Ein Kunstspaziergang durch Ratzeburg
Auf der Insel (Etappe 3)
Vereinfachter Text >>
In Ratzeburg lassen sich viele Kunstwerke im öffentlichen Raum entdecken. Sie sind teilweise sehr präsent, alltägliche Begleiter, die sehr vertraut zum Stadtbild gehören. Sie sind teilweise aber auch versteckt, wollen überraschen und gefunden werden. Viele von ihnen wurden von namhaften Künstlerinnen und Künstlern geschaffen. Zusammen mit Stadtarchiv Ratzeburg sollen in einer kleinen Reihe einige dieser Kunstwerke einmal gewürdigt und beschrieben werden. Damit verbunden ist der Wunsch, dass diese Kunstwerke ein bisschen mehr Wahrnehmung finden, interessierte und neugierige Blicke auf sich ziehen. Sie sind alle wert, betrachtet zu werden. "Lassen Sie sich mitnehmen, auf einen entdeckenden Kunstspaziergang durch Ratzeburg. Wir beginnen auf der Insel in mehreren Etappen", sagt Stadtarchivar Christian Lopau.
"Sich waschender Knabe"
Wir gehen von der 'Ernst-Barlach-Schule' über die Schulstraße in die Barlachstraße. Es geht bergan, linker Hand an einem unscheinbaren, funktional wirkendem Verwaltungsgebäude vorbei. Es ist das Kreisgesundheitsamt, in dessen Atrium allerdings eine Überraschung wartet. Dort ist der "Sich waschende Knabe" von Karlheinz Goedtke zu sehen (80 cm, 1965, Werkverzeichnis Nr. 116). Im Juni 1965 wurde das Kreisgesundheitsamt auf der Insel eingeweiht. Als "modernsten Neubau dieser Art" feierten die "Lübecker Nachrichten" den Bau, in dessen Innenhof die bronzene Brunnenfigur von Karlheinz Goedtke aufgestellt wurde. Kreisrat Erich Wendicke betonte, der Neubau erweise sich in der Schönheit seiner Architektur, aber auch in seiner wohldurchdachten, sinnvollen und zweckentsprechenden Konstruktion als so vorbildlich, dass er die ungeteilte Zustimmung des Kreistages finde.
"Kranich"
Vom Kreisgesundheitsamt bis zu nächsten Kunstwerk ist es nur ein Katzensprung. Es versteckt sich im linker Hand gelegenen Hof des gegenüberliegenden Kreisverwaltungsgebäude und ist doch nicht zu übersehen. Überlebensgroß ist der Kranich, der als Stiftung der Sparkassen im Hof des Kreisverwaltungsgebäudes in Ratzeburg aufgestellt wurde. Geschaffen wurde auch er 1981 von Karlheinz Goedtke (Werkverzeichnis 324), als Abschluss eines echten Großprojektes in Ratzeburg. Der Kreis Herzogtum Lauenburg hatte 10. Oktober 1980 sein neues Verwaltungsgebäude auf der Ratzeburger Insel eingeweiht.
Karlheinz Goedtkes (1915-1995) künstlerisches Schaffen hat die Kulturlandschaft Schleswig-Holsteins nach dem Zweiten Weltkrieg mit geprägt. Kaum ein größerer Ort, an dem der aufmerksame Betrachter nicht eine Bronzeplastik des Künstlers im öffentlichen Raum finden kann. Das Werkverzeichnis weist weit über hundert große Bronzeplastiken in Schleswig-Holstein aus. Gerade hier im Lauenburgischen, wo Karlheinz Goedtke nach 1945 ein neues Zuhause fand, entdecken wir vielerorts seine Figuren, die einfach an den jeweiligen Ort zu passen scheinen.
Treffend beschreibt es ein Museumsführer: "Goedtkes Figuren erfüllen diese Orte, weil sie ihr Thema so einleuchtend gestalten, die Barriere des Unverständlichen vermeiden, sich durch leichte Aktion den Menschen zuwenden und damit auch den flüchtigen Betrachter ansprechen."
