Neue Impulse für eine alte Idee: Ratzeburger Städtepartnerschaften beleben und erweitern
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Die Idee kam überraschend und sie klang durchaus verwegen: Eine neue Partnerstadt für Ratzeburg. Pastor Kai Feller brachte sie vergangene Woche zusammen mit Viktoria Maryshchuk von der Regionalverwaltung des Oblast Cherson mit ins Rathaus. Beide stellten dort den Wunsch der ukrainischen Stadt Wysokopillia aus dem Oblast Cherson vor, mit einer deutschen Kleinstadt eine solche Städtepartnerschaft neu begründen zu wollen. Auch der Bürgermeister aus Wysokopillia, Kostyantyn Starodumov, war bei dem Gespräch online zugeschaltet und warb mit viel Überzeugung für eine solche Partnerschaft auf Augenhöhe. Er präsentierte seine Kleinstadt mit rund 6.500 Einwohnern und berichtete in beeindruckender Weise, wie Wysokopillia mit dem Kriegsalltag zurechtkommt. Es ist eine Stadt im Wiederaufbau nach einer teilweisen Besetzung durch die russischen Aggressoren mit massiven Zerstörungen und einer geglückten Befreiung durch die ukrainische Armee. Bürgermeister Starodumov berichtete vom Mut und der positiven Kraft seiner Bürgerinnen und Bürger, ihr Leben und ihren Alltag hoffnungsvoll und zukunftsgewandt gestalten zu wollen, und sprach von dem großen Erfahrungsschatz, den Wysokopillia in eine Stadtpartnerschaft einzubringen habe.
Bürgermeister Eckhard Graf musste allerdings den Enthusiasmus im Raum etwas bremsen. Er verwies auf die Notwendigkeit, die Stadtvertretung bei einem solchen Prozess einzubinden. Vor allem aber zeigte er mit Blick auf die bestehenden Partnerschaften mit den insgesamt sieben Partnerstädten in Schweden, Dänemark, Polen, Frankreich, Belgien und Mecklenburg eine gewisse Skepsis, ob das Format der Städtepartnerschaft in der heutigen Zeit überhaupt noch funktionieren kann. „Städtepartnerschaften müssen von den Menschen der beteiligten Städte gelebt und getragen werden, nicht von den Verwaltungen und Amtsträgern. Eine solche zivilgesellschaftliche Initiative ist in Ratzeburg aktuell nicht zu erkennen, abgesehen von einigen traditionellen Verbindungen beispielsweise der Freiwilligen Feuerwehr“, so Bürgermeister Graf.
In der anschließenden Diskussion wurde allerdings deutlich, dass sich die Idee der Städtepartnerschaft keineswegs überlebt habe. Gerade das Interesse aus Wysokopillia könne hier als neuer Impuls verstanden werden, die Menschen vor Ort für städtepartnerschaftliche Begegnungen wieder zu begeistern – vielleicht in einem neuen Format. Es entstand die Idee einer Vereinsgründung in Ratzeburg nach dem Vorbild der „Partnerschaftsvereine“ in Ribe (Dänemark), Châtillon-sur-Seine (Frankreich) oder Strängnäs (Schweden), um die Partnerschaftsarbeit vor Ort mit interessierten Bürgerinnen und Bürgern zu gestalten. Dieser Überlegung gegenüber zeigte sich Bürgermeister Eckhard Graf aufgeschlossen: „Es ist durchaus denkbar, dass die Gründung eines Partnerschaftsvereins neue Impulse in die Städtepartnerschaften bringen kann, gerade auch, wenn dabei zum Einstieg auch eine neue Partnerschaft entstehen könnte“, so Bürgermeister Graf. Er versprach, diese Überlegung einmal in die Stadtvertretung zu spiegeln. Pastor Kai Feller und Mark Sauer von der Ratzeburger Stadtverwaltung, dort zuständig für bürgerschaftliches Engagement, vereinbarten ihrerseits, gemeinsam herauszufinden, ob eine solche Vereinsgründung weiteres Interesse wecken könnte. „Es ist tatsächlich eine reizvolle Aufgabe, sich den Partnerstädten in Europa zu widmen“, sagte Mark Sauer, der mit dem Ratzeburger Jugendbeirat in den vergangenen Jahren mehrfach in den Partnerstädten unterwegs war und dabei eine immer noch bestehende Begeisterung für dieses Format verspüren konnte. Vielleicht, so das Fazit dieses Treffens, ist die Idee aus der ukrainischen Stadt Wysokopillia, eine Partnerschaft neu zu begründen, ja genau der richtige Impuls und Funke, um diese Begeisterung wieder zu entfachen.
Bürgermeister Eckhard Graf berichtete dazu in der Stadtvertretung, auch mit dem Ziel, ein Stimmungsbild zur Fortführungen der Städtepartnerschaften zu erhalten. In der anschließenden Diskussion wurde angeregt, die mögliche Gründung eines Partnerschaftsverein im zuständigen Fachausschuss zu beraten.
Ein Vorbild dafür gibt es bereits: Das Land Schleswig-Holstein hat sich entschlossen, mit dem Oblast Cherson eine Regionalpartnerschaft zu begründen, und ermutigt ausdrücklich die Kommunen, dies auch auf städtepartnerschaftlicher Ebene zu überlegen: https://www.landtag.ltsh.de/nachrichten/26_02_16_partnerregion_cherson_delegation/

