Jüdisches Leben in Ratzeburg
Recht regelmäßig erreichen das Ratzeburger Stadtarchiv Anfragen von interessierten Bürgerinnen und Bürger zu jüdischem Leben in Ratzeburg. Der Fokus liegt dabei zuallermeist auf der Zeit vor und während des Nationalsozialismus. Hier kann das Stadtarchiv durchaus fundiert Auskunft geben, zum Schicksal der Familie Rosenberg, von Aenne Ratz oder den Geschwistern Philip.
Das wiederkehrende Interesse an diesem Thema hat Stadtarchivar Christian Lopau dazu veranlasst, den aktuellen Wissensstand einmal gesammelt zu veröffentlichen. Dabei ist auch ein Vortrag entstanden, der einem Überlick zu jüdischen Leben in Ratzeburg gibt und der auch als Podcast hier nachzuhören ist.
Jüdisches Leben ist in Ratzeburg allerdings nur in der Vergangenheitsperspektive zu betrachten. Auch finden immer Projekte an Schulen und Veranstaltungen für Erwachsene statt, die sich mit jüdischem Leben in Deutschland und mit Antisemitismus aktiv auseinandersetzen. So ist jüdisches Leben vor Ort präsent, auch wenn es keine jüdische Gemeinde und insgesamt auch nur sehr wenige Menschen jüdischen Glaubens in Ratzeburg gibt.
Podcast aus dem Stadtarchiv Ratzeburg: "Jüdisches Leben in Ratzeburg"
| “Jüdisches Leben in Ratzeburg“ - Podcast des Stadtarchivs Ratzeburg |
Archivalien zu jüdischem Leben in Ratzeburg aus dem Stadtarchiv
Das Schicksal der Ratzeburger Jüdinnen und Juden zwischen 1933 und 1945
(Vortrag von Stadtarchivar Christian Lopau)
Archivale 03/2013 - Ein »Stolperstein« für Aenne Raaz
Zur Zeit des Nationalsozialismus wurden viele Menschen, insbesondere Juden, deportiert, ermordet, vertrieben oder in den Suizid getrieben. Auch hier, im Kreis Herzogtum Lauenburg, erlitten viele Juden ein solches Schicksal.
Eine davon war Aenne Raaz ( geborene Borchardt ). Sie lebte mit ihrem Mann Ewald Raaz in Ratzeburg, in der Lübecker Straße 19.
Als sie erfuhr, dass sie deportiert werden sollte, nahm sie sich, mittels Gift, das Leben. Sie starb am 18. Februar 1945.
Bevor Aenne Raaz nach Ratzeburg kam, lebten sie und ihr Ehemann in Berlin. Im Jahr 1936 zogen sie, in der Hoffnung auf mehr Schutz vor dem Regime, nach Ratzeburg.
Über das Schicksal von Aenne Raaz war, im Gegensatz zum Schicksal anderer jüdischer Familien, z.B. den Rosenbergs, lange sehr wenig bekannt.
Das änderte sich, als die Klasse 10d der Lauenburgischen Gelehrtenschule (LG) Ratzeburg gemeinsam mit dem Stadtarchivar Christian Lopau im Winter 2012 begann, das Schicksal der Jüdin zu erforschen. Die Schüler recherchierten selbstständig und führten auch Gespräche mit der Enkelin von Aenne Raaz. Das Projekt fand seinen Abschluss am 18. Februar 2013, dem Todestag von Aenne Raaz, mit einer Gedenkfeier in der Aula der LG.
Die Schüler präsentierten die Situation der Juden im Kreis und gingen dann näher auf das Schicksal von Aenne Raaz ein. Am Ende der Gedenkfeier konnte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Veranstaltung Kerzen für Aenne Raaz anzünden. Begleitet wurde die Veranstaltung vom Chor der LG.
Die Gedenkfeier in der Lauenburgisshen Gelehrtenschule
(Foto: MARKT-Zeitung)
Im Zusammenhang mit diesem Projekt wurde ein Stolperstein hergestellt. Dieser soll im Sommer 2013 vor dem Haus von Aenne Raaz verlegt werden.
Solche Steine sollen an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Erfunden wurden sie von dem Künstler Günter Demnig, der auch bei der Verlegung dieses Stolpersteins dabei sein wird.
Diese Archivale wurde textlich erarbeitet von Annika Sauer, Schülerin der Lauenburgischen Gelehrtenschule, im Rahmen ihres Praktikums
im Stadtarchiv Ratzeburg
Archivale 02/2010 - Bericht über das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück
Im Stadtarchiv Ratzeburg (Sammlung Nr. 18) wird ein maschinenschriftlicher Bericht vom 22. November 1945 aufbewahrt, in dem Gertrud Philip (1904-1985) schildert, was sie zusammen mit ihrer Schwester Anneliese (1902-1987) im Konzentrationslager Ravensbrück erlebt hat.
Beide lebten nach dem Tod ihres jüdischen Vaters seit 1939 in der Lübecker Straße. Im Mai 1944 wurden sie in Polizeihaft genommen. Über die viermonatige Polizeihaft, die weitere Vorgeschichte und die Gründe der Verhaftung erfährt man aus dem Text nichts.
Der Bericht beginnt mit der Einlieferung der beiden Schwestern in Ravensbrück am 15. September 1944. Beide Schwestern waren offenbar aus politischen Gründen inhaftiert worden und trugen im Lager zunächst den roten Winkel auf ihrer Kleidung, mit dem politische Häftlinge gekennzeichnet wurden.
Gertrud Philips Berichts aus dem Jahre 1945
Erst nach einigen Wochen wurden sie angewiesen, den „Judenstern“ zu tragen, da sie als „jüdische Mischlinge“ galten. Da beide Schwestern zunächst als Bürokräfte in der Kommandantur eingesetzt waren, wo in der Besoldungsabteilung die Gehälter sämtlicher Aufseherinnen in den deutschen KZs bearbeitet wurden, waren ihre Lebensbedingungen erträglicher als die der meisten Mithäftlinge. Während eines Evakuierungsmarsches nach Neustrelitz gelang den Schwestern die Flucht. Nach 12-tägigem Fußmarsch trafen sie in Ratzeburg ein.
Weitergehende Information zum Konzentrationslager Ravensbrück finden Sie auf Webseite der Gedenkstätte unter http://www.ravensbrueck.de/
Projekte und Veranstaltungen zu jüdischemLeben und zu Antisemitismus der vergangenen Jahre
Würdige Veranstaltung zum Gedenken der Opfer des Holocaust im Ratzeburger Rathaus
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Mit einer würdigen Veranstaltung gedachten am vergangenen Dienstag mehr als 80 Menschen im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses den Opfern des Holocaust. Die Volkshochschule Ratzeburg und Umland e.V. hatte mit Blick auf diesen internationalen Gedenktag zur Eröffnung der von Ilse Siebel entwickelten Ausstellung "Die Deportation der Norddeutschen Juden" geladen. Sie beschreibt das Schicksal von 905 Jüdinnen und Juden, die am 6. Dezember 1941 über den Bahnhof Bad Oldesloe ins Ghetto Riga deportiert wurden, unter ihnen auch Willy und Martha Rosenberg aus Ratzeburg. Anke Nommensen Bielke von den 'OMAS gegen Rechts- Oldesloer für Demokratie' führte in berührender Weise in die Ausstellung ein und betonte dabei die Bedeutung einer mahnenden Erinnerungskultur, gerade in der heutigen Zeit. Stadtarchivar Christian Lopau beschrieb in einem Kurzvortrag das Schicksal jüdischer Menschen aus Ratzeburg, die Familie Rosenberg, die Familie Levy, die Geschwister Philip, Aenne Ratz und Germaine Vahl.
Bildhauer Thomas Helbing berichtete von der künstlerischen Entwicklung einer Auftragsarbeit zum Gedenken an einen Todesmarsch aus dem KZ Neuengamme in Richtung Flensburg, der 1945 durch Stormarn führte. Er ließ die Zuhörerschaft an seinen Gedanken, Assoziationen und Ideen teilhaben, welche seine Suche nach einem würdigen Mahnmal begleiten.