Auch in Ratzeburg ist Goedtke präsent. Die Bronzebüsten Bismarcks und Heinrichs des Löwen im Alten Kreishaus am Markt vermitteln anschaulich die besondere Geschichte dieses Ortes, das Lesepult im Dom mit den Symbolen der vier Evangelisten fügt sich in die Harmonie des Raumes ein und sein „Taschenmann“ vor dem Gebäude der Kreissparkasse am Markt oder das Pferd unter den Linden lassen sich aus dem Bild unserer Stadt gar nicht mehr wegdenken.
Karlheinz Goedtke stammte aus Kattowitz (Oberschlesien), wuchs in Breslau auf, studierte an der Werkkunstschule Stettin und kam nach Kriegsende in den Kreis Herzogtum Lauenburg, wo er zunächst in Farchau und Mölln lebte. Die meiste Zeit seines künstlerischen Lebens hat er in seinem Atelier in Alt-Mölln gearbeitet.
Goedtke hat immer wieder die menschliche Figur gestaltet, daneben aber auch Tierfiguren geschaffen, sei es einzeln oder in Gruppen. Sein bevorzugtes Material war die Bronze. Er hat vor allem mit dem Wachsausschmelzverfahren gearbeitet, das immer nur ein Exemplar hervorbringt. Gleich mit seinem ersten öffentlichen Auftrag hatte er einen durchschlagenden Erfolg. Sein 1950 eingeweihter Eulenspiegelbrunnen auf dem Möllner Marktplatz ist so etwas wie ein Wahrzeichen der Stadt geworden. Zahlreiche Aufträge zur Gestaltung öffentlicher Plätze und Gebäude folgten in den kommenden Jahrzehnten. Wir werden ihm in Ratzeburg immer wieder begegnen, ganz präsent, aber auch ganz überraschend.
Ernst-Barlach-Museum "Altes Vaterhaus"
Ganz in der Nähe, quasi gegenüber vom Kreisverwaltungsgebäude, findet sich ein weiterer Kunstschatz in Ratzeburg, das Ernst-Barlach-Museum “Altes Vaterhaus“. Der Bildhauer, Zeichner und Schriftsteller Ernst Barlach (1870-1938) ist einer der bekanntesten und bedeutendsten deutschen Künstler der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
Ernst Barlachs Beziehung zu Ratzeburg ist eng und intensiv gewesen. Barlach hat einige Jahre seiner Kindheit und Jugend (1877-1884) in Ratzeburg verbracht. Das Haus neben der St. Petri-Kirche, in dem heute seine Werke zu sehen sind, hat er zeitlebens als sein "Vaterhaus" (Ernst-Barlach-Museum >>) betrachtet. Ratzeburg gehört zu den Lebensstationen, die den Künstler ganz besonders geprägt haben. Barlachs Autobiographie "Ein selbsterzähltes Leben" (1928) gibt Zeugnis von dieser tiefen Verbundenheit mit Ratzeburg.
Auch deshalb bestimmte Barlach, der seit 1910 in Güstrow gelebt und gearbeitet hatte, am Ende seines Lebens, als sein Werk von den Nationalsozialisten als "entartet" verunglimpft wurde, dass er in der Grabstätte der Familie auf dem Friedhof an der Seedorfer Straße beigesetzt werden wollte. Am 28. Oktober 1938 wurde Barlach neben seinem Vater zur letzten Ruhe gebettet. Anonym beigesetzt wurde auf der Grabstätte auch die Urne Marga Böhmers (1887-1969), der Gefährtin Ernst Barlachs in seinem letzten Lebensjahrzehnt.
