Zur Erinnerung an die im Krieg gefallenen Ratzeburger Jäger und zur Mahnung wurde 1921 unterhalb der Jägerstraße das Jägerdenkmal errichtet und eingeweiht. Einen „Verein ehemaliger Jäger Ratzeburg“ gab es bereits seit 1908. Er betreut das Denkmal, das von ehemaligen Offizieren, Oberjägern und Freunden „ … den Helden des Lauenburgischen Jägerbatl. Nr. 9 ...“ gewidmet wurde.
Wir wollen an die drei ersten Vorsitzenden des Vereins nach 1945, an drei „alte Ratzeburger“ erinnern: Richard Gräning (1952 – 1959, vorher schon 1927 – 1933), Kurt Witt (1959 – 1964) und Heinrich Wolgast, der von 1964 – 1993 an der Spitze des Vereins stand, der ihm in seiner positiven konservativen Gesinnung am Herzen lag. Darüber hinaus engagierte sich Heinrich Wolgast in der Kommunalpolitik. Er war nach Jahren in der Stadtvertretung und im Magistrat von 1974 – 1982 der von allen Seiten anerkannte Bürgervorsteher (Vorsitzender der Stadtvertretung), weil er bei aller politischen Grundsatztreue offen und fair mit allen, auch entgegengesetzten Meinungen umging. Hierher passt die kleine Geschichte zu unserer Überschrift „Alte Ratzeburger“: Im Magistrat der Stadt stellte sich ein junger Mann vor, der sich um eine ausgeschriebene Stelle bewarb. Der Herr Bürgervorsteher fragte: „Haben Sie gedient?“ Er wurde darauf hingewiesen, dass der Bewerber doch von seiner Zivildienstzeit berichtet habe. Der BV merkte sofort, dass er sich mit der alten „preußischen“ Frage ein wenig vertan hatte, bat um Entschuldigung, und das Gespräch ging weiter. Das war eben die Frage eines „alten Ratzeburger Jägers“ gewesen!
1984 gehörte Heino Wolgast zur „Mannschaft des Jahres“, zusammen mit (v.l.) Paul Holler, Werner Volkmann, Rolf Peters und Hans-Günther Kröger. Die gestandenen Herren spielten Tischtennis in der 5. Mannschaft des Ratzeburger Sportvereins. Die 5 kauften in den Punktspielen mit ihrer Erfahrung manchen viel jüngeren Konkurrenten oft den Schneid ab! Unten: Bürgervorsteher Heinrich Wolgast, wie ihn viele kannten.
Ratzeburgs bei weitem ältester Verein ist die Schützengilde. Der Goy (auch Papagei genannt), Kennzeichen im Mittelpunkt der Königskette, zeigt einen am Flügel befestigten Schild mit der Jahreszahl 1551. Vermutlich ist unsere Gilde aber schon im 15. Jahrhundert entstanden; da fehlen leider die Urkunden.
Auch ein alter Ratzeburger: Der Goy!
Lübecker Nachrichten vom 14. Juli 1959
Einen der vielen Schützenkönige der Vergangenheit haben wir bereits kennen gelernt als Lehrer an der Grund- und Hauptschule Vorstadt. Friedrich Bahrs, die „Majestät“ des Jahres 1959, war viele Jahre Schützenoberst, also Gilde-Vorsitzender.
1920: Heinrich Ohst - 1932: Karl Martens (Auch er lange Zeit Schützenoberst) - 1938: Otto Wittler - 1963: Emil Nöthen
Diese vier Schützenbrüder sollen hier für viele Hunderte stehen, und es ließen sich sicher unzählig viele Geschichten erzählen – wenn man sie denn kennen würde!
Der Briefkopf zeigt, dass Bahrs in den 20er Jahren im Männer-Turnverein Ratzeburg aktiv war; das war der Vorläufer des Ratzeburger Sportvereins.
Und das war für den Sportlehrer Bahrs bei weitem nicht alles! Zeigt uns sein Engagement in der Schützengilde die Verwurzelung in der Tradition seiner Heimatstadt, so führen uns die beiden Bilder zum praktischen Einsatz für die Jugend. In der Schweriner Straße dort, wo sich später Tennisspieler tummelten (wir werden davon lesen.) betrieb der Verein Vorstädter Bürger zu Ratzeburg die Vorstädtische Badeanstalt.
In der schon erwähnten Festschrift „750 Jahre Vorstadt – Dermin“ von 1980 beschreibt Isfried Hunstock sehr anschaulich die zeitgenössischen Hintergründe und die Entwicklung der Anstalt von 1907 bis 1938. Friedrich Bahrs spielte dabei eine entscheidende Rolle. Die Lektüre der drei Seiten lohnt!