Musikalisch umrahmt wurde das Programm von Liedbeiträgen des Chores 'POLITICALied', unter anderen auch Eric Bogles "Never again". Mit der wiederkehrenden Verszeile 'Remember' prägte es die Atmosphäre des Abends, eine würdige und ernste Erinnerung an das immer noch unfassbare Leid von Millionen Menschen durch die Verbrechen der Nationalsozialisten, die im Anschluss zu vielen nicht minder ernsten Gesprächen über die Zeit heute führte.
Die Veranstaltung wurde gefördert über die 'Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amte Lauenburgische Seen‘ im Rahmen des Bundesprogramms 'Demokratie leben!'. Die Ausstellung "Die Deportation der Norddeutschen Juden" kann bis zum 12. Februar 2026 während der Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden.
Das Schicksal der Ratzeburger Jüdinnen und Juden zwischen 1933 und 1945 (Vortrag von Stadtarchivar Christian Lopau)
Chorprojekt 'POLITICALied' gestaltete Gedenkaktion zum 9. November
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Das Chorprojekt 'POLITICALied' vom Verein Miteinander leben e.V. und der Ratzeburger Volkshochschule organisierte am vergangenen Sonntag ein Gedenkprogramm für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Unter dem Motto "Die Stimme erheben gegen Antisemitismus" wurde zunächst an den Ratzeburger Stolpersteinen für Aenne Ratz und für die Familie Rosenberg gedacht. Zu erklärenden Texten und gesanglichen Umrahmungen durch den Chor entstand an beiden Orten ein vergängliches Aufsprühbild, das an die Opfer sinnbildlich erinnern sollte. Sie wurden von der Hamburger Künstlerin Nele Borchert auf Vorlage von historischen Bildern und Beschreibungen in einer Scheerenschnittvorlage gestaltet. Aenne Ratz erschien so in einem Portrait, die Familie Rosenberg symbolisch mit Nadel und Faden, in Anlehnung an ihren Laden und ihren Beruf als Textilhändler.
Im Anschluss wurde das Gedenken an die Pogrom-Nacht des 9. November 1938 mit einem Konzert in der Stadtkirche St. Petri fortgesetzt. Der Chor hatte dazu in einem dreitägiger Chorworkshop unter der Leitung von Anna Bertram unterschiedliche Lieder eingeübt, unter anderem auch aus den Ghettos von Łódź und Vilinius.
Begleitet wurde das Programm von Anna Bertram (Klavier), Edouard Tachalow (Violine), Johannes Huth (Kontrabass), die die rund 50 Gäste des Konzerts mit ausgewähltem Instrumentalbeiträgen und ihrem einfühlsamen Spiel sehr berührten. Maren Colell verlas dazu ausgewählte Texte zum Gedenken und zur Mahnung. So beschrieben die Lieder, wie die Texte einen Spannungsbogen von damals bis heute, vom 'Never again' bis zum 'It' happening again', wie es die Zeile eines vorgetragenen Liedes von Eric Bogle eindrucksvoll versinnbildlichte.
Das Chorprojekt und das Gedenkprogramm wurden gefördert über die 'Partnerschaft für Demokratie' der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen durch das Bundesprogramm 'Demokratie leben!' des Bundesministerium für Bildung, Familien. Senioren, Frauen und Jugend.
'#Stolen Memory' - Wanderausstellung der 'Arolsen Archives' und Veranstaltungsreihe »Gestohlene Erinnerungen« der Ratzeburger Volkshochschule
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Bereits seit Jahresbeginn plant die Volkshochschule Ratzeburg und Umland e.V. zusammen mit dem Verein Miteinander leben e.V. und anderen Kooperationspartnern eine Reihe von Veranstaltungen unter dem Titel "#Stolen Memory - Gestohlene Erinnerungen". Ihr Herzstück ist die Wanderausstellung "#Stolen Memory" der Arolsen Archives die 31.10.2025 bis zum 18.11.2025 in einem umgestalteten Übersee-Container auf dem Ratzeburger Marktplatz täglich von 9:00—17:00 Uhr besichtigt werden kann.
Schmuck, Erinnerungsfotos, Briefe – in den Konzentrationslagern nahmen die Nazis den Häftlingen jeden persönlichen Besitz ab. Einige der gestohlenen Erinnerungsstücke werden bis heute in den Arolsen Archives aufbewahrt. Mit der Kampagne #StolenMemory, die seit 2016 läuft, wird weltweit nach Familien der NS-Verfolgten gesucht, um ihnen die persönlichen Gegenstände ihrer Angehörigen zurückzugeben. Freiwillige in vielen Ländern helfen dabei. Anhand von Fotos persönlicher Gegenstände erzählt '#StolenMemory' die Geschichten von fünf ehemaligen Häftlingen, deren Verwandte noch gesucht werden, um die archivierten Erinnerungsstücke zurückzugeben. Auf fünf weiteren Plakaten werden die Geschichten erfolgreicher Rückgaben an Familien vorgestellt. Die Angehörigen kommen in Videoportraits zu Wort, die über QR-Codes abgerufen werden können. Darin berichten die Nachfahren von den Schicksalen der Verfolgten und davon, was ihnen die zurückgegebenen Gegenstände bedeuten. Offene Führungen durch die Ausstellung werden am 03. und 10.11.2025 um 15:00 Uhr angeboten. Treffpunkt ist hier direkt am Ausstellungscontainer auf dem Marktplatz. Die Ausstellung kann aber auch selbstständig besucht werden. Die Ausstellungsstücke sind selbsterklärend.
Die feierliche Eröffnung der Wanderausstellung ist am 30. Oktober 2025 um 17:00 Uhr in der Stadtkirche St. Petri. Sie bildet den Auftakt der Veranstaltungsreihe "Gestohlene Erinnerungen". Dieses Kooperationsprojekt möchte mit den unterschiedlichen Veranstaltungsformaten wie Ausstellungen, Workshops für Jugendliche und Erwachsene, Konzerten und Lesungen Schlaglichter setzen, die zum Nachdenken anregen. Ein Flyer informiert über alle Programmpunkte:
Die Ausstellung und die begleitende Veranstaltungsreihe wird gefördert durch die 'Partnerschaft für Demokratie' der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramm 'Demokratie leben!'. Der Eintritt ist frei.
»Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand«
Ausstellung vor der Ratzeburger Stadtbücherei thematisiert den Holocaust
Anlässlich des Internationalen Tages des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27.01.2024 präsentiert die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen vor und in der Stadtbücherei Ratzeburg die Ausstellung »Einige waren Nachbarn: Täterschaft, Mitläufertum und Widerstand« des US Holocaust Memorial Museum. Sie adressiert eine der zentralen Fragen zum Holocaust: Wie war der Holocaust möglich? Die zentrale Rolle von Hitler und anderen Führern der NSDAP ist unbestreitbar. Doch die Abhängigkeit dieser Täter von unzähligen anderen für die Durchführung der NS-Rassenpolitik ist weniger bekannt. Im nationalsozialistischen Deutschland und in dem von Deutschland dominierten Europa entwickelten sich überall, in Regierung und Gesellschaft, Formen von Zusammenarbeit und Mittäterschaft, wo immer die Opfer von Verfolgung und Massenmord auch lebten.
Die Ausstellung untersucht die Rolle der gewöhnlichen Menschen im Holocaust und die Vielzahl von Motiven und Spannungen, die individuelle Handlungsoptionen beeinflussten. Diese Einflüsse spiegeln oft Gleichgültigkeit, Antisemitismus, Karriereangst, Ansehen in der Gemeinschaft, Gruppenzwang oder Chancen auf materiellen Gewinn wider. Die Ausstellung zeigt auch Personen, die den Möglichkeiten und Versuchungen, ihre Mitmenschen zu verraten, nicht nachgegeben haben und uns daran erinnern, dass es auch in außergewöhnlichen Zeiten Alternativen zu Kollaboration und Täterschaft gibt.