Auf Ernst Barlach trifft man auch nebenan, in der Stadtkirche St. Petri. Dort, im 'Raum der Stille', lädt die Bronzeplastik "Lehrender Christus" zum Innehalten und zur Andacht. Christus sitzt lächelnd im langen Gewand und hat beide Hände mit nach oben offenen Handflächen auf die Knie gelegt. Es ist eine einladende Geste, ihm zu folgen. Zugleich macht sie deutlich, dass er nicht nur geben will, sondern auch empfangen und zuhören. Die Figur wurde 1931 erschaffen.
Ein Kunstspaziergang durch Ratzeburg
Auf der Insel (Etappe 1)
Vereinfachter Text >>
In Ratzeburg lassen sich viele Kunstwerke im öffentlichen Raum entdecken. Sie sind teilweise sehr präsent, alltägliche Begleiter, die sehr vertraut zum Stadtbild gehören. Sie sind teilweise aber auch versteckt, wollen überraschen und gefunden werden. Viele von ihnen wurden von namhaften Künstlerinnen und Künstlern geschaffen. Zusammen mit Stadtarchiv Ratzeburg sollen in einer kleinen Reihe einige dieser Kunstwerke einmal gewürdigt und beschrieben werden. Damit verbunden ist der Wunsch, dass diese Kunstwerke ein bisschen mehr Wahrnehmung finden, interessierte und neugierige Blicke auf sich ziehen. Sie sind alle wert, betrachtet zu werden. "Lassen Sie sich mitnehmen, auf einen entdeckenden Kunstspaziergang durch Ratzeburg. Wir beginnen auf der Insel in mehreren Etappen", sagt Stadtarchivar Christian Lopau.
"Ratzeburger Dom"
Wir beginnen unseren Kunstspaziergang im Ratzeburger Rathaus. Dort müssen wir in die erste Etage, dann links und bis zur farbenfrohen Fensterfront mit den Wappen von Ratzeburgs Partnerstädten. Dort fällt linker Hand der Blick auf ein Bild. Es zeigt den Ratzeburger Dom und ist eine Schenkung des Kunstpädagogen und Malers Prof. Dr. Hans Meyers an die Stadt Ratzeburg zum 950-jährigen Stadtjubiläum im Jahr 2012.
Prof. Dr. Hans Meyers, geboren am 10. Juli 1912 in Düsseldorf, war ein deutscher Künstler und Autor mehrerer fachdidaktischer Publikationen. Er studierte von 1931 bis 1935 an der Düsseldorfer Kunstakademie, unter anderem bei Paul Klee (Malerei) und bei Hubert Netzer (Bildhauerei), mit dem Abschluss des künstlerischen Staatsexamens. Danach nahm er ein Lehramt an und übernahm die Ausbildung von Kunstpädagogen. Ab 1949 lebte er in Darmstadt. Von 1948 bis 1960 war er Dozent, unter anderem am damaligen Pädagogischen Fachinstitut Jugenheim und von 1962 bis 1992 Professor für Bildende Kunst und für Kunstdidaktik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Hans Meyers lebte zuletzt in Ratzeburg, wo er am 13. Januar 2013 im Alter von 100 Jahren verstarb. (Quelle: Wikipedia)
"Medaillons im Ratssaal"
Auch im Ratssaal des Rathauses ist Kunst zu entdecken. Man beachte die Medaillons unter der Decke über dem Eingang. Die Porträts der antiken Geistesgrößen Tacitus, Demosthenes, Homer und Sophokles erinnern daran, dass der heutige Ratssaal ursprünglich als Aula des einzigen Gymnasiums im Herzogtum Lauenburg diente. Die Medaillons schmückten den Raum allerdings nicht von Anfang an. Erst 1899, also zum 50-jährigen Bestehen des Gebäudes, wurden sie von Kunstmaler Otto Schmarje geschaffen.