Der Verein «Vorstädter Bürger zu Ratzeburg« von Isfried Hunstock
„Lübecker Nachrichten“ 8. April 1960:
Nach Ausbildungsabschluss am Ratzeburger Lehrerseminar begann Friedrich Bahrs seine Schulmeister-Tätigkeit 1915 in Ratzeburg, musste jedoch gleich den Waffenrock anziehen. Nach der Heimkehr war er von 1918 bis 1960 ununterbrochen Volksschullehrer in seiner geliebten Heimatstadt, zunächst an der Knabenschule auf der Insel, die letzten drei Jahre an der Grund- und Hauptschule Vorstadt. Rektor Wilhelm Prillwitz verabschiedete ihn und wies dabei auf die ungeheueren Veränderungen im Laufe des 20. Jahrhunderts hin, die ja besonders den Schulen und ihren Lehrern schwere Lasten aufbürdeten: vier Staatsformen vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und die Nazidiktatur bis zur jungen Bundesrepublik, nun aber mit zwei deutschen Staaten, deren Grenze und damit die Grenze durch Europa nur wenige km östlich Ratzeburgs verlief. Zwei mörderische Kriege hatten Millionen Opfer gefordert, besonders der erst vor kurzem beendete hatte unbeschreibliche Verwüstungen hinterlassen. Prillwitz wies aber auch auf die rasant schnelle Entwicklung auf naturwissenschaftlichem und technischem Gebiet hin, auf die das Schulsystem reagieren musste. Und das Schulsystem waren immer in vorderster Front – die Lehrer!
Drei von ihnen sehen wir auf dem nächsten Foto. Wir finden sie im Pausengespräch vor dem ehemaligen Seminargebäude (später Ernst-Barlach-Realschule), in dem während des Krieges auch einige Grundschulklassen unterrichtet wurden: (von links) Heinrich Jebe, Paul (?) Runge, gen. „Papa Runge“ und Friedrich („Fiete“) Bahrs. H. Jebe war ein anerkannter Pädagoge. Ihrem alten Lehrer P. Runge widmet Frau Erika Seifried geb. Rothländer einen liebevollen Beitrag, in dem sie u.a. schreibt: „Unseren Lehrer Runge hatten wir Schüler gern und verehrten ihn. Er war neben seinem Hauptberuf als Schullehrer auch noch Organist an der Petri-Kirche. Weil wir unseren Lehrer einfach gern hatten, nannten wir ihn insgeheim ‚Papa Runge‘. Er hatte etwas Väterliches an sich, und viele von uns vermissten ihre Väter doch so sehr, die irgendwo an der Front in Gefangenschaft geraten waren, die vermisst wurden oder gar ihr junges Leben schon verloren hatten. ‚Papa Runge‘ war eine liebevolle Ehrenbezeichnung für diesen gütigen älteren Lehrer.“
Dieses Foto von 1922 wird unter dem Titel „Turnfest des MTV“ im Kreismuseum aufbewahrt. Wo fand das Spiel statt? Am Ort der heutigen Sportanlagen an der Riemannstraße? Wir schmunzeln, wenn wir sehen, wie es hinter dem Tor zuging! TOOOR!!! Ja wie, wenn die „Fans“ ohne ein Netz gleich hinter (in!) dem Tor stehen. Es hängt wohl davon ab, welcher Mannschaft die Sympathie der Zuschauer gehört.
Fast 50 Jahre später: Was ein Junge erlebte, wenn er den festen Willen besaß, „Freischwimmer“ zu werden, erzählt uns Rüdiger Nagel, später viele Jahre Sportlehrer in der Vorstadt-Schule.
Wie ich meinen «Freischwimmer« teuer erkauft habe
Wem verdankt die Riemannstraße ihren Namen? Hermann Arminius Riemann (1793 - 1872) wurde in Ratzeburg auf dem Domhof geboren. Dort war sein Vater Direktor der Domschule. Diese Vorgängerin der Lauenburgischen Gelehrtenschule besuchte auch der junge Riemann, verließ Ratzeburg nach dem Abitur, um zu studieren. Er schloss sich der Burschenschaft-Bewegung an und hielt auf dem Wartburgfest 1817 eine flammende Festrede für die bürgerlichen Freiheiten. An den Vorbereitungen zum Fest nahm auch Turnvater Jahn teil, und in seinem Geist zur Körperertüchtigung der deutschen Jugend bemühte sich auch Riemann als Pädagoge um die Einrichtung von Turnplätzen, so in Eutin. Der dortige Sportverein heißt „Riemann Eutin“. Aus Ratzeburg kennen wir ein Bild solcher Einrichtung vor dem neu erbauten Gymnasium aus dem Jahre 1860. Zwei Jahre später gründete sich der Männer-Turnverein Ratzeburg. Auf unserem Foto von 1928 posiert eine Turnerriege in der alten Turnhalle der Gelehrtenschule. - Der Name „Riemannstraße“ macht also durchaus einen Sinn.