Bereitgestellt wird diese Ausstellungsversion im Posterformat vom Verein Miteinander leben e.V., der damit im Rahmen seines Bildungsprojektes »ZUGÄNGE ERWEITERN« an Schulen in Schleswig-Holstein arbeitet und sie dort kostenlos zur Verfügung stellt. Zur Ausstellung gehören auch drei Videos, die in der Stadtbücherei gezeigt werden. Die Ausstellung wird vom 27. Januar bis zum 17. Februar 2024 öffentlich zugänglich zu sehen sein.
Stadt Ratzeburg zeigt Solidarität mit Israel und dem jüdischen Leben in Deutschland
Am Rathaus der Stadt Ratzeburg ist in den kommenden Tagen die israelische Flagge zu sehen. Es ist ein kommunales Bekenntnis der Stadt Ratzeburg, sich im Sinne der bundesrepublikanischen Staatsräson für die Sicherheit und das Existenzrecht des Staates Israel einzusetzen. Vor dem Hintergrund des unmenschlichen Terroranschlages der Hamas auf israelische Zivilisten am 07. Oktober 2023 soll Anteilnahme mit den vielen Opfern und unverbrüchliche Solidarität mit der israelischen Bevölkerung bekundet werden.
"Das Existenzrecht des Staates Israel wird durch die terroristische Hamas und weitere Akteure in der Region infrage gestellt. Damit wird die einzige Demokratie im Nahen Osten, zu der wir in Deutschland vor dem Hintergrund der Shoah eine besondere Beziehung haben, in ihrer Existenz gefährdet. Damit ist der Angriff der Hamas auch ein Angriff auf die demokratische feie Welt. Ich sehe durchaus auch das menschliche Leid der palästinensischen Bevölkerung, das sich durch den ausgebrochenen Krieg noch verschlimmert hat, insbesondere vor dem Hintergrund, dass die palästinensische Bevölkerung als Schutzschild gegen die nachvollziehbaren Maßnahmen des israelischen Staates zur Bekämpfung der Hamas durch die Hamas selbst benutzt wird. Die Eskalation der Gewalt liegt in den Händen der Terroristen. Sie haben es durch die Freilassung der verschleppten Menschen und der Einstellung des Raketenbeschusses auf israelische Siedlungen und Städte selbst in der Hand, um das Leid der friedliebenden palästinensischen Bevölkerung zu beenden und Raum zu schaffen für neue Friedensinitiativen", sagt Bürgermeister Eckhard Graf.
Die Beflaggung am Rathaus soll aber auch als Zeichen verstanden werden, dass die Stadt Ratzeburg sich entschieden gegen Antisemitismus in unserer Gesellschaft richtet. Mit großer Sorge wird wahrgenommen, dass sich der Hass auf jüdische Menschen ganz offen auf unseren Straßen zeigt. "Schon seit den Coronakundgebungen findet Antisemitismus zurück unsere Öffentlichkeit, wird von Rechtsextremisten und Verschwörungsideologen in der Mitte der Gesellschaft geschürt. Jetzt wird auch wieder in einigen migrantischen und linken Milieus ganz offen Judenhass auf unseren Straßen propagiert und jüdisches Leben in Deutschland bedroht. Das ist in keinster Weise hinnehmbar und auf das Schärfste zu verurteilen. Die Sicherheit von Jüdinnen und Juden in Deutschland ist ebenso Staatsräson wie das Existenzrecht Israels. Jede Bürgerin und jeder Bürger ist aufgefordert, diesem verachtenswerten Gedankengut offen zu widersprechen und die Propagandisten in ihrer widerwärtigen Menschenfeindlichkeit bloßzustellen", sagt Bürgermeister Eckhard Graf.
Politische Bildungsreihe "SelbstVerständlich Politik" diskutiert zum Antisemitismus in den Köpfen und auf unseren Straßen
In der politischen Bildungsreihe "SelbstVerständlich Politik", die gemeinsam von der Volkshochschule Ratzeburg und Umland e.V. und dem Verein Miteinander leben e.V. organisiert wird, wird am 29.11.2023 um 19:00 Uhr Dr. Olaf Kistenmacher als Gastdozent im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses mit seinem Vortrag 'Antisemitismus: In den Köpfen ... auf der Straße ...' erwartet.
Judenhass nimmt unübersehbar zu. Das ist nicht erst seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 so. Schon zuvor war, wie der Anschlag auf die Synagoge in Halle 2019 deutlich gemacht hat, die Bedrohungslage hoch. Auf das Feindbild Israel können sich viele einigen: in der Kunstszene ebenso wie bei den Coronaleugnern, bei der extremen Rechten wie in der radikalen Linken, und selbst bei denen, die sich offiziell proisraelisch geben, kommt schnell ein „Aber“. Auch der Unterschied zwischen Israel und Jüdinnen und Juden spielt oft keine Rolle mehr. Der Vortrag wird zeigen, welche Faktoren dabei zusammenkommen – und warum Antisemitismus in Deutschland kein „importiertes“ Problem ist. Dr. Olaf Kistenmacher promovierte über antisemitische Aussagen in der Tageszeitung der KPD zur Zeit der Weimarer Republik, arbeitet als Journalist und ist seit 20 Jahren in der politischen Bildung gegen Antisemitismus und Rassismus tätig.
Der Vortrag wird gefördert von der Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen. Der Eintritt ist kostenlos, eine Voranmeldung wird erbeten unter volkshochschule@ratzeburg.de. Der Zugang zum Veranstaltungsort ist barrierefrei erreichbar.
"Antisemitismus im Gewand von Verschwörungsideologien"
Die Volkshochschule Ratzeburg und Umland e.V. lädt am 8.11.2022 um 19:00 Uhr im Zuge der bundesweiten Bildungs- und Aktionswochen gegen Antisemitismus der Amadeu-Antonio-Stiftung zum Vortrag "Antisemitismus im Gewand von Verschwörungsideologien" in die Stadtbücherei Ratzeburg. Das Regionale Beratungsteam Rechtsextremismus aus Lübeck der AWO-SH analysiert aktuelle Verschwörungserzählungen auf wiederkehrende antisemitischen Motive und zeigt deren tiefe Verquickung. Im Hintergrund werden Projektionen antisemitischer Vorfälle aus dem Jahr 2022 gezeigt, die von der Amadeo-Antonio-Stiftung aufbereitet wurden. "Mit diesem Vortrag wollen wir unser Jahresprogramm 'Antisemitismus und jüdisches Leben' inhaltlich beschließen und noch einmal eindringlich mahnen, gegenüber Antisemitismus achtsam zu sein und ihm konsequent entgegenzutreten", sagte Silvia Tessmer. Geschäftsführerin der Volkshochschule Ratzeburg und Umgebung e.V..
Der Eintritt ist kostenlos. Der Vortrag wird gefördert über wird gefördert über die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!".
»Dialoge zur Shoa: Frauen im Holocaust«
Im Rahmen ihrer „Dialoge zur Shoa“ zeigen der Verein Miteinander leben e.V. und die Volkshochschule Ratzeburg und Umland e.V. in der Zeit vom 31.05. - 21.06.2022 in der Stadtbücherei Bücherei eine weitere Ausstellung der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem mit dem Titel "Lichter im Dunkeln". Sie bringt die Stimme jüdischer Frauen während des Holocaust zur Geltung und präsentiert ihre Entscheidungen und Reaktionen auf die brutale und bösartige Realität, der sie ausgesetzt waren.
Die Ausstellung behandelt neun Schwerpunktthemen des alltäglichen Überlebenskampfes jüdischer Frauen: Liebe, Mutterschaft, Sorge für Andere, Weiblichkeit, Widerstand und Rettung, Freundschaft, Glaube, Essen und Kunst. Jeder Aspekt wird durch eine individuelle Geschichte verdeutlicht, die durch persönliche Dokumente oder Objekte wiedergegeben wird. So enthüllt die Ausstellung die konkreten Geschichten, die sich hinter historischen Ereignissen verbergen, und verleiht jenen, die in Finsternis und Anonymität versinken sollten, persönliche Gesichter und Stimmen.