Neben den heute noch vorhandenen Porträts blickten folgende Persönlichkeiten auf die versammelte Schulgemeinde herab: Paulus, Luther, Melanchthon, Lessing, Goethe, Schiller, Cicero, Horatius, Sokrates, Shakespeare, Molière und Alexander von Humboldt (Friedrich Lammert, Die Lauenburgische Gelehrtenschule von 1845-1929, in: Lauenburgische Heimat, Heft 4, Okt. 1929, S. 121-127). Der Jahresbericht der Lauenburgischen Gelehrtenschule 1899/1900 berichtet über die Einweihung der „würdig wiederhergestellten Aula“ am 13: September 1899: Wir erfahren einiges über die Wirkung des Raumes. Die Aula sei „im antiken Stil gehalten, der bis in die Einzelheiten feinsinnig durchgeführt ist. Der zarte grüne Ton der Wände zusammen mit der Elfenbeinfarbe der Holzteile bringen, und besonders abends unter dem Licht der hervorragend schönen Kronleuchter, einen sehr stimmungsvollen Eindruck hervor.“ – Der Bericht gibt der Hoffnung Ausdruck, dass „der schöne Raum, der durch einen Durchbruch zum Nebenzimmer beträchtlich vergrößert […] ist, noch vielen Schülergenerationen eine Stätte weihevoller Andacht werden [möge]“.
Wegen Feuchtigkeitsschäden mussten diese Porträts allerdings 1929 entfernt werden. Die heute noch erhaltenen Medaillons wurden von der Ratzeburger Künstlerin Ilse Harms-Lipski 1992 restauriert.
Otto Schmarje (1868–1920) war ein bekannter Altonaer Dekorationsmaler und Restaurator, bei dem Maler, wie Hermann Junker, Herbert Spangenberg, Alfred Mohrbutter und Gerrit Groteloh Malerlehre absolviert haben. Er war Mitglied des Altonaer Künstlervereins (AKV), auch Altonaer Künstler-Verein, der im Jahr 1909 gegründet worden war. Schmarje trat dem Verein im Jahr 1913 bei.
Ilse Harms-Lipski, geboren am 20. Januar 1927 in Osterode (Ostpreußen) war eine deutsche Malerin und Illustratorin. Sie studierte, nachdem sie ein Praktikum an der Werkkunstschule in Flensburg absolviert hatte, von 1948 bis 1952 an der Kasseler Kunstakademie (heute: Kunsthochschule Kassel). Sie besuchte dort die Klassen von Kai H. Nebel (Neue Sachlichkeit, Naturstudium) und Arnold Bode, der später der Initiator der Documenta wurde, sowie die Grafikklasse von Hans Leistikow und Kunstpädagogik bei Ernst Röttger.
Von 1952 bis 1960 arbeitete sie als Kunsterzieherin an Gymnasien in Flensburg, Rendsburg und Ratzeburg. Seit 1960 war sie freischaffend tätig und beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen, unter anderem 1964 an der 12. Ausstellung der Malerinnen und Bildhauerinnen im Kieler Landeshaus, an den Jahresschauen Lübecker Künstler 1965, 1966, 1968 und 1972, sowie an Ausstellungen in Bonn und Paris. Harms-Lipski verstarb am 15. Dezember 2017 im Alter von 90 Jahren. (Quelle: Wikipedia)
"Ausstellungen im Rathaus"
Neben dem eigenen Kunstschätzen sind im Ratzeburger Rathaus auch regelmäßig Kunstwerke von örtlichen oder regionalen Künstlerinnen und Künstler zu sehen. Aktuell sind dort großformatige Werke der ortsanssässigen Künstlerin Iris Schelchen zu entdecken. Iris Schelchen studierte an der Freien Kunstschule in Berlin. Weitere Seminare erfolgten in Spanien, Berlin und Sylt. Von 1995 bis 2010 hatte sie ihr Atelier in einer Künstlergemeinde von rund 40 Künstlern im Künstlerhof Frohnau in Berlin. Von 2013 bis 2017 arbeitete sie in einem großen Atelier in einer alten Werft, direkt an der Bille in Hamburg. Seit 2017 hat sie ein neues Atelier in Ratzeburg am Küchensee. Ihre Werke werden international gehandelt, über die ‚AHOY! Art Gallery‘ in Palma de Mallorca (www.iris-schelchen.de - www.ahoygallery.com).
