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Von der Races Burg zu Ratzeburg
Die Geschichte einer Inselstadt

Ein wichtiges Datum für Ratzeburgs Geschichte ist 1093. In der Schlacht auf der Schmilauer Heide wurde der endgültige Sieg über die Ostseeslawen errungen und das Kloster St. Georgsberg zusammen mit der Kirche wieder aufgebaut. Ansverus wurde um 1142 heiliggesprochen und seine bis dahin verschwundenen, wohl gut vor den Heiden verborgenen, Gebeine wurden 1172 in einer feierlichen Prozession in den Dom überführt.

"Racesburg" stand in einer in Worms ausgestellten Urkunde aus dem Jahre 1062. Heinrich IV schenkte die im Polabengau gelegene Racesburg dem Billungerherzog Otto von Sachsen. Diese Erwähnung Ratzeburgs gilt mithin als die erste in der Geschichte. Der Name "Racesburg" geht vermutlich zurück auf den slawischen Fürsten Ratibor, der Ratse genannt wurde und in einer Ringburg residierte. Die Entwicklung der Ansiedlung geht einher mit der Christianisierung des Gebietes, bereits um das Jahr 1044 wurde Ansverus, ein Mönch aus dem Kloster Harsefeld bei Stade, vom christlichen Obotritenfürst Gottschalk in dieses Gebiet berufen. Ein Kloster auf dem St. Georgsberg wurde begründet.

Bereits vier Jahre später, 1066, wurde bei einem Slawenaufstand alles Christliche in und um Ratzeburg vernichtet. Das Kloster St. Georgsberg wurde zerstört, der Abt Ansverus und 18 seiner Gefährten gesteinigt. Das "Ansverus-Kreuz" in Einhaus und eine bebilderte Tafel im Dom und in der katholischen Kirche in der Fischerstraße erinnern heute noch daran.

 

Heinrich der Löwe und Ratzeburg


1143 trat Heinrich der Löwe in das Licht der Ratzeburger Geschichte. Er belehnte den Grafen Heinrich von Bodewide mit der Festung und anstelle der alten slawischen Ringburg entstand eine Steinerne auf der Schloßinsel. Die Burg lag der Stadt vorgelagert und konnte schon zu Zeiten Heinrich des Löwen erfolgreich vielen Angriffen Widerstand bieten. Um das Jahr 1300 errichtete man einen zusätzlichen Pfahlschutz rund um die Insel, Reste dieser Eichenpfähle wurden erst in heutiger Zeit entfernt. Der Straßenname "Palisadenweg" erinnert noch daran.

Die Grafschaft ging nach dem Sturz Heinrich des Löwen zusammen mit Lauenburg in askanische Herrschaft über und wurde zum Herzogtum Lauenburg vereinigt.

 

Zerstörung und Wiederaufbau


Zwischen 1803 und 1809 verarmte die Stadt völlig. Es gab Gefechte, Plünderungen und Einquartierungen schwedischer, französischer, preußischer, dänischer u.a. Truppen in und um Ratzeburg. Die Stadt gehörte kurze Zeit zum französischen Kaiserreich und wurde im Wiener Kongreß Dänemark zugesprochen. Die Festung wurde abgerissen (daher der Straßenname Demolierung) und Straßen gebaut. Die Lange Brücke wich dem Königsdamm, 1843 wurde das Rathaus auf dem Marktplatz eingeweiht, 1848 die Lauenburgische Gelehrtenschule errichtet und 1851 die Lübeck-Büchener Eisenbahnlinie gebaut. 1865 wurde das gesamte Herzogtum Lauenburg preußisch und der neue Landesherr war damit Wilhelm I von Preußen. Ratzeburg wurde Garnison des Lauenburgischen Jägerbataillons Nr. 9.

 

Fremde Herren


1689, nach dem Aussterben des askanischen Hauses, fiel das Herzogtum an das Haus Lüneburg-Celle. Die Stadt wurde befestigt, das alte Schloß abgerissen und eine starke Festung errichtet. Der dänische König Christian V sah darin eine Verletzung der im "Westfälischen Frieden" von 1648 getroffenen Vereinbarungen und rückte 1693 mit 12.000 Mann gegen Stadt und Festung vor. Innerhalb weniger Tage wurde Ratzeburg bis auf 5 Häuser, den Dom und die Stadtkirche in Schutt und Asche geschossen. Geschickte Verhandlungen führten dennoch zum Abzug der Dänen.

Die Stadt wurde im Stil einer barocken geometrischen Anlage wiederaufgebaut. Als Muster für den Grundriß diente der Plan Mannheims, der damals modernsten Städteneugründung.

Den zweiten Weltkrieg hat Ratzeburg unbeschadet überstanden. Von Engländern besetzt, blieb der Stadt die Zerstörung erspart. Der Zustrom Tausender von Flüchtlingen aus Ostpreußen und Pommern, aus den zerbombten Städten Hamburg und Lübeck verdoppelte die Einwohnerzahl auf nahezu 12.000.

Noch heute zählt die Inselstadt nicht viel mehr Einwohner, es sind rund 13.000.