Zur Ausstellungseröffnung am 31.05.2022 um 17:00 Uhr wird Wencke Stegemann vom Projekt „ZUGÄNGE ERWEITERN - Bildungsnetzwerkes Antisemitismus“ zur Kooperation mit der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem sprechen, die über einen Staatsvertrag mit dem Land Schleswig-Holstein eine herausragende Bedeutung bei der Vermittlung von pädagogischen Inhalten und Konzepten in der "Holocaust-Education" für Lehrkräfte im Land einnimmt.
Die Ausstellung ist während der allgemeinen Öffnungszeiten der Stadtbücherei zu sehen. Der Eintritt ist kostenlos. Ihre Präsentation wird gefördert durch die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“.
Erfolgreicher Auftakt der Ausstellungs- und Themenkampagne "Antisemitismus und jüdisches Leben" in Ratzeburg
Die Ratzeburger Volkshochschule zieht eine positive Bilanz zum Auftakt ihrer Ausstellungs- und Themenkampagne "Antisemitismus und jüdisches Leben", die mit der Ausstellung "SHOAH - Der Holocaust" in der Stadtkirche St. Petri gestartet wurde. Rund 600 Besucher*innen wurden im Ausstellungszeitraum vom 27.01. - 31.03.2022 gezählt, vielfach mit sehr positiven Rückmeldungen zur kompakten Aussagekraft der Ausstellung, die von der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem gestaltet wurde.
Zur Finissage referierte Dr. Olaf Kistenmacher in beeindruckender Weise über das Thema "Holocaustleugnung und Holocaustrelativierung". Er konnte dabei die verschiedenen Aspekte dieser Phänomene kenntnisreich beschreiben und einordnen sowie die Einzigartigkeit dieses Menschheitsverbrechens benennen: "Der Holocaust diente im Vergleich zu anderen unmenschlichen Verbrechen der Menschheitsgeschichte keinem anderen Zweck, als Menschen zu töten. Es ging nicht um Landnahme oder Raub, um Versklavung oder um Kriegsziele, die sich bewusst auch gegen die Zivilbevölkerung richteten. Es ging bei der Shoa nur um das Töten an sich, die möglichst vollständige Vernichtung von Menschen, denen das Lebensrecht, das Menschsein, einfach abgesprochen worden war."
Die Ausstellungs- und Themenkampagne "Antisemitismus und jüdisches Leben" wird im Jahresverlauf fortgesetzt mit weiteren öffentlichen Ausstellungen der Holocaustgedenkstätte Yad Vashem, so auch zu den Themen "Frauen im Holocaust" und "Kinder im Holocaust". Ebenso sind Vorträge und Exkursionen geplant. Sie wird gefördert durch die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!".
Landesweites "Bildungsnetzwerk Antisemitismus" lud zu ersten regionalen Fachtag in Ratzeburg
Mit einem ersten regionalen Fachtag unter den Titel "Unterrichtsthema heute: Antisemitismus!" hat der Verein Miteinander leben e.V. vergangene Woche im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses bei rund 25 Lehrkräften aus dem Raum Lauenburg-Stormarn-Lübeck für ihre aktive Mitwirkung im neugegründeten "Bildungsnetzwerk Antisemitismus" geworben. Das vom Bildungs- und Innenministerium des Landes Schleswig-Holstein geförderte Projekt "ZUGÄNGE ERWEITERN" hat sich zum Ziel gesetzt, landesweit Multiplikator*innen in Grundschulen und weiterführenden Schulen für die Durchführung von praktischen Unterrichtsangeboten zu den Themen "Antisemitismus" und "Jüdisches Leben in Schleswig-Holstein" zu gewinnen und auszubilden. Es fußt auf den Erfahrungen der Unterrichtsprojekte "Leben mit dem gelben Stern" und "ZUGÄNGE SCHAFFEN", die seit 2002 von Gabriele Hannemann im südöstlichen Schleswig-Holstein durchgeführt wurden und in dieser Weise einmalig in Schleswig-Holstein waren. "Wir wollen basierend auf unseren eigenen Unterrichtserfahrungen zur Vermittlung von Judentum, der Shoa und Antisemitismus als Gegenwartsphänomen unser Wissen und unsere Methodik zur Verfügung stellen", sagt Projektleiterin Gabriele Hannemann. Dies soll vor allem über gemeinsam organisierte Fortbildungsangebote, aber auch wiederkehrende Fachtage geschehen, die insbesondere Lehrkräfte mit Vorinteresse an diesen Themen ansprechen und zur Teilnahme motivieren sollen. "Es ist unser Ziel, in möglichst vielen Schulen im Land Lehrkräfte als Multiplikator*innen zu finden, die vor Ort mit erprobten Methoden und dem kollegialen Fachwissen eines langjährigen und wissenschaftlich bewährten Projektes, zu diesen Themen arbeiten wollen", ergänzte Projektassistentin Wencke Stegemann, die für das Bildungsnetzwerk als Ansprechpartnerin direkt in den Schulen wirbt.
Der jährliche Fachtag soll dabei als Fenster der Möglichkeiten dienen und wurde diesem Anspruch in Ratzeburg nach Rückmeldungen der Teilnehmer*innen auch absolut gerecht. Über vier Stunden konnten sie sich in Gesprächen und Vorträgen über praktische Unterrichtsbeispiele informieren und Motivation für die Beschäftigung mit diesen Themen finden. Hier sorgte insbesondere der vom Verein Yad Ruth e.V. ermöglichte Austausch mit der Holocaust-Überlebenden Eva Szepesì und ihrer Tochter Anita Schwarz für eindringliche Inspiration, ebenso wie der Vortrag einer Schüler*innengruppe des Katharineums in Lübeck, die als Gedenktag-AG im Rahmen eines selbst entwickelten Curriculums für alle Jahrgangsstufen die alljährliche Ausgestaltung des "Holocaust-Gedenktages" an ihrer Schule organisieren. Vorträge von Dr. Constanze Jaiser, Projektleiterin von „zeitlupe. Stadt.Geschichte&Erinnerung“ bei der RAA Mecklenburg-Vorpommern e.V., die über ihre postiven Erfahrungen und die Organisation regionalgeschichtlicher Spurensuche mit Jugendliche berichtete, und von Rebecca Vaneeva, Regionalkoordination des Begegnungsprojektes "Meet a Jew", die sehr praktisch den offenen Verlauf eines Begegnungsdialoges in Schulen demonstrieren konnte, komplettierten das vielfältige Programm des Fachtages.
"Der Verlauf unseres ersten regionalen Fachtages war sehr ermutigend. Wir treffen auf viel Interesse mit unserem Anliegen, ein Bildungsnetzwerk von Multiplikator*innen in den Schulen zu schaffen", sagte Projektverantwortlicher Mark Sauer vom Verein Miteinander leben e.V., dankbar für die Unterstützung der Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen bei der Durchführung in Ratzeburg. Im kommenden Jahr wird sich die Arbeit des Projektes "ZUGÄNGE ERWEITERN" schwerpunktmäßig in die Kreise Steinburg, Segeberg, Ostholstein und Plön verlagern, um so schrittweise das Netzwerk über das Land wachsen zu lassen. Eine begleitende Wanderausstellung unter dem Titel "In meiner Nähe" soll dabei türöffnend unterstützen und ganz praktisch zur Beschäftigung mit Antisemitismus und jüdischen Leben einladen.
Das Projekt „ZUGÄNGE ERWEITERN – Bildungsnetzwerk Antisemitismus“ wird gefördert vom Landesdemokratiezentrum Schleswig-Holstein beim Landespräventionsrat Ministerium für Inneres, ländliche Räume, Integration und Gleichstellung des Landes Schleswig-Holstein und vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Schleswig-Holstein.