In der Festschrift zum 100jährigen Jubiläum des RSV von 1962 finden wir auf dem Vorstands-Foto manch alten Ratzeburger, der (die) dem Ruf der Stadt als „Sportstadt“ alle Ehre gemacht hat. Die mangelnde Bildqualität mag man entschuldigen; das Original ist nicht mehr zu finden. Diese Kopie stammt aus der Festschrift, die 1987 heraus gegeben wurde.
Hintere Reihe von links: Heinz Skambraks, Albert Hannig, Kurt Lange, Dr. Hermann Hinzpeter, Werner Schweim, Heinz-Werner Kersten, Jochen Bleß, Rolf Peters.
Vorne: Max Fischer, Kurt Schmidt, Walter Beumelburg, Emil Kähler, Erna Beumelburg, Gerhard Steinert, Ernst Knoll, Ernst Panknin.
Natürlich erinnert sich diese(r) oder jene(r) ältere Ratzeburger(in) heute an die Alten, von denen die allermeisten nicht mehr unter uns sind. Was wird bei der 200-Jahrfeier im Jahre 2062 an Erinnerungen übrig sein? Ein wenig wollen wir helfen.
Albert Hannig ist zweifach mit der Geschichte Ratzeburgs verbunden gewesen, als begeisterte Turner im RSV, besonders aber als der Fotograf seiner Stadt mit seinem Fachgeschäft in der Herrenstraße. Das Kreismuseum bewahrt sein Andenken mit einer Vielzahl seiner Aufnahmen (CD!) und mit der eindrucksvollen Ausstellung seiner Arbeitsstelle in einem Raum.
Ernst Panknin konnte von einem besonderen Höhepunkt seines Sportlerlebens berichten: Er war Speerwurf-Kampfrichter bei den Olympischen Spielen in Berlin 1936! In der Schrift zum 125jährigen Jubiläum nennt Rudolf Kohsiek ihn einen der letzten großen Sportidealisten. In Ratzeburg wird er unvergessen bleiben als einer der Wiederbegründer des RSV nach dem Krieg, vor allem aber wohl als Initiator des Volkslaufes. Der Volkslauf (auch „Osterlauf“) um den Küchensee war Ernst Panknins geliebtes Kind! Wie viele Stunden hat er seinem Kind gegeben, wie unendlich viel Arbeit!
Emil Kähler leitete den RSV als Nachfolger von Karl Saalfeld von 1950 bis 1966. Hauptberuflich war er Lehrer und Konrektor an der Grund- und Hauptschule Vorstadt, einige Jahre auch nebenbei Chef der Fachschule des Bundesgrenzschutzes (jetzt Bundespolizei) in der Belowkaserne. Organsisationstalent sowie ein aufrechter, gerader Charakter zeichneten ihn aus.
Helmut von Zaluskowski, später Vorsitzender des Kreissportverbandes, ist aus den ersten Jahrzehnten nach Kriegsende aus dem öffentlichen Leben Ratzeburgs nicht fortzudenken. Er führte ein Sportfachgeschäft. Hier erleben wir „Zalus“ am Start eines der wenigen Seifenkisten-Rennen Anfang der 50-er. Er war nicht nur begeisterter Segelflieger, sondern ebenso gern Moderator bei Veranstaltungen wie dieser am Jägerberg mit Startrampe vor der Kaserne, damals (Jahre vor dem Bundesgrenzschutz) teils Kreiskrankenhaus, teils Wohnstatt für Flüchtlingsfamilien aus dem Osten. „Zalus“ natürlich am Mikrofon, links neben ihm Bürgermeister Dr. Otto Hofer. Das Foto rechts (Jäger- Ecke Roonstraße) zeigt einige der vielen hundert begeisterten Zuschauer. Übrigens: Die ersten Feuerwerke zum Bürgerfest wurden von Zalus organisiert – und kommentiert!
Ratzeburg hat wunderschöne Feuerwerke erlebt. Zu „Zalus“ Ehren und zu Ehren der vielen ehrenamtlich tätigen Bürger unserer Stadt wollen wir hier eins zünden!