Klar ist allerdings der historische Kontext:

Am 12. Januar 1904 lehnte sich die Bevölkerungsgruppe der Herero bei einem Aufstand gegen die deutschen Kolonialherren auf, die den Aufstand mit großer Brutalität niederschlugen. Zehntausende Angehörige der Bevölkerungsgruppen der Herero und Nama wurden bei dem Vernichtungsfeldzug getötet, der heute von Historikern mehrheitlich als Genozid eingestuft wird.

Die drei auf dem Denkmal genannten Soldaten sind im Laufe dieses Feldzugs ums Leben gekommen. Sie alle gehörten zeitweise dem in Ratzeburg stationierten Lauenburgischen Jägerbataillon Nr. 9 an, das für die Verstorbenen Anzeigen in der „Lauenburgischen Zeitung“ aufgab.
Bei dem Leutnant Edzard Fürbringer, handelte es sich übrigens um einen Sohn des Oberbürgermeisters der Stadt Emden.

Dokument anzeigen: Todesanzeigen für Unteroffizier Wilhelm Gass und von Reiter Otto Berkling vom Lauenburgischen Jäger-Bataillon
Todesanzeigen für Unteroffizier Wilhelm Gass und von Reiter Otto Berkling vom Lauenburgischen Jäger-Bataillon

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Das Denkmal hat bis kurz nach dem Zweiten Weltkrieg an der ehemalige Domkaserne gestanden und wurde im Frühjahr 1948 beseitigt.

In der Sitzung der Stadtvertretung vom 14. Mai 1948 ist die Anfrage des Ratsherrn Plenkner protokolliert, „warum das Denkmal auf dem Gelände der Domkaserne abgebrochen worden sei? Es ist ihm Aufklärung gegeben, daß die Stadtverwaltung hierzu nicht gehört worden sei, da das Denkmal auf kreisgehörigem Gelände steht. Bei der Kreisverwaltung wird Anfrage gehalten werden, aus welchem Grund dieses Denkmal, das zur Erinnerung der Afrika-Kämpfer 1914-18 gesetzt worden ist, abgebrochen werden musste.“ [Offenbar wusste man 1948 schon nichts mehr über den historischen Hintergrund der Aufstellung und ging davon aus, dass die drei Soldaten während des Ersten Weltkriegs in der Kolonie Deutsch-Südwest verstorben waren.]

Falls die Angelegenheit weiterverfolgt wurde, hat sie zumindest keinen Niederschlag in den Stadtvertretungsprotokollen gefunden.

Archivale 02/2025 - Denkmal gegen den Friedensvertrag von Versailles

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Der am 28. Juni 1919 zwischen dem Deutschen Reich und seinen Kriegsgegnern geschlossene Friedensvertrag von Versailles beendete auf völkerrechtlicher Ebene den Ersten Weltkrieg. Weite Teile der deutschen Öffentlichkeit empfanden den Versailler Vertrag wegen seiner überaus harten Bedingungen als Diktat. In der politischen Diskussion der folgenden Jahre ist daher immer wieder vom "Versailler Diktat" oder dem "Schandfrieden von Versailles" die Rede. Vor allem die rechtsgerichteten Kräfte in der Weimarer Republik forderten mit Hinweis auf die "Demütigung"! Deutschlands eine Revanche.

Auch in Ratzeburg gab es eine "Kundgebung gegen den Schandfrieden am 18. Mai 1919 auf dem Marktplatz zu Ratzeburg". Die Chronik aus dem Jahr 1929 berichtet: "Die gesamte Stadtbevölkerung, Männer und Frauen aller Stände und Berufe, protestierten hier, dem Beispiel anderer deutscher Städte folgend, einmütig gegen das Diktat von Versailles. Es war eine verhallende Stimme in dem gemeinsamen Aufschrei des in seiner Wehrlosigkeit ohnmächtigen, von erbarmungslosen Feinden geknechteten deutschen Volkes." (Hellwig, Chronik der Stadt Ratzeburg, 2. Aufl. 1929, S. 134)


Auf dem Gelände der Kaserne in der Vorstadt wurde ein Denkmal gegen den Versailler Vertrag errichtet. Auf zwei gegenüberliegenden Schrifttafeln trug der vierseitige Denkmalsblock den Spruch "Herr, mach uns frei!" Auf den weiteren Tafeln waren die nach den Vertragsbedingungen abgetreten vormals deutschen Gebiete und die ehemaligen deutschen Kolonien aufgeführt.