Ratzeburger Volkshochschule bewegt in beeindruckender Weise das Thema "Antisemitismus"
Äußerst zufrieden blickt die Ratzeburger Volkshochschule auf den Verlauf zweier Veranstaltungen, die im Rahmen der Reihe "Antisemitismus und jüdisches Leben heute!" in den vergangenen drei Wochen trotz Coronaeinschränkungen viel Interesse und Zuschauerzuspruch erfuhren. So verfolgten rund 70 Besucherinnen die Aufführung des Theaterstücks "Ein Versteck im 20. Jahrhundert - Szenen einer Mischehe" in der Aula der Lauenburgischen Gelehrtenschule. Das Zwei-Personen-Stück von Heinz Rudolf Unger, dargeboten vom Ensemble "Bühnenreif" des „Theater im Stall“, beeindruckte das Publikum sichtlich. Maren Colell und Jörn Bansemer verkörperten die Rollen der Jüdin Judith und ihres deutschen Ehemannes Arnolt, beides Theaterschauspieler, die in der Zeit des Nationalsozialismus sowohl den fortschreitenden Kulturverfall als auch ihre ganz persönliche Bedrohung wahrnehmen müssen, versteckt auf einen Dachboden und immer in Gefahr denunziert zu werden. Die Eindringlichkeit des Spiels führte im Anschluss an den minutenlangen Applaus zu vielen angeregten Gesprächen zwischen den Besuchern. "Wir haben viele positive Rückmeldungen zu dieser Theateraufführung erhalten, immer wieder auch den Hinweis, dieses Stück unbedingt an die Schulen zu bringen, weil es eine solch große Themenvielfalt zu Antisemitismus eröffnet", sagte Silvia Tessmer von der Ratzeburger Volkshochschule.
Ebenso intensiv waren die Gespräche auch nach der zweiten Veranstaltung, der Begegnung mit Eva Szepesì, die in der Stadtkirche St. Petri aus ihren Lebenserinnerungen „Ein Mädchen allein auf der Flucht“ las. Rund 90 Zuhörer*innen hatte sich eingefunden und folgten mit wachsender Beklemmung den Ausführungen der Holocaust-Überlebenden, die 1944 als 12jährige von ihrer Familie aus Budapest in die Slowakei geschmuggelt wurde, um den drohenden Verhaftungen und Deportationen zu entgehen. Dort wurde sie schließlich doch gefangen genommen und nach Auschwitz deportiert. Sie überlebte das KZ als eines von 300 Kindern, während ihre Familie von den Nazis vollständig ermordet wurde. Begleitet von ihrer Tochter Anita Schwarz, die eindringlich Beispiele von Antisemitismus in der aktuellen Gegenwart thematisierte, beantwortete Eva Szepesì anschließend alle Fragen aus dem Publikum mit großer Offenheit. Musiker und Komponist Axel Weggen aus Düsseldorf begleitete die Lesung auf dem Flügel und der Kirchenorgel mit jüdischen Musikstücken. "Wir konnten diese Lesung dankenswerterweise in Kooperation mit dem Verein Yad Ruth e.V. in Ratzeburg anbieten. Es ist immer ein großes Privileg, einem Menschen zu begegnen, der den Holocaust überleben konnte und auch im hohen Alter noch die Kraft hat, darüber zu berichten", sagte Silvia Tessmer. Sie zog damit auch inhaltlich eine sehr positive Bilanz der unter schwierigen Bedingungen organisierten Veranstaltungsreihe, die mit der die Ausstellung "DER SCHMERZ DER BEFREIUNG IM SPIEGEL DER KUNST" in St. Petri begonnen hatte und von der Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" ermöglicht wurde.
Ratzeburger Volkshochschule präsentiert Theaterstück gegen Antisemitismus
Die Ratzeburger Volkshochschule lädt im Zuge ihrer Veranstaltungsreihe "Antisemitismus und Jüdisches Leben heute" am 29.10.2021 um 19.00 Uhr zu einem eindringlichen Schauspiel in die Aula der Lauenburgischen Gelehrtenschule. Maren Colell und Jörn Bansemer vom Ensemble "Bühnenreif" des „Theater im Stall“ präsentieren als Premiere das Theaterstück „Ein Versteck im zwanzigsten Jahrhundert - Szenen einer Mischehe“ von Heinz Rudolf Unger. Es handelt von Judith. Sie ist Jüdin und hat deshalb ihr Theater-Engagement verloren. Ihr Mann Arnolt ist noch am Theater. Aber er, der mit seiner Frau alle großen Rollen gespielt hat, muss sich nun mit kleinen Rollen zufriedengeben. Als sie sich auf einem Dachboden verstecken müssen, versuchen sie sich gegen die zunehmende Verzweiflung zu wehren, indem sie sich einander Begegnungen und Szenen vorspielen.
Die Veranstaltungsreihe wird über die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" gefördert. Entsprechend ist der Eintritt zum Schauspiel frei. Ein Nachweis entsprechend der 3G-Regel (geimpft, getestet, genesen) ist allerdings erforderlich. Eine Anmeldung unter volkshochschule@ratzeburg.de wird erbeten.
Ratzeburger Volkshochschule startet Veranstaltungsreihe zu "Antisemitismus und Jüdisches Leben heute"
Bereits seit Jahresbeginn plant die Ratzeburger Volkshochschule zusammen mit dem Verein Miteinander leben e.V. im Kontext der bundesweiten Feierlichkeiten "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" einen Programmbeitrag für Ratzeburg und das Umland unter dem Titel "Antisemitismus und Jüdisches Leben heute". Coronaverspätet kann dieses Kooperationsprojekt nun endlich starten und mit unterschiedlichen Veranstaltungsformaten Schlaglichter setzen, die zum Nachdenken über die vielen Facetten des Antisemitismus anregen, aber auch die Neugier wecken, jüdisches Leben in der Region kennenzulernen.
"In unserer Eröffnungsveranstaltung am 3. September 2021 um 19.00 Uhr in der St. Petri Kirche Ratzeburg präsentieren wir eine von Yad Vashem entwickelte Ausstellung mit dem Titel "Der Schmerz der Befreiung im Spiegel der Kunst". In die Ausstellung wird Gabriele Hannemann als Vorsitzende und Gründerin des Vereins Yad Ruth e.V. einführen. Die Thematik wird durch einen Vortrag "Antisemitismus in Schleswig-Holstein" von Sigrid Richolt (LIDA e.V.) vertieft. Musikalisch begleitet das Duo "Pabameto" durch den Abend", beschreibt Silvia Tessmer, Geschäftsführerin der Ratzeburger Volkshochschule, den geplanten Auftakt zur Veranstaltungsreihe.
Am 16.09.2021 um 15:00 Uhr ist eine kostenlose Führung durch das Jüdische Museum in Rendsburg gebucht. Die Anreise muss von Interessierten selbst organisiert werden, entweder in Fahrgemeinschaften oder über Gruppenfahrten der Regionalbahn. Am 29.10.2021 wird um 19.00 Uhr das „Theater im Stall“ ihr neuestes Stück in der Aula der Lauenburgischen Gelehrtenschule vorstellen. Der Titel des Theaterstücks von Heinz Rudolf Unger lautet „Ein Versteck im zwanzigsten Jahrhundert - Szenen einer Mischehe“. Es handelt von Judith. Sie ist Jüdin und hat deshalb ihr Theater-Engagement verloren. Arnolt ist noch am Theater, aber er, der mit seiner Frau alle großen Rollen gespielt hat, muss sich nun mit kleinen Rollen zufriedengeben. Sie müssen sich auf einem Dachboden verstecken, und sie versuchen, sich gegen die zunehmende Verzweiflung zu wehren, indem sie sich Begegnungen und Szenen vorspielen.
Zum Abschluss der Veranstaltungsreihe wird die Autorin und Zeitzeugin Eva Szepesì am 7. November 2021, um 18:00 Uhr in der St. Petri Kirche Ratzeburg aus ihren Lebenserinnerungen „Ein Mädchen allein auf der Flucht“ lesen. Eva Szepesis berichtet über ihr Leben während des Holocausts und vermag die Hörer*Innen auf eine erschreckende Reise in die Vergangenheit, die geprägt ist von Angst, Trauer und Schmerz, mitzunehmen. Der Autorin gelingt es, das Unsagbare in Worte zu fassen und so einen Einblick in das Schreckensregime der NS-Diktatur in Ungarn, Polen und der Slowakei zu geben. Musikalisch begleitet wird sie von dem Musiker und Komponisten Axel Weggen. Axel Weggen ist ein Experte auf dem Gebiet jüdischer Musik. Nach seinem Examen an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf widmete er sich der synagogalen Musik. Er gründete und leitet das Lewandowski-Ensemble für synagogale Musik und tritt mit diesem bundesweit auf. Die Veranstaltung wird in Kooperation mit dem Verein Yad Ruth e.V. aus Hamburg durchgeführt.
