Seiteninhalt
14.08.2025

Ein Kunstspaziergang durch Ratzeburg
Auf der Insel (Etappe 1)

Vereinfachter Text >>

In Ratzeburg lassen sich viele Kunstwerke im öffentlichen Raum entdecken. Sie sind teilweise sehr präsent, alltägliche Begleiter, die sehr vertraut zum Stadtbild gehören. Sie sind teilweise aber auch versteckt, wollen überraschen und gefunden werden. Viele von ihnen wurden von namhaften Künstlerinnen und Künstlern geschaffen. Zusammen mit Stadtarchiv Ratzeburg sollen in einer kleinen Reihe einige dieser Kunstwerke einmal gewürdigt und beschrieben werden. Damit verbunden ist der Wunsch, dass diese Kunstwerke ein bisschen mehr Wahrnehmung finden, interessierte und neugierige Blicke auf sich ziehen. Sie sind alle wert, betrachtet zu werden. "Lassen Sie sich mitnehmen, auf einen entdeckenden Kunstspaziergang durch Ratzeburg. Wir beginnen auf der Insel in mehreren Etappen", sagt Stadtarchivar Christian Lopau.

"Ratzeburger Dom"

Wir beginnen unseren Kunstspaziergang im Ratzeburger Rathaus. Dort müssen wir in die erste Etage, dann links und bis zur farbenfrohen Fensterfront mit den Wappen von Ratzeburgs Partnerstädten. Dort fällt linker Hand der Blick auf ein Bild. Es zeigt den Ratzeburger Dom und ist eine Schenkung des Kunstpädagogen und Malers Prof. Dr. Hans Meyers an die Stadt Ratzeburg zum 950-jährigen Stadtjubiläum im Jahr 2012. 


Prof. Dr. Hans Meyers, geboren am 10. Juli 1912 in Düsseldorf, war ein deutscher Künstler und Autor mehrerer fachdidaktischer Publikationen. Er studierte von 1931 bis 1935 an der Düsseldorfer Kunstakademie, unter anderem bei Paul Klee (Malerei) und bei Hubert Netzer (Bildhauerei), mit dem Abschluss des künstlerischen Staatsexamens. Danach nahm er ein Lehramt an und übernahm die Ausbildung von Kunstpädagogen. Ab 1949 lebte er in Darmstadt. Von 1948 bis 1960 war er Dozent, unter anderem am damaligen Pädagogischen Fachinstitut Jugenheim und von 1962 bis 1992 Professor für Bildende Kunst und für Kunstdidaktik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Hans Meyers lebte zuletzt in Ratzeburg, wo er am 13. Januar 2013 im Alter von 100 Jahren verstarb. (Quelle: Wikipedia)

"Medaillons im Ratssaal"

Auch im Ratssaal des Rathauses ist Kunst zu entdecken. Man beachte die Medaillons unter der Decke über dem Eingang. Die Porträts der antiken Geistesgrößen Tacitus, Demosthenes, Homer und Sophokles erinnern daran, dass der heutige Ratssaal ursprünglich als Aula des einzigen Gymnasiums im Herzogtum Lauenburg diente. Die Medaillons schmückten den Raum allerdings nicht von Anfang an. Erst 1899, also zum 50-jährigen Bestehen des Gebäudes, wurden sie von Kunstmaler Otto Schmarje geschaffen.