Ein Kunstspaziergang durch Ratzeburg
Auf der Insel (Etappe 2)
Vereinfachter Text >>
In Ratzeburg lassen sich viele Kunstwerke im öffentlichen Raum entdecken. Sie sind teilweise sehr präsent, alltägliche Begleiter, die sehr vertraut zum Stadtbild gehören. Sie sind teilweise aber auch versteckt, wollen überraschen und gefunden werden. Viele von ihnen wurden von namhaften Künstlerinnen und Künstlern geschaffen. Zusammen mit Stadtarchiv Ratzeburg sollen in einer kleinen Reihe einige dieser Kunstwerke einmal gewürdigt und beschrieben werden. Damit verbunden ist der Wunsch, dass diese Kunstwerke ein bisschen mehr Wahrnehmung finden, interessierte und neugierige Blicke auf sich ziehen. Sie sind alle wert, betrachtet zu werden. "Lassen Sie sich mitnehmen, auf einen entdeckenden Kunstspaziergang durch Ratzeburg. Wir beginnen auf der Insel in mehreren Etappen", sagt Stadtarchivar Christian Lopau.
"Bücher, die jeder besitzen kann"
Nun geht es hinaus, vor und hinter das Rathaus. Wir brauchen gar nicht weit zu laufen. Schon an der Stadtbücherei fällt unser Blick auf zwei monumentale Bücher. Sie liegen dort, wie vergessen. Sie schauen viel gelesen aus. Es sind zwei "Bücher, die jeder besitzen kann". Sie liegen seit 1994 vor dem Eingang der Stadtbücherei, aus Stein geschaffenen vom Bildhauer Roland Kahlke. Im Titel der Arbeit steckt ein Wortspiel, denn die beiden Bücher können weder ausgeliehen noch mitgenommen werden, sondern ausschließlich "be-sessen". Doch das wissen die meisten Menschen gar nicht. Sie erkennen die Bücher als Kunstwerk, aber nicht die Einladung, dort Platz zu nehmen und mit den Händen einmal die glatte Oberfläche der Einbände zu ertasten. Das Werk wurde zum Einzug der Stadtbücherei in die frühere Turnhalle der Lauenburgischen Gelehrtenschule aufgestellt.
Der Künstler Roland Kahlke wurde 1945 geboren. Er ist seit 1972 Steinmetz- und Steinbildhauermeister, absolvierte 1973-78 ein Studium der Bildhauerei an der HFBK Braunschweig bei H. v. Pilgrim und E. Cimiotti und ist seit 1978 als freier Bildhauer tätig. Roland Kahlke war lange Zeit in Pogeez ansässig. Er lebte und arbeitete zuletzt in der Nähe von Freiburg und verstarb am 6. April 2019. Sein künstlerisch gestaltetes Grab liegt auf dem Friedhof an der Seedorfer Straße. Er hat einige künstlerische Spuren in Ratzeburg hinterlassen.
"Junger Weidehengst"
Unser Weg führt uns weiter vom Rathaus in die alte Kurparkanlage 'Unter den Linden' gegenüber. Dort erwartet uns ein junger Weidehengst. Der "Junge Weidehengst", im Volksmund eher als das "Kreispferd" bekannt, Die Bronzeplastik von Bildhauer und Plastiker Karlheinz Goedtke misst 320 cm und wurde 1962 geschaffen (Werkverzeichnis KHG Nr. 82). Sie war ein Geschenk des Kreises Herzogtum Lauenburg an die Stadt Ratzeburg anlässlich der 900-Jahrfeier 1962. Eine Beschreibung des Kunstwerks spricht dem Weidehengst "spielerische Lebensfreude, ungezügelte Kraft und reine Eleganz“ zu.