Zudem sind noch weitere Veranstaltungen in den Schulen geplant. Der Eintritt für alle Veranstaltungen ist dank einer Förderung durch die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!" frei. Es gelten jedoch für alle Veranstaltungen die aktuellen Corona-Verordnungen. Die Veranstalter bitten um eine Voranmeldung unter Telefon 04541/8000-146 oder online unter www.vhs-ratzeburg.de, da nur eine begrenzte Zahl an Sitzplätzen zur Verfügung steht. Eine Teilnahme ist jeweils nur unter der 3G-Voraussetzung -geimpft, genesen, getestet- möglich ist. Der Nachweis ist bei Zutritt zu den Veranstaltungsorten bereit zu halten.
Ratzeburger Veranstaltungsreihe zu jüdischem Leben und Antisemitismus erfuhr viel Zuspruch
„Was weißt Du von jüdischem Leben und Antisemitismus heute?” - Unter dieser Fragestellung hatten sich der Verein Miteinander leben e.V., die Liberalen Jüdischen Gemeinde Lübeck und die Volkshochschule Ratzeburg im Frühjahr zusammengefunden, um im Jahresverlauf 2020 gemeinsam ein attraktives Programm aus Vorträgen, Exkursionen und Kulturveranstaltungen in Ratzeburg zu organisieren, das neugierig machen, informieren und sensibilisieren sollte. Die Corona-Pandemie durchkreuzte die ersten Planungen, konnte die Organisatoren letztlich aber nicht entmutigen. Im Herbst bot sich schließlich doch die Möglichkeit, unter Einschränkungen zwei musikalische Lesungen, eine Ausstellung sowie ein Vortragsabend zu veranstalten, mit jeweils großer Resonanz und öffentlichem Zuspruch.
Zusammen mit dem Ensemble vom "Theater im Stall" und Musiker Peter Köhler wurde im September eine musikalische Lesung „Adressat unbekannt“ nach dem Roman von Kressmann Taylor, coronabedingt an zwei Abenden, im Ratssaal des Ratzeburger Rathaus präsentiert. Nachfolgend wurde in der Stadtbücherei die Ausstellung „Du Jude“ der Kölnischen Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit gezeigt, die die Geschichte und die vielfältigen Gegenwartsphänomene des Antisemitismus thematisiert. Die Ausstellung wanderte anschließend für weitere 14 Tage in die Lauenburgische Gelehrtenschule für schulinternen Unterricht. Das Programm beschließen konnte Journalist und Autor Igal Avidan im November mit einem Vortrag zu und aus seinem Buch „Mod Helmy – wie ein arabischer Arzt Juden vor der Gestapo rettete“.
Aus Sicht der drei Veranstalter konnte die Programmreihe die selbst gesteckten Ziele trotz Corona voll erfüllen, sowohl inhaltlich als auch hinsichtlich des guten Zuspruchs durch ein interessiertes Publikum. Insgesamt haben rund 850 Besucher*innen und rund 150 Schüler*innen die Veranstaltungsangebote angenommen. Es sind darüber hinaus bereits weitere Veranstaltungsideen in diesem bewährten Kooperationsgefüge entstanden, gerade mit Blick auf die bundesweite Gedenkveranstaltungsreihe ”1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland” im kommenden Jahr.
Die Veranstaltungsreihe wurde gefördert durch die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen mit Mitteln aus dem Bundesprogramm "Demokratie leben!" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.
"OMAS GEGEN RECHTS" erinnern an das Schicksal der jüdischen Familie Rosenberg
Anlässlich des 9. November erinnerten die "OMAS GEGEN RECHTS" und Stadtarchivar Christian Lopau an das Schicksal der Ratzeburger Kaufmannsfamilie Rosenberg mit ihrem Geschäfts- und Wohnhaus in der Domstraße 8 in Ratzeburg. Dabei wurden die "OMAS GEGEN RECHTS" wegen der aktuellen Coronasituation durch Frau Elke Hagenah vertreten, da alle Mitglieder aufgrund ihres Alters zur Risikogruppe gehören. In den letzten Wochen hatten sich die OMAS GEGEN RECHTS intensiv mit dem jüdischen Leben in unserem Kreis auseinandergesetzt und dazu Stadtarchivar Christian Lopau auch zu einem Vortrag eingeladen. Dabei wurde nicht nur das Vergangene thematisiert, sondern auch diskutiert, wie das Geschehene in Erinnerung bleiben kann und als Mahnmal dienen kann, damit sich solche oder ähnliche Ereignisse niemals mehr wiederholen werden.
Christian Lopau berichtete in diesem Zusammenhang vom Schicksal der Familie Rosenberg. Sie hatten ein Bekleidungsgeschäft in der Domstraße in Ratzeburg. Bis auf einen überlebenden Sohn ist die ganze Familie im Holocaust ermordet worden. Schülerinnen und Schüler der Lauenbugischen Gelehrtenschule hatten die Geschichte dieser Familie im Jahr 2005 aufgearbeitet und seitdem existiert eine Metallplatte auf dem Boden direkt vor dem Haus. Leider ist diese Platte nur sehr schwer zu sehen, sodass sie von Passanten kaum wahrgenommen wird. Christian Lopau und die "OMAS GEGEN RECHTS" wünschen sich, dass diese Platte prägnanter an oder vor dem Haus angebracht wird und damit besser wahrgenommen werden kann. Dies wäre ein kleiner aber wichtiger Beitrag zur steten Erinnerung an die unvorstellbaren Gräuel, die die Judenverfolgung im Dritten Reich über ihre Opfer gebracht hat. Die Stadt Ratzeburg unterstützt dieses Anliegen und hat angekündigt sich des Problems anzunehmen.
Die "OMAS GEGEN RECHTS" haben sich darüber hinaus aber auch mit den anderen Ereignissen des 9.11. intensiv beschäftigt, z.B. der Gründung der deutschen Republik 1918 und dem Mauerfall 1989. Gerade der Mauerfall ist allen ja noch sehr prägnant im Gedächtnis. Aus diesem Anlass haben die "OMAS GEGEN RECHTS" ein YouTube Video aufgenommen mit kurzen persönlichen Statements von einzelnen OMAS. Dazu Elke Hagenah: „Es ist uns wichtig, unsere Stimme zu erheben. Die Geschehnisse am 9. November stehen für wichtige geschichtliche Ereignisse, die unsere Geschichte in Deutschland mal zum Schlechten und mal zum Guten geprägt haben. Zu finden ist dieses Video unter: »OMAS GEGEN RECHTS Herzogtum Lauenburg 9. November« auf YouTube. Die OMAS freuen sich, wenn dieses Video zahlreich gesehen und weiterverbreitet wird."
Wer mit den"OMAS GEGEN RECHTS" Kontakt aufnehmen will schreibe bitte an: omas-gegen-rechts-krs-hzgt-lauenburg@ok.de
"OMAS GEGEN RECHTS" ist eine zivilgesellschaftliche überparteiliche Initiative. Die OMAS wollen Missstände mit geeigneten Methoden öffentlich machen und politischen Widerstand gegen jede Form von Ausgrenzung und Rassismus organisieren.