In der Kaserne war seit 1920 das Ausbildungsbataillon des Reichswehr-Infanterie-Regiments Nr. 6 untergebracht. Wann und auf wessen Initiative das Denkmal aufgestellt wurde, ist bislang nicht bekannt. In der oben zitierten Chronik, die alle Denkmäler für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs akribisch aufführt, gibt es hierzu keinen Hinweis. Die Postkarte, die vor einigen Jahren für das Stadtarchiv erworben werden konnte, wurde von dem Ratzeburger Fotografen Albert Hannig fotografiert, der seit 1920 in der Herrenstraße sein Atelier hatte.

Archivale 03/2025 - Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Ratzeburg

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Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 wurden in vielen Orten des neu gegründeten Deutschen Reichs „Friedenseichen“ gepflanzt und Denkmäler für die Gefallenen errichtet. Auch innerhalb des 1875 gegründeten Ratzeburger Bürgervereins wurde noch im Gründungsjahr des Vereins ein "Comité für die Errichtung eines Kriegerdenkmals" ins Leben gerufen. Das Komitee forderte die Mitglieder des Bürgervereins zu Spenden auf. 406,50 Mark kamen auf diesen Aufruf hin zusammen, sodass der Grundstein für das Denkmal am 18. Oktober 1879 in der Mitte des Ratzeburger Marktplatzes gelegt werden konnte. Der 18. Oktober war nicht nur der Jahrestag der „Völkerschlacht“ bei Leipzig (1813), sondern auch der Geburtstag des Kronprinzen Friedrich, des späteren „99-Tage-Kaisers“. Genau ein Jahr zuvor, am 18. Oktober 1878, war aber in Mölln der Grundstein für ein "Landes-Krieger-Denkmal" gelegt worden, das am 11. Juni 1879, dem Tag der Goldenen Hochzeit des Kaiserpaares, eingeweiht wurde. Die Hoffnung auf eine baldige Fertigstellung des Ratzeburger Denkmals erfüllte sich nicht. Die Bitte, ein Standbild des Kaisers aufstellen zu dürfen, wurde abschlägig beschieden. Nach dieser Antwort des Kaisers beschloss das Denkmalskomitee am 21. April 1880, „die Sache einstweilen noch ruhen zu lassen.“

Es sollte 8 ½ Jahre dauern, bis das Vorhaben wieder aufgegriffen wurde. Nachdem Kaiser Wilhelm I., dessen „Demut [...] zu seinen Lebzeiten die Ausführung des Denkmals [hinderte]“, am 9. März 1888 gestorben war, wurde das Projekt umgehend wieder aufgenommen. Der Denkmalszweck richtete sich jetzt nicht mehr primär auf den deutsch-französischen Krieg, sondern auf die Verbindung des Herzogtums Lauenburg mit Preußen im Jahre 1865, ein Aspekt der bei der Grundsteinlegung schon angeklungen war. Um die Entscheidung für die Gestaltung des Denkmals vorzubereiten, reisten einige Mitglieder des Komitees nach Berlin, um in der Gladenbeckschen Gießerei verschiedene Modelle zu besichtigen. Das Komitee entschied sich in seiner Sitzung vom 3. Juli 1889 für einen Entwurf von Professor Robert Bärwald, das „man allseitig [...] für das schönste und geeignetste angesehen habe.“ Der Bildhauer Robert Bärwald (1858-1896) hatte mit dem Kaiser-Wilhelm-Denkmal für die Stadt Posen einen ersten wichtigen Großauftrag erhalten, der ihn zu einem der bekanntesten Denkmalschöpfer des Kaiserreichs machte. In der Folge kam das Standbild Kaiser Wilhelms – mit geringfügigen Variationen - in einer ganzen Reihe von Städten zur Aufstellung, u.a. in Lennep, Schwelm, Altenburg, Schneidemühl und Berlin-Tegel.