Karlheinz Goedtkes (1915-1995) künstlerisches Schaffen hat die Kulturlandschaft Schleswig-Holsteins nach dem Zweiten Weltkrieg mit geprägt. Kaum ein größerer Ort, an dem der aufmerksame Betrachter nicht eine Bronzeplastik des Künstlers im öffentlichen Raum finden kann. Das Werkverzeichnis weist weit über hundert große Bronzeplastiken in Schleswig-Holstein aus. Gerade hier im Lauenburgischen, wo Karlheinz Goedtke nach 1945 ein neues Zuhause fand, entdecken wir vielerorts seine Figuren, die einfach an den jeweiligen Ort zu passen scheinen.
Treffend beschreibt es ein Museumsführer: "Goedtkes Figuren erfüllen diese Orte, weil sie ihr Thema so einleuchtend gestalten, die Barriere des Unverständlichen vermeiden, sich durch leichte Aktion den Menschen zuwenden und damit auch den flüchtigen Betrachter ansprechen."
Auch in Ratzeburg ist Goedtke präsent. Die Bronzebüsten Bismarcks und Heinrichs des Löwen im Alten Kreishaus am Markt vermitteln anschaulich die besondere Geschichte dieses Ortes, das Lesepult im Dom mit den Symbolen der vier Evangelisten fügt sich in die Harmonie des Raumes ein und sein „Taschenmann“ vor dem Gebäude der Kreissparkasse am Markt oder das Pferd unter den Linden lassen sich aus dem Bild unserer Stadt gar nicht mehr wegdenken.
Karlheinz Goedtke stammte aus Kattowitz (Oberschlesien), wuchs in Breslau auf, studierte an der Werkkunstschule Stettin und kam nach Kriegsende in den Kreis Herzogtum Lauenburg, wo er zunächst in Farchau und Mölln lebte. Die meiste Zeit seines künstlerischen Lebens hat er in seinem Atelier in Alt-Mölln gearbeitet.
Goedtke hat immer wieder die menschliche Figur gestaltet, daneben aber auch Tierfiguren geschaffen, sei es einzeln oder in Gruppen. Sein bevorzugtes Material war die Bronze. Er hat vor allem mit dem Wachsausschmelzverfahren gearbeitet, das immer nur ein Exemplar hervorbringt.
Gleich mit seinem ersten öffentlichen Auftrag hatte er einen durchschlagenden Erfolg. Sein 1950 eingeweihter Eulenspiegelbrunnen auf dem Möllner Marktplatz ist so etwas wie ein Wahrzeichen der Stadt geworden. Zahlreiche Aufträge zur Gestaltung öffentlicher Plätze und Gebäude folgten in den kommenden Jahrzehnten. Wir werden ihm in Ratzeburg immer wieder begegnen, ganz präsent, aber auch ganz überraschend.
"Die Inselstadt"
Wir gehen vom jungen Weidehengst durch den alten Kurpark, vorbei an den Überresten der Festungsanlage in Richtung der 'Ernst-Barlach-Schule'. Dort, im Foyer, ist ein versteckter und nur wenig beachteter Kunstschatz zu entdecken. Es ist ein großformatiges Betonrelief, das die Ratzeburger Insel zeigt.