"Du Jude!" - Ausstellung zum alltäglichen Antisemitismus in Deutschland in der Stadtbücherei
Das Kooperationsprojekt "ZUGÄNGE SCHAFFEN" des Vereins Miteinander leben e.V., der Liberalen jüdischen Gemeinde Lübeck und der Ratzeburger Volkshochschule zeigt ab dem 2. Oktober 2020 unter dem Titel "Du Jude!" eine Ausstellung der Kölnischen Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit e.V. zum alltäglichen Antisemitismus in Deutschland in der Stadtbücherei. Judenfeindschaft wird häufig immer noch als historisches Phänomen betrachtet und vorwiegend mit dem Nationalsozialismus verknüpft. Dass Antisemitismus jedoch ein alltägliches Problem für Jüdinnen und Juden in Deutschland darstellt, er verschiedene, auch neuere Formen annimmt und in allen Schichten der Gesellschaft anzutreffen ist, darauf weisen empirische Studien seit Jahren hin. Daraus ergibt sich der Bedarf einer umfassenden politischen Bildungsarbeit. Mit der Ausstellung "Du Jude!", die nicht nur grundsätzlich über Antisemitismus informiert, sondern vor allem den Bezug zu Alltagswelten von Jugendlichen herstellt, werden aktuelle Formen der Judenfeindschaft zum Thema gemacht. Zahlreiche Beispiele, unter anderem aus den Bereichen Musik, Sport, Internet und natürlich Schule, machen dies plakativ erfahrbar. Dabei werden auch die Perspektiven und alltäglichen Erfahrungen von Jüdinnen und Juden sowie die Bedrohungslage für jüdisches Leben in Deutschland sichtbar gemacht.
Die Ausstellung "Du Jude!" wird für 14 Tage während der Öffnungszeiten in der Stadtbücherei zu sehen sein und anschließend an die Lauenburgische Gelehrtenschule für schulinternen Unterricht zum Thema Antisemitismus wandern. Sie wird gefördert von der Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!". Für den Zugang zur Ausstellung gelten die Coronabestimmungen der Stadtbücherei.
"Antisemitismus im Blick" - Angela Bertram und Maren Colell lesen für das Ratzeburger Kooperationsprojekt "ZUGÄNGE SCHAFFEN" aus "Empfänger unbekannt"
Mit zwei Lesungen startet am 10. und 11.09.2020 das lang geplante Kooperationsprojekt "ZUGÄNGE SCHAFFEN" des Vereins Miteinander leben e.V., der Liberalen jüdischen Gemeinde Lübeck und der Ratzeburger Volkshochschule coronaverspätet endlich sein Ratzeburger Programm zu den Themenkomplexen "Antisemitismus" und "Jüdisches Leben heute". Mit unterschiedlichen Veranstaltungsformaten sollen Schlaglichter gesetzt werden, die zum Nachdenken über die vielen Facetten des Antisemitismus anregen oder auch Neugier wecken, jüdisches Leben in der Region kennenzulernen.
Für den Auftakt wurden Angela Bertram und Maren Colell von "Theater im Stall" gewonnen. Sie lesen an den genannten zwei Abenden musikalisch umrahmt von Peter Köhler jeweils ab 19:00 Uhr im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses den Briefroman "Empfänger unbekannt!" von Kressmann Taylor. Dieser Text zählt zu den beeindruckendsten literarischen Zeitdokumenten aus der Zeit des Nationalsozialismus. Es ist eine messerscharfe Analyse, die zeigt, was mit Menschen, selbst mit Freunden passiert, wenn sie das Geistesgift des Antisemitismus in ihre Gedanken lassen. Seine Aussagen ist damit auch in unserer Gegenwart wieder hochaktuell und mahnend. Aufgrund der Coronaabstandsregeln können jeweils nur 28 Personen an dieser besonderen Lesung teilnehmen. Eine Voranmeldung unter 04541-206726 oder miteinander.leben@t-online.de ist obligatorisch.
Das Kooperationsprojekt "ZUGÄNGE SCHAFFEN" wird in der Folge mit weiteren Angeboten die Themen vertiefen wollen, unter anderem im Oktober mit der Ausstellung "Du Jude!", die sich mit Antisemitismus in seiner aktuellen Form befasst und insbesondere junge Menschen ansprechen soll. Es wird gefördert von der Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!".
"Der verbindende Faden"
Ein interkulturelles und interreligiöses Begegnungsprojekt
Junge Frauen und alte Frauen und drumherum eine wuselige Kinderschar - bei einem gemeinsamen Frühstück haben sie sich in der interkulturellen Schneiderwerkstatt des Diakonischen Werks in Ratzeburg zusammengefunden, um an einem sonnigen Junimorgen ihre Erfahrungen auszutauschen. Zwölf junge Frauen aus Syrien, Afghanistan und dem Irak und drei ältere Frauen aus der Ukraine erzählten von ihrer Herkunft, von ihren Wünschen und Zielen und fanden sich trotz aller Unterschiede schnell vereint in der großen Herausforderung, sich in einem fremdem Land in einer fremden Sprache verständlich machen zu müssen. Der mit den vielfältigsten Leckereien und Spezialitäten der jeweiligen Länder gedeckte Tisch unterstrich das Motto der Zusammenkunft: Tischkultur im jeweiligen Brauch des Landes.
Hintergrund des Treffens war ein interkulturelles und interreligiöses Begegnungsprojekt, das aus einem Bedarf der noch im Aufbau befindlichen Liberalen Jüdischen Gemeinde Lübeck entstanden war. Sie mietet bei der evangelischen Domgemeinde zu Lübeck an festzulegenden Terminen einen Raum, in dem sie sich zu Gottesdiensten und anderen Anlässen treffen kann. Dieser Raum wird von der Domgemeinde ebenfalls für Jugendfreizeiten und andere Versammlungen genutzt. Um jüdische Feste nach üblichem Brauch zu begehen, ist es notwendig, die Tische festlich zu decken. Der Talmud vergleicht den gedeckten Tisch mit einem Altar.
Und so entstand die Idee, die benötigten weißen Tischdecken nicht einfach zu kaufen, sondern sie im Rahmen eines Begegnungsprojekts gemeinsam mit jungen Flüchtlingsfrauen selber herzustellen. Auch der Umstand, dass die jüdischen Frauen selbst vor längerer Zeit als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland gekommen sind und ähnliche Erfahrungen in einem für sie zunächst fremdem Land gemacht haben, erschien dabei als ein hilfreich verbindendes Element der Begegnung.
Dank der Begeisterung an der Idee wurden über den Sommer hinweg pünktlich zum bevorstehenden jüdischen Neujahrsfest "Rosch ha-Schana" zwölf Tischdecken fertiggestellt, und dies trotz Ramadan und Id, das islamische Zuckerfest als feierlicher Abschluss der Fastenperiode. Die Gestaltungsfreude war offensichtlich nicht zu bremsen, wie sich die Mitglieder der Liberalen Jüdischen Gemeinde Lübeck mehrfach überzeugen konnten. Bei einem feierlichen Übergabetermin am vergangenen Dienstag wurde das die getane Arbeit dankend bewundert und gleich demonstriert, wie ein geschmückter jüdischen Festtisch aussehen wird.
Das Projekt des „verbindenden Fadens“ wurde gefördert durch die Partnerschaft für Demokratie der Stadt Ratzeburg und des Amtes Lauenburgische Seen im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“, ein sogenanntes Kleinprojekt mit nur geringfügiger Fördersumme, aber großer interreligiöser und interkultureller Strahlkraft.
»Wir sind die Juden aus Breslau«
Prämierter Dokumentarfilm zeigt überlebende Jugendliche und ihre Schicksale nach 1933 im Burgtheater Ratzeburg
Sie waren jung, blickten erwartungsfroh in die Zukunft, fühlten sich in Breslau, der Stadt mit der damals in Deutschland drittgrößten jüdischen Gemeinde, beheimatet. Dann kam Hitler an die Macht. Ab diesem Zeitpunkt verbindet diese Heranwachsenden das gemeinsame Schicksal der Verfolgung durch Nazi-Deutschland als Juden: Manche mussten fliehen oder ins Exil gehen, einige überlebten das Konzentrationslager Auschwitz. Der Heimat endgültig beraubt, entkamen sie in alle rettenden Himmelsrichtungen und bauten sich in den USA, England, Frankreich, und auch in Deutschland ein neues Leben auf. Nicht wenige haben bei der Gründung und dem Aufbau Israels wesentlich mitgewirkt.