Neben den heute noch vorhandenen Porträts blickten folgende Persönlichkeiten auf die versammelte Schulgemeinde herab: Paulus, Luther, Melanchthon, Lessing, Goethe, Schiller, Cicero, Horatius, Sokrates, Shakespeare, Molière und Alexander von Humboldt (Friedrich Lammert, Die Lauenburgische Gelehrtenschule von 1845-1929, in: Lauenburgische Heimat, Heft 4, Okt. 1929, S. 121-127). Der Jahresbericht der Lauenburgischen Gelehrtenschule 1899/1900 berichtet über die Einweihung der „würdig wiederhergestellten Aula“ am 13: September 1899: Wir erfahren einiges über die Wirkung des Raumes. Die Aula sei „im antiken Stil gehalten, der bis in die Einzelheiten feinsinnig durchgeführt ist. Der zarte grüne Ton der Wände zusammen mit der Elfenbeinfarbe der Holzteile bringen, und besonders abends unter dem Licht der hervorragend schönen Kronleuchter, einen sehr stimmungsvollen Eindruck hervor.“ – Der Bericht gibt der Hoffnung Ausdruck, dass „der schöne Raum, der durch einen Durchbruch zum Nebenzimmer beträchtlich vergrößert […] ist, noch vielen Schülergenerationen eine Stätte weihevoller Andacht werden [möge]“.

Wegen Feuchtigkeitsschäden mussten diese Porträts allerdings 1929 entfernt werden. Die heute noch erhaltenen Medaillons wurden von der Ratzeburger Künstlerin Ilse Harms-Lipski 1992 restauriert.

Otto Schmarje (1868–1920) war ein bekannter Altonaer Dekorationsmaler und Restaurator, bei dem Maler, wie Hermann Junker, Herbert Spangenberg, Alfred Mohrbutter und Gerrit Groteloh Malerlehre absolviert haben. Er war Mitglied des Altonaer Künstlervereins (AKV), auch Altonaer Künstler-Verein, der im Jahr 1909 gegründet worden war. Schmarje trat dem Verein im Jahr 1913 bei. 

Ilse Harms-Lipski, geboren am 20. Januar 1927 in Osterode (Ostpreußen) war eine deutsche Malerin und Illustratorin. Sie studierte, nachdem sie ein Praktikum an der Werkkunstschule in Flensburg absolviert hatte, von 1948 bis 1952 an der Kasseler Kunstakademie (heute: Kunsthochschule Kassel). Sie besuchte dort die Klassen von Kai H. Nebel (Neue Sachlichkeit, Naturstudium) und Arnold Bode, der später der Initiator der Documenta wurde, sowie die Grafikklasse von Hans Leistikow und Kunstpädagogik bei Ernst Röttger.

Von 1952 bis 1960 arbeitete sie als Kunsterzieherin an Gymnasien in Flensburg, Rendsburg und Ratzeburg. Seit 1960 war sie freischaffend tätig und beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen, unter anderem 1964 an der 12. Ausstellung der Malerinnen und Bildhauerinnen im Kieler Landeshaus, an den Jahresschauen Lübecker Künstler 1965, 1966, 1968 und 1972, sowie an Ausstellungen in Bonn und Paris. Harms-Lipski  verstarb am 15. Dezember 2017 im Alter von 90  Jahren. (Quelle: Wikipedia)

"Ausstellungen im Rathaus"

Neben dem eigenen Kunstschätzen sind im Ratzeburger Rathaus auch regelmäßig Kunstwerke von örtlichen oder regionalen Künstlerinnen und Künstler zu sehen. Aktuell sind dort großformatige Werke der ortsanssässigen Künstlerin Iris Schelchen zu entdecken. Iris Schelchen studierte an der Freien Kunstschule in Berlin. Weitere Seminare erfolgten in Spanien, Berlin und Sylt. Von 1995 bis 2010 hatte sie ihr Atelier in einer Künstlergemeinde von rund 40 Künstlern im Künstlerhof Frohnau in Berlin. Von 2013 bis 2017 arbeitete sie in einem großen Atelier in einer alten Werft, direkt an der Bille in Hamburg. Seit 2017 hat sie ein neues Atelier in Ratzeburg am Küchensee. Ihre Werke werden international gehandelt, über die ‚AHOY! Art Gallery‘ in Palma de Mallorca (www.iris-schelchen.de  - www.ahoygallery.com).

Quelle: Stadtarchiv Ratzeburg - Stadtarchivar Christian Lopau