Das Ratzeburger Denkmal wurde von der Gladenbeckschen Gießerei für 22.000 Mark angeboten. Weitere 8.000 Mark sollten der Granitsockel aus rotem schwedischem Granit, die vier Kandelaber, die Fliesen und die Einfriedigung kosten. Außerdem wurde beschlossen, Reliefs des Fürsten von Bismarck und des Feldmarschalls von Moltke sowie einen Lorbeerkranz mit dem Jahr der Errichtung am Sockel anzubringen. Das gesamte Denkmal erreichte eine Höhe von 6,30 m. Umgeben war das Denkmal von einem schmiedeeisernen Zaun mit zwei Reichsadlern, zwei Kreiswappen und acht Eisernen Kreuzen. Als Beleuchtung wurden vier Gaskandelaber mit preußischen Adlern aufgestellt, die später durch elektrische Lampen ersetzt wurden. Auch der Zaun wurde später entfernt und man umgab das Denkmal mit fünf Linden. Insgesamt kostete das Denkmal 34.065, 96 Mark, von denen 10.254,05 Mark aus freiwilligen Beiträgen von Vereinen, Gemeinden und Einzelpersonen aufgebracht wurden. Die übrigen Kosten wurden durch den Kreis übernommen.

Der Tag der Einweihung des Denkmals wurde auf den 26. September 1890 gelegt, also den 25. Jahrestag der Erbhuldigung der lauenburgischen Stände in der Ratzeburger St. Petri-Kirche. Nachdem das Denkmal schon im Ersten Weltkrieg dem Einschmelzen für Rüstungszwecke nur knapp entgangen war, überstand es den Zweiten Weltkrieg nicht. Ein unscharfes Foto, vermutlich im Winter 1941/42 aufgenommen, zeigt die Demontage des Denkmals. Später wurde auch der Sockel abgetragen. Lediglich das Fundament blieb bis zur Umgestaltung des Marktplatzes erhalten.

Im Zuge der Neugestaltung des Ratzeburger Marktplatzes wurden in den Jahren 2007 und 2008 umfangreiche Bauarbeiten vorgenommen. Dabei kam in der Mitte des Platzes auch das Fundament des früheren Kaiser-Wilhelm-Denkmals zum Vorschein. Beim Abtragen dieses Fundaments wurde von einem der Bauarbeiter eine Zinkkartusche entdeckt, die bei der Bergung zwar beschädigt wurde, ihren Inhalt aber seit der Grundsteinlegung des Denkmals vor 129 Jahren bewahrt hatte.

Archivale 04/2025 - Der Heinrichstein

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Das älteste Denkmal Ratzeburgs, ja der gesamten Region, ist der Heinrichstein am Eingang des Domhofs. Der imposante Granitblock steht auf dem Grundstück Domhof 48, an der Ecke Domhof / Kleine Kreuzstraße. Der Felsblock erinnert an Heinrich von Bad(e)wide, der aus dem Lüneburgischen stammte und 1143 durch Heinrich den Löwen mit der Grafschaft über die Polaben belehnt wurde. Später wurde daraus die Grafschaft Ratzeburg, zu der die Länder Ratzeburg, Boizenburg, Wittenburg, Gadebusch und Boitin gehörten.

Wie Helmold von Bosau in seiner Chronik berichtet, holte Heinrich von Badewide vor allem aus Westfalen Siedler ins Land und trieb die Christianisierung des von ihm beherrschten Gebietes voran. Vermutlich schon kurz nach seinem Tod (um 1164) wurde der Gedenkstein gesetzt, der seine Verdienste würdigt. Der lateinische Text, der in Majuskelschrift in den Stein gemeißelt wurde, lautet in der deutschen Übersetzung:

"Zu Zeiten König Konrads und Herzog Heinrichs von Sachsen kam Graf Heinrich nach Ratzeburg und gab dort als erster dem Christentum eine feste Grundlage. Seine Seele ruhe in Frieden. Amen"

Der Ratzeburger Stadtchronist Louis Hellwig hat sich 1902 in einem Aufsatz "Archiv des Vereins für die Geschichte des Herzogtums Lauenburg" 1902, S. 77-83) näher mit dem Stein und seiner Inschrift befasst. Er geht davon aus, dass der Verteilung der einzelnen Buchstaben ein "vorbedachter Plan und Zeichnung" vorausging. Er liest aus den auf der linken Seite untereinander verlaufenden Buchstaben ein Akrostichon, sieht also in den Anfangsbuchstaben einen neuen Satz.