14 Zeitzeugen stehen im Mittelpunkt des Films. Sie erinnern nicht nur an vergangene jüdische Lebenswelten in Breslau. Ihre späteren Erfahrungen veranschaulichen eindrücklich ein facettenreiches Generationenporträt. Einige von ihnen nehmen sogar den Weg in die frühere Heimat auf sich, reisen ins heutige Wrocław, wo sie einer deutsch-polnischen Jugendgruppe begegnen. Gerade in Zeiten des zunehmenden Antisemitismus schlägt der Film eine emotionale Brücke von der Vergangenheit in eine von uns allen verantwortlich zu gestaltende Zukunft.
Der Film mit dem Prädikat „wertvoll“ ist mit dem Deutsch-Polnischen Kulturpreis Schlesien 2017 sowie der Ehrenmedaille der Europäischen Kulturhauptstadt Wroclaw ausgezeichnet worden. Zur Vorführung in Ratzeburg wird Regisseurs Dirk Szuszies anwesend sein und anschließend dem Publikum für Fragen zur Verfügung stehen. Der Eintrittspreis beträgt 8,00 €, 6,00 € ermäßigt für Mitglieder des Ratzeburger Filmclubs.
Mit Unterstützung einer Förderung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ des Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend besteht am 27.03.2019 zudem die Möglichkeit, für Schulen der Region eine kostenlose, vormittägliche Schulvorführung zu organisieren. Interessierte Klassen können sich unter miteinander.leben@t-online.de anmelden.
Verein Miteinander leben e.V. zeigt Wanderausstellungzur Geschichte der Jugend-KZs Moringen und Uckermark 1940 bis 1945in der Gemeinschaftsschule "Lauenburgische Seen"
Ab kommender Woche zeigt der Verein Miteinander leben e.V. im Rahmen seines Jugendbildungsprojektes OPEN MIND zusammen mit der Gemeinschaftsschule "Lauenburgische Seen" die Wanderaustellung "Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben ..." zur Geschichte der Jugend-KZs Moringen und Uckermark 1940 bis 1945.
„Spezielle KZs nur für Jugendliche? Das habe ich noch nie gehört!“ Das ist eine häufige Aussage bei Jung und Alt. Und doch hat es diese Lager unter der Bezeichnung „Jugendschutzlager“ gegeben. Noch vor wenigen Jahren gehörten sie zu den „vergessenen“ nationalsozialistischen Terrorstätten. Polizei und SS errichteten zwei solcher Lager in Moringen bei Göttingen (1940 - 1945) und in der Nähe von Fürstenberg beim Frauen-Konzentrationslager Ravensbrück in der Uckermark (1942 - 1945). Daneben bestand im polnischen Lodz noch ein drittes sog. „Jugendschutzlager“, in dem die SS polnische Kinder und Jugendliche inhaftierte.
Die Wanderausstellung „Wir hatten noch gar nicht angefangen zu leben“, die von Martin Guse aus Liebenau konzipiert wurde, thematisiert die Geschichte der Lager Moringen und Uckermark sowie der jungen Häftlinge. Aufgrund politischer, religiöser, rassischer und - vor allem - sozialer Verfolgung wurden Mädchen in Uckermark und Jungen in Moringen als sogenannte „Gemeinschaftsfremde“ inhaftiert. Im Alter von 10 bis 25 Jahren waren nahezu 3.000 Kinder und Jugendliche - viele noch in der Pubertät - aus ihren Lebenszusammenhängen gerissen und dem SS-Terror, der kriminalbiologischen Selektion und der Zwangsarbeit ausgesetzt. Sie kamen aus allen Teilen des „Reiches“ und aus den von deutschen Truppen überfallenen Ländern. Fürsorgerinnen und Erzieher, Polizei, Haus- und Blockwarte, Nachbarn und Bekannte, Arbeitgeber und Lehrherren: Viele beobachteten, registrierten und denunzierten den Lebensstil, das „unbotmäßige“ und auffällige Verhalten oder die antinazistische Einstellung der Jungen und Mädchen. Vor allem Jugendämter und Erziehungsheime nutzten die Möglichkeit, missliebige Jugendliche aus der Heimerziehung auszusondern und in die Jugend-KZ zu überstellen.
In Moringen wurden minderjährige Jungen und im Lager Uckermark Mädchen und junge Frauen unter erniedrigenden Bedingungen zusammengepfercht. Bei mangelhafter Verpflegung waren sie den unterschiedlichen Witterungsverhältnissen nahezu hilflos ausgeliefert. Peinigende Strafen und sadistische Quälereien gehörten zum täglichen Leben der Häftlinge. In der Haft starben viele Jungen und Mädchen, die Überlebenden erlitten erhebliche körperliche und seelische Beeinträchtigungen.
Die Ausstellung, die für zwei Wochen in Ratzeburg gastieren wird, richtet sich überwiegend an Schulkassen in der Region. Sie ist aber auch der interessierten Öffentlichkeit zugänglich. Die Schulleitung bitte hier jedoch um Voranmeldungen unter 04541 / 8000-210, um Störungen des allgemeinen Schulbetriebes vorbeugen zu können.
Wanderausstellung von Yad Vashem im Ratssaal des Ratzeburger Rathauses
"BESA - Eine Sache der Ehe - Wie muslimische Albaner Juden retteten"
In der kommenden Woche zeigt das Jugendbildungsprojekt OPEN MIND des Vereins Miteinander leben e.V. die Wanderausstellung "BESA - Eine Sache der Ehre" der Gedenkstätte Yad Vashem im Ratsaal des Ratzeburger Rathauses. Die Ausstellung thematisiert anhand von Biographien eine sehr bemerkenswerte Facette aus der Zeit des Holocaust, die sich in Albanien ereignete und bis heute wenig im europäischen Bewusstsein verankert ist.Albanien mit seiner muslimischen Bevölkerungsmehrheit erreichte, woran viele andere europäische Nationen scheiterten: Fast alle Juden, die während der deutschen Besetzung auf albanischem Staatsgebiet lebten, wurden gerettet. Dabei spielte es keine Rolle, ob sie albanischer oder ausländischer Herkunft waren.
Ihre Hilfe gründete auf Besa, einem ethischen Prinzip, das den Albaner bis heute normative Orientierung bietet. Besa bedeutet „ein Versprechen halten": Jemand, der sein Wort hält, dem man sein eigenes Leben anvertrauen kann und auch das seiner Nächsten. Juden und Nichtjuden gleichermaßen zu helfen, war für die muslimischen Albaner eine Frage der Ehre. Bis Januar 2010 wurden 69 Albaner von Yad Vashem als „Gerechte unter den Völkern" geehrt.
Die albanische Bevölkerung bewies außerordentlichen Mut, als sie sich weigerte, dem Befehl der deutschen Besatzer Folge zu leisten, die in ihrem Land lebenden Juden auszuliefern. Viele Regierungsangehörige statteten jüdische Familien mit falschen Papieren aus, die ihnen ein normales Leben als Teil der Bevölkerung gestatteten. Die Albaner schützten nicht nur ihre eigenen jüdischen Bürger, sondern gewährten auch jüdischen Flüchtlingen Zuflucht, die in ihrem Land nach Rettung suchten.
Die Ausstellung zeigt Porträts von albanischen Muslimen, die während der Shoa jüdische Mitmenschen vor der Vernichtung retteten. Die Aufnahmen stammen von dem amerikanischen Fotografen Norman Gershman. Sie wurden erstmalig am Internationalen Holocaustgedenktag 2008 im Hauptquartier der Vereinten Nationen in New York gezeigt.
Die Ausstellung kann vom 17.09. - 21.09.2012 während der Öffnungszeiten des Rathauses besichtigt werden. Sie bleibt kurzfristig geschlossen, wenn Schulklassen im Rahmen der Ausstellung einen Projektunterricht durchführen.
Die Ausstellung wird auf Initiative des Vereins Miteinander leben e.V. vor allem an Schulen der Region gezeigt. Sie gastierte bereits wochenweise an der Gemeinschaftsschule Bergedorf, der Oberstadtschule Geesthacht, ist aktuell an der Gemeinschaftsschule Büchen zu sehen und wird nach dem Zwischenstopp in Ratzeburg noch am Marion-Dönhoff-Gymnasium in Mölln gezeigt werden.