Peter Thienhaus wurde 1911 in Berlin geboren und war ein deutscher Maler, Grafiker und Objektkünstler. 1929 studierte er an den Vereinigten Staatsschulen für Freie und Angewandte Kunst in Berlin und wurde Schüler von Emil Orlik bis 1932 und Walter Habdank. Von 1933 bis 1940 arbeitete er als Grafiker und Buchillustrator, seit 1959 war er freischaffend tätig. In Lübeck gibt es zahlreiche Beispiele seiner Arbeiten als Kunst am Bau, darunter Glasfenster im Museum für Natur und Umwelt Lübeck. Ein wichtiger Teil seines Werks sind Aquarelle, die auf Reisen nach Marokko und Griechenland entstanden, sowie seine Lübeck-Aquarelle. Peter Thienhaus verstarb 1984 in Lübeck. (Quelle: KUNST@SH)
Ein Kunstspaziergang durch Ratzeburg
Auf der Insel (Etappe 1)
Vereinfachter Text >>
In Ratzeburg lassen sich viele Kunstwerke im öffentlichen Raum entdecken. Sie sind teilweise sehr präsent, alltägliche Begleiter, die sehr vertraut zum Stadtbild gehören. Sie sind teilweise aber auch versteckt, wollen überraschen und gefunden werden. Viele von ihnen wurden von namhaften Künstlerinnen und Künstlern geschaffen. Zusammen mit Stadtarchiv Ratzeburg sollen in einer kleinen Reihe einige dieser Kunstwerke einmal gewürdigt und beschrieben werden. Damit verbunden ist der Wunsch, dass diese Kunstwerke ein bisschen mehr Wahrnehmung finden, interessierte und neugierige Blicke auf sich ziehen. Sie sind alle wert, betrachtet zu werden. "Lassen Sie sich mitnehmen, auf einen entdeckenden Kunstspaziergang durch Ratzeburg. Wir beginnen auf der Insel in mehreren Etappen", sagt Stadtarchivar Christian Lopau.
"Ratzeburger Dom"
Wir beginnen unseren Kunstspaziergang im Ratzeburger Rathaus. Dort müssen wir in die erste Etage, dann links und bis zur farbenfrohen Fensterfront mit den Wappen von Ratzeburgs Partnerstädten. Dort fällt linker Hand der Blick auf ein Bild. Es zeigt den Ratzeburger Dom und ist eine Schenkung des Kunstpädagogen und Malers Prof. Dr. Hans Meyers an die Stadt Ratzeburg zum 950-jährigen Stadtjubiläum im Jahr 2012.
Prof. Dr. Hans Meyers, geboren am 10. Juli 1912 in Düsseldorf, war ein deutscher Künstler und Autor mehrerer fachdidaktischer Publikationen. Er studierte von 1931 bis 1935 an der Düsseldorfer Kunstakademie, unter anderem bei Paul Klee (Malerei) und bei Hubert Netzer (Bildhauerei), mit dem Abschluss des künstlerischen Staatsexamens. Danach nahm er ein Lehramt an und übernahm die Ausbildung von Kunstpädagogen. Ab 1949 lebte er in Darmstadt. Von 1948 bis 1960 war er Dozent, unter anderem am damaligen Pädagogischen Fachinstitut Jugenheim und von 1962 bis 1992 Professor für Bildende Kunst und für Kunstdidaktik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Hans Meyers lebte zuletzt in Ratzeburg, wo er am 13. Januar 2013 im Alter von 100 Jahren verstarb. (Quelle: Wikipedia)
"Medaillons im Ratssaal"
Auch im Ratssaal des Rathauses ist Kunst zu entdecken. Man beachte die Medaillons unter der Decke über dem Eingang. Die Porträts der antiken Geistesgrößen Tacitus, Demosthenes, Homer und Sophokles erinnern daran, dass der heutige Ratssaal ursprünglich als Aula des einzigen Gymnasiums im Herzogtum Lauenburg diente. Die Medaillons schmückten den Raum allerdings nicht von Anfang an. Erst 1899, also zum 50-jährigen Bestehen des Gebäudes, wurden sie von Kunstmaler Otto Schmarje geschaffen.