Hellwig liest daraus: TVRNON.RIP.A.E. = Turnon[is] Rip[ensis] a[rtificium] e[st] oder a[rte] e[xistit], was so viel bedeutet wie "Es ist das Werk des Turno aus Ripen" [Ribe]

Auch wenn wir dieser Überlegung nicht folgen, bleibt das Denkmal ein eindrucksvolles Zeugnis einer weit zurückliegenden Epoche.

Auch im mecklenburgischen Wittenburg gibt es einen Heinrichstein, der seit dem 750-jährigen Stadtjubiläum 1976 an seinen heutigen Standort an der Südseite der Bartholomäuskirche versetzt wurde. Auch dieser Stein zeigt ein lateinisches Kreuz. Die im Oval darüber eingehauene Inschrift lautet: O(biit) EINRICH COMES ORATE P(ro) EO – übersetzt: "Es starb Graf Heinrich. Betet für ihn". Nicht geklärt ist die Frage, an welchen Grafen Heinrich das Wittenburger Denkmal erinnert.

Archivale 05/2025 - Der Moltke-Stein

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Die Stadt Ratzeburg hat den Generalfeldmarschall Hellmuth von Moltke, den Chef des Großen Generalstabs in den Kriegen von 1866 und 1870 / 71 nicht nur durch die Benennung einer Straße in der Nähe der Kasernen in der Vorstadt geehrt. Oberhalb des Küchensees befindet sich der „Moltke-Stein“, ein Granitfindling mit einem Feldsteinunterbau, der die Inschrift trägt: "Generalfeldmarschall Graf Moltkes Lieblingsplatz. 1853 – 1888". Die Jahreszahlen beziehen sich auf den ersten und den letzten Besuch Moltkes in Ratzeburg. Moltke ist allerdings nicht in offizieller Mission in der Stadt gewesen, sondern um Familienbesuche zu machen. Sein Bruder, Kammerherr Ludwig von Moltke (1805-1889), kam 1853 – noch in dänischer Zeit – als Mitglied der lauenburgischen Regierung nach Ratzeburg und blieb bis 1876 im Amt. Im Alter von 83 Jahren starb er am 22. August 1889 in Ratzeburg. Die Nichte des Generalfeldmarschalls war Fräulein Rosa von Moltke, die sich hier in Ratzeburg verschiedenen sozialen Aufgaben widmete und lange Jahre Vorsteherin des "Marienstifts" war. Rosa von Moltke starb am 9. Oktober 1919.

Während der Besuche bei seiner Familie unternahm der Generalfeldmarschall lange Spaziergänge. Das lässt sich natürlich auch sehr viel poetischer ausdrücken: “Die liebliche Landschaft hochschätzend und das angenehme Klima wohl würdigend, sucht er dort gern körperliche Erholung. Einer seiner liebsten Spaziergänge war nach und um den kleinen (Küchen-) Ratzeburger See nach Waldesruh, einem Restaurant […] gerichtet. Dasselbe liegt auf hohem Waldplateau unter gerade aufstrebenden Buchen und gewährt auf den See und Ratzeburg eine prachtvolle Aussicht.“("Das Lauenburgische Jäger-Bataillon Nr. 9. Seine Geschichte und seine Garnisonen", R. Weise, Neudamm 1902, S. 77)

Der Gedenkstein wurde im Jahr 1898 durch den "Gemeinnützigen Verein" aufgestellt. Der Findling stammte vom "Villenterrain" (Lauenburgische Zeitung vom 5.5.1898), also vermutlich vom Abrahamsberg (heute "Hindenburghöhe"). Die "Lauenburgische Zeitung" schrieb anlässlich der Einweihung im Juli 1898: „Der Gedenkstein macht bei aller Einfachheit einen recht gefälligen Eindruck, zumal die Arbeit von dem Steinbildhauer Mundt aus Mölln ausgeführt, eine sehr sorgfältige ist.“

Der Stein dürfte die Anziehungskraft der Gaststätte zusätzlich erhöht haben. Eine besondere Werbewirksamkeit des prominenten Namens erhoffte sich vermutlich auch der Zigarrenhändler Heinrich Gewert, der 1927 das Haus in der Herrenstraße 4 erworben hatte, das zuvor Rosa von Moltke gehört hatte. Er nannte sein Geschäft "Cigarrenhaus Moltke".

Archivale 06/2025 - Das Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs vor der Ernst-Barlach-Schule

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Besonders nach dem Ersten Weltkrieg ist in Ratzeburg eine ganze Reihe von Denkmälern bzw. Gedenktafeln errichtet worden, die an die Gefallenen des Krieges erinnern sollten. Die Vielzahl der Gedenkstätten erklärt sich daraus, dass neben der Stadt auch die Kirchengemeinden, die Traditionsverbände der Garnison sowie einzelne Schulen und Institutionen eigene Denkmäler bzw. Gedenktafeln aufstellen ließen. So steht auch vor dem Gebäude des ehemaligen Lehrerseminars ein Gedenkstein. Die Ausbildungsstätte für angehende Lehrer wurde am 10. November 1895 eingeweiht und bestand bis zum 20. März 1926. In der Festschrift zur Auflösung des Seminars („Nachrichten aus den letzten 30 Jahren des Ratzeburger Seminars, 1926“) wird die Zahl von 586 Schülern genannt, die hier ihre Ausbildung für den Lehrerberuf erhielten.

135 ehemalige Schüler und zwei Seminarlehrer starben als Soldaten im Ersten Weltkrieg. Im hinteren (westlichen) Treppenhaus des Gebäudes nennt eine Tafel die Namen der Kriegsopfer. Die Tafel wurde nach dem Zweiten Weltkrieg ergänzt. Vor dem Seminargebäude, damals direkt vor dem Portal, wurde ein Granitfindling errichtet, der ein einfaches Kreuz mit den Zahlen 1914 und 1918 trägt. Der Stein stammt aus Lassahn und wurde von dort durch ehemalige Seminaristen nach Ratzeburg transportiert.

Die Lauenburgische Zeitung berichtete ausführlich über die Gedächtnisfeier, die am 22. Mai 1921 stattfand (Lauenburgische Zeitung 30. April / 20. Mai / 24. Mai 1921). Mit großem Pathos beschreibt der Zeitungsbericht das Denkmal: ”Ein prächtiger Findling von 2 ½ Meter Länge, unserem heimischen Boden entstammend, herb in seiner Farbe und Struktur, zeigt auf seiner flachen Vorderseite bei harmonischer Raumverteilung in großen Ausmessungen ein tief eingeschlagenes Kreuz, das Opferkreuz darstellend, an dessen Fuß in wirksamer Blockschrift die Zahlen 1914-1918 eingegraben sind. Es will durch seine stummen granitnen Züge in ernster Schlichtheit und Eindringlichkeit noch spätesten Geschlechtern künden von unvergleichlichem Opfermut unseres Volkes und seiner Heldensöhne, von einstiger schwerer und doch so großer Zeit.“ (Lauenburgische Zeitung vom 30. April 1921)

Der Entwurf stammte von dem Bauinspektor Werner Jakstein (1876-1961) aus Altona, die Ausführung übernahmen Ratzeburger Handwerksmeister. Am Gottesdienst in der Petri-Kirche, der die Einweihungsfeier eröffnete, nahmen über tausend Menschen teil. Noch größer war die Beteiligung an der Enthüllung des Denkmals, bei der Seminarlehrer Langhans die Festrede hielt.

Archivale 07/2025 - Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkrieges 'Unter den Linden'

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Nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die Gedenkfeiern zum Volkstrauertag auf dem Ehrenfriedhof auf dem St. Georgsberg statt. Der von hohen Linden eingefasste Friedhof, der an den Bergfriedhof der Kirchengemeinde angrenzt, ist rund 2.800 m² groß und wird vom Kreis Herzogtum Lauenburg unterhalten. Der Militärfriedhof geht auf Ratzeburgs lange Tradition als Garnisonsstadt zurück. Für die verstorbenen Soldaten der hannoverschen Garnison der damaligen Festung Ratzeburg wurde im Frühjahr 1693 ein eigener Friedhof angelegt.