Neben den heute noch vorhandenen Porträts blickten folgende Persönlichkeiten auf die versammelte Schulgemeinde herab: Paulus, Luther, Melanchthon, Lessing, Goethe, Schiller, Cicero, Horatius, Sokrates, Shakespeare, Molière und Alexander von Humboldt (Friedrich Lammert, Die Lauenburgische Gelehrtenschule von 1845-1929, in: Lauenburgische Heimat, Heft 4, Okt. 1929, S. 121-127). Der Jahresbericht der Lauenburgischen Gelehrtenschule 1899/1900 berichtet über die Einweihung der „würdig wiederhergestellten Aula“ am 13: September 1899: Wir erfahren einiges über die Wirkung des Raumes. Die Aula sei „im antiken Stil gehalten, der bis in die Einzelheiten feinsinnig durchgeführt ist. Der zarte grüne Ton der Wände zusammen mit der Elfenbeinfarbe der Holzteile bringen, und besonders abends unter dem Licht der hervorragend schönen Kronleuchter, einen sehr stimmungsvollen Eindruck hervor.“ – Der Bericht gibt der Hoffnung Ausdruck, dass „der schöne Raum, der durch einen Durchbruch zum Nebenzimmer beträchtlich vergrößert […] ist, noch vielen Schülergenerationen eine Stätte weihevoller Andacht werden [möge]“.
Wegen Feuchtigkeitsschäden mussten diese Porträts allerdings 1929 entfernt werden. Die heute noch erhaltenen Medaillons wurden von der Ratzeburger Künstlerin Ilse Harms-Lipski 1992 restauriert.
Otto Schmarje (1868–1920) war ein bekannter Altonaer Dekorationsmaler und Restaurator, bei dem Maler, wie Hermann Junker, Herbert Spangenberg, Alfred Mohrbutter und Gerrit Groteloh Malerlehre absolviert haben. Er war Mitglied des Altonaer Künstlervereins (AKV), auch Altonaer Künstler-Verein, der im Jahr 1909 gegründet worden war. Schmarje trat dem Verein im Jahr 1913 bei.
Ilse Harms-Lipski, geboren am 20. Januar 1927 in Osterode (Ostpreußen) war eine deutsche Malerin und Illustratorin. Sie studierte, nachdem sie ein Praktikum an der Werkkunstschule in Flensburg absolviert hatte, von 1948 bis 1952 an der Kasseler Kunstakademie (heute: Kunsthochschule Kassel). Sie besuchte dort die Klassen von Kai H. Nebel (Neue Sachlichkeit, Naturstudium) und Arnold Bode, der später der Initiator der Documenta wurde, sowie die Grafikklasse von Hans Leistikow und Kunstpädagogik bei Ernst Röttger.
Von 1952 bis 1960 arbeitete sie als Kunsterzieherin an Gymnasien in Flensburg, Rendsburg und Ratzeburg. Seit 1960 war sie freischaffend tätig und beteiligte sich an zahlreichen Ausstellungen, unter anderem 1964 an der 12. Ausstellung der Malerinnen und Bildhauerinnen im Kieler Landeshaus, an den Jahresschauen Lübecker Künstler 1965, 1966, 1968 und 1972, sowie an Ausstellungen in Bonn und Paris. Harms-Lipski verstarb am 15. Dezember 2017 im Alter von 90 Jahren. (Quelle: Wikipedia)
"Ausstellungen im Rathaus"
Neben dem eigenen Kunstschätzen sind im Ratzeburger Rathaus auch regelmäßig Kunstwerke von örtlichen oder regionalen Künstlerinnen und Künstler zu sehen. Aktuell sind dort großformatige Werke der ortsanssässigen Künstlerin Iris Schelchen zu entdecken. Iris Schelchen studierte an der Freien Kunstschule in Berlin. Weitere Seminare erfolgten in Spanien, Berlin und Sylt. Von 1995 bis 2010 hatte sie ihr Atelier in einer Künstlergemeinde von rund 40 Künstlern im Künstlerhof Frohnau in Berlin. Von 2013 bis 2017 arbeitete sie in einem großen Atelier in einer alten Werft, direkt an der Bille in Hamburg. Seit 2017 hat sie ein neues Atelier in Ratzeburg am Küchensee. Ihre Werke werden international gehandelt, über die ‚AHOY! Art Gallery‘ in Palma de Mallorca (www.iris-schelchen.de - www.ahoygallery.com).