Die heutige bastionsartige Anlage mit einem Hochkreuz und sechs über die Anlage verteilten Kreuzgruppen aus Granit wurde 1955/56 durch den Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge neugestaltet. Offenbar bestand in der Öffentlichkeit der Wunsch, darüber hinaus auch an zentralerer Stelle eine Gedenkstätte für die Opfer des Zweiten Weltkriegs einzurichten. Gedacht war dieses Ehrenmal „in erster Linie für ältere Leute […], die den steilen Weg zum Ehrenfriedhof nicht mehr hinaufkommen.“

Im Bericht des Bürgermeisters in der Sitzung der Stadtvertretung vom 4. November 1958 wurde dieses Thema erstmals angesprochen. Zur Planung eines Mahnmals wurde ein besonderer Ausschuss gewählt. Zwischenzeitlich tauchte aber auch die Überlegung auf, "kein neues Ehrenmal zu schaffen, sondern die vorhandene Anlage auf dem Ehrenfriedhof hierfür zu verwenden" (Sitzung der Stadtvertretung am 24. Mai 1960). Außerdem wurde der Gedanke diskutiert, ob nicht durch die Anlegung eines "Ehrenbuchs" "der Toten am besten gedacht werden könnte."

Eine Firma aus Hannover bot bundesweit den Kommunen an, solche "Ehrenbücher" zu gestalten und die erforderlichen Recherchen zu den Namen und Lebensdaten der Gefallenen zu übernehmen. Nach Fotos gezeichnete Porträts sollten die einzelnen Einträge ergänzen. Wegen erheblicher Unstimmigkeiten über die Finanzierung und Durchführung des Projektes nahm die Stadt 1963 Abstand von diesem Projekt. Inzwischen war das Mahnmal 'Unter den Linden' fertiggestellt worden.

Die Stadtvertretung hatte sich in ihrer Sitzung am 20. Dezember 1961 zwar ausdrücklich dazu bekannt, dass „der Ehrenfriedhof […] die zentrale Gedenkstätte der Ratzeburger Bevölkerung für die Opfer beider Weltkriege [ist]“, gleichzeitig aber beschlossen, dass „für die Opfer des 2. Weltkrieges […] an der Südseite der Anlagen Unter den Linden vor einer aus drei Birken bestehenden Baumgruppe ein Mahnstein errichtet [wird], der die Inschrift tragen soll: ‚Den Opfern des 2. Weltkrieges‘“.

Der dazu ausgewählte Findling war bei den Bauarbeiten einer Eigenheimgruppe an der Friedrich-Ebert-Straße gefunden worden. Wie viele andere Denkmäler, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstanden, zeigt auch dieser Stein eine Sprach- und Bildlosigkeit angesichts des Geschehenen. Neben einem Kreuz trägt er nur die Jahreszahlen 1939 und 1945 für den Beginn und das Ende des Krieges.

Die Einweihung des Mahnmals fand im Rahmen der 900-Jahrfeier der Stadt Ratzeburg am 31. August 1962 statt. Die Ansprache hielt der damalige Bürgervorsteher Dr. Gustav Woellert. Landessuperintendent Ernst Fischer und der katholische Pastor Paul Burger schlossen sich mit Gedenkworten an.

Die gemeinsamen Gedenkfeiern des Kreises Herzogtum Lauenburg und der Stadt Ratzeburg zum Volkstrauertag finden nach wie vor auf dem St. Georgsberg statt.

Archivale 08/2025 - Denkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs an der St. Georgsberger Kirche

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Der Erste Weltkrieg mit seinen "Materialschlachten" und Stellungskämpfen, dem 17 Millionen Menschen zum Opfer fielen, war der erste industriell geprägte Krieg. In den am Krieg beteiligten Nationen gab es kaum eine größere Ortschaft, die keine Kriegstoten zu beklagen hatte. In den Jahren nach dem Krieg entstanden vielerorts Denkmäler, vor allem um der gefallenen Soldaten zu gedenken. Bis heute sind diese Gedenkstätten in unseren Dörfern und Städten zu finden. Nur wenige dieser Denkmäler fallen durch eine besondere künstlerische Gestaltung auf. Dazu gehört das Denkmal für die 71 Gefallenen aus den Dörfern des Kirchspiels St. Georgsberg. DasDenkmal wurde am 13. Mai 1923 unter Teilnahme des Krieger- und Militärvereins eingeweiht. Der ursprüngliche Aufstellungsort befand sich im Fuchswald.

Geschaffen wurde das in Kreuzform gestaltete Denkmal von dem schwäbischen Künstler Wilhelm Heilig. Weitere Kriegerdenkmäler des Künstlers sind in Kasseburg, Groß Grönau und Lütau zu finden. Auch die Ratzeburger Anlage auf dem Röpersberg und die frühere Gedenkstätte in Lauenburg / Elbe gehen auf Entwürfe Heiligs zurück. Wilhelm Hadeler beschreibt das Denkmal so:

„Die drei Felder, die Schaft und Balken bilden, werden ausgefüllt von sinnbildlichen Darstellungen des Erlebnisses ‚Weltkrieg‘, deren Gestaltung, an sich ganz modern, dennoch unmittelbar an die handwerkliche Gebundenheit frühmittelalterlicher Steinbilder anschließt. Oben am Schaft sieht man den Reichsadler mit einem pfeilgespickten Schilde, dabei die stolzen Worte 'Viel Feind, viel Ehr', zur Linken eine von Kugeln zerfetzte Sturmfahne 'Haltet aus im Sturmgebraus', rechts Gräber im Felde mit dem erschütternd einfachen 'Ich hatt‘ einen Kameraden'. Im Mittelfelde, das Schaft und Balken gemeinsam ist, stehen die Jahreszahlen, und in den Schaft ist in deutschen Buchstaben eine Inschrift eingehauen, deren wundervoll in den Raum gestellte Zeichen sagen: 'Kämpfend für Recht und Freiheit, für Heim und Herd fielen 71 unserer Besten. Der Du, Wanderer, diese Stätte betrittst, gedenke der Toten in Ehrfurcht und Treue!'

Das Bildprogramm mit einer Sturmfahne und einem "pfeilgespickten Schild" entsprachen der Wirklichkeit des modernen Krieges ebenso wenig wie die pathetische Inschrift. Noch weniger passten die traditionellen Formen und Inhalte des Gedenkens nach dem Zweiten Weltkrieg.

So konnten die Leserinnen und Leser der "Lübecker Nachrichten" zum Volktrauertag 1967 Betrachtungen des Journalisten Christian Ferber (1919-1992) über "Denkmale für Kriegsopfer" lesen. Der Autor stellte die Frage, „ob über Gedächtnisstätten nicht neu und sehr gründlich nachgedacht werden müßte […] Der Soldat auf dem Schlachtfeld und die Frau unter dem Bombenschutt: Haben Sie nicht das gleiche Anrecht? Muß nicht der Name Hans Scholls neben dem des Ulmer Grenadiers stehen, der bei Smolensk zu Tode kam? Sind Gedenktafeln glaubwürdig, auf denen die Namen jener Bürger der Gemeinde fehlen, die in Ausschwitz verbrannten? […] Das steinerne Gedenken in unseren Tagen wird erst dann glaubwürdig sein, wenn es ihnen allen gilt.“.

In derselben Ausgabe berichtete die Zeitung über die Umsetzung des St. Georgsberger Denkmals aus dem Fuchswald auf die neugestaltete Anlage gegenüber der Kirche. Stadt und Gemeinde hatten die Kosten für die Neugestaltung nach Plänen des Garten- und Landschaftsarchitekten Chr. Wesnigk aus Lübeck übernommen.

Neue Stelen ergänzen seither das Denkmal aus den 1920er Jahren. Der Kontrast könnte kaum schärfer sein. Die Stelen tragen keinen Text, kein Bild oder Symbol – nur die Jahreszahlen der beiden Weltkriege sind darauf zu lesen. Klarer lässt sich die Sprachlosigkeit angesichts des Zweiten Weltkriegs kaum zum Ausdruck bringen.

Die Gedenkstätte liegt heute weitgehend unbeachtet dar, versteckt in der umgebenden Vegetation.

Literatur: Hadeler, Wilhelm: Wilhelm Heiligs Werke im Kreis Herzogtum Lauenburg. In: Lauenburgische Heimat, 3. Jahrgang, Heft 2, April 1927, S. 57-